Konsequent nachhaltig produzieren und wirtschaften.

Das Umweltbewusstsein ist durch den Klimawandel drastisch gestiegen. Immer mehr Verbraucher legen Wert auf nachhaltige Produkte, die auch umweltfreundlich verpackt sind. Deshalb erwarten Auftraggeber von Druckereien, dass sie nachhaltig produzieren. Heidelberg hat das verstanden und unterstützt seine Kunden seit vielen Jahren dabei, möglichst klimaneutral zu produzieren und zu wirtschaften. Harald Woerner, Produktmanager Environment & Sustainability bei Heidelberg, erläutert Strategie, Maßnahmen und Erfolge.

Herr Woerner, durch die Konsumwelt rollt derzeit eine Welle der Verpackungskritik: Plastik wird immer mehr geächtet, Faltschachteln gewinnen weiter an Bedeutung. Woran liegt das?

Woerner: Ganz grundsätzlich erleben wir derzeit einen Paradigmenwechsel. Die Umwelt-und Klimaproblematik wird in ihrer Dramatik von immer mehr Menschen erkannt – und sie fordern einen Wandel in der Art, wie wir konsumieren. Plastik ist in die Kritik geraten, weil wir fast täglich mit der Verschmutzung der Meere und mit den Gefahren durch Mikroplastik konfrontiert werden. Und es stimmt ja auch: Gegenüber Plastik sind beispielsweise Faltschachteln eine deutlich nachhaltigere Verpackungslösung. Aber das Verpackungsmaterial alleine reicht natürlich nicht.

Was muss hinzukommen?

Wie für alle Branchen gilt auch für Druckereien: Um ein Unternehmen als bevorzugten Geschäftspartner im Markt zu positionieren, genügt es nicht mehr, die beste Leistung zum besten Preis zu bieten. Heute ist es genauso erfolgskritisch, alle Prozesse nachhaltig zu gestalten. Die Wahl eines möglichst nachhaltigen Materials für eine Verpackung ist also nur der erste Schritt.

Heidelberg nimmt für sich in Anspruch, schon seit 30 Jahren konsequent in Sachen Nachhaltigkeit unterwegs zu sein. Worin begründet sich dieser Anspruch?

Heidelberg investiert nachweislich seit vielen Jahren in nachhaltige Produktion. Ebenso konsequent unterstützen wir Druckereien bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsthemen. Denn wo immer es möglich ist, steigern wir die Energieeffizienz unserer Produkte. Wir reduzieren Makulatur, Prozessemissionen und Prozessabfälle. Und wir optimieren die Gesamteffizienz kompletter Anlagen, indem wir alle Produktionsschritte von der Vorstufe über den Druckprozess bis hin zur Weiterverarbeitung einbeziehen.

Wie nachhaltig sind die Maschinen von Heidelberg?

Mittlerweile sind alle unsere Maschinen für Vorstufe, Druck und Weiterverarbeitung in CO2-neutralen Ausführungen verfügbar. In dieser Hinsicht haben wir eine Alleinstellung im Markt. Mit dem unabhängigen Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik haben wir einen Prozess entwickelt, mit dem wir die CO2-Neutralität unserer Maschinen nachweisen können. Weltweit sind inzwischen 645 CO2-neutrale Druckmaschinen von Heidelberg in 48 Ländern im Einsatz. So helfen wir unseren Kunden in aller Welt, die Treibhausgasemissionen von industriellen Prozessen zu reduzieren.

Lassen sich Effizienz und Nachhaltigkeit noch etwas konkreter formulieren?

Nehmen wir das Protokoll von Kyoto aus dem Jahr 1997 als Beispiel. Danach sollten industrielle Prozesse im Jahr 2020 im Vergleich zu 1990 mindestens 20 Prozent effizienter sein. Vergleichen wir nun die Topmaschine von 1990, die Speedmaster CD 102-6+L, mit dem Flaggschiff im Verpackungsdruck von heute, der Speedmaster XL 106-6+L, dann zeigt sich: Wir haben mehr als das Doppelte, exakt 41,7 Prozent, erreicht, indem wir den Energieverbrauch pro 1.000 Bogen von 13,8 kWh auf 8 kWh gesenkt haben.

Und wie haben Sie das geschafft?

Wie so oft sind es die Verbesserungen im Detail, die den Fortschritt bringen. Zwei will ich stellvertretend nennen: Zum einen haben wir mit dem die Energiekosten für die Farbwerktemperierung um die Hälfte reduziert. Zum anderen erzielt unser Luftversorgungsschrank nun einen Wirkungsgrad von 70 statt bisher 35 Prozent. Das bedeutet: Der eingesetzte Strom wird doppelt so effizient genutzt.

Was empfehlen Sie Verpackungsdruckern?

Drei Punkte sind mir besonders wichtig: Erstes empfehle ich, FSC- oder PEFC-zertifizierte Kartons aus Frischfasern und mit hohem Recyclinganteil zu verwenden, denn bei der Verpackungsproduktion hat der Karton den größten CO2-Fußabdruck.

Zweitens möchte ich darauf hinweisen, dass es – entgegen dem Eindruck vieler Drucker – besser für die Umwelt und den Geldbeutel des Druckers ist, wenn die Druckmaschinen unter Volllast laufen und am Ende der Produktion in den Stand-by-Betrieb gehen. Im Stand-by, übrigens ein Feature, das nur in Druckmaschinen von Heidelberg verfügbar ist, sinkt der Energieverbrauch von 10 kW auf 3 kW.

Drittens sollten Verpackungsdrucker – aber nicht nur sie – bedenken, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht nur das eigene Unternehmen stärkt, sondern der Menschheit insgesamt nützt. Wer beispielsweise eine CO2-neutrale Maschine für den Verpackungsdruck von Heidelberg erwirbt, unterstützt damit Wiederaufforstungs- und Bildungsprojekte, zum Beispiel in Äthiopien. Insgesamt hat Heidelberg zusammen mit den Kunden bisher etwa 240.000 Bäume gepflanzt und den Ausbau einer Schule unterstützt.

Was tut Heidelberg an seinen Standorten, um seinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren?

Wir betrachten das Thema Nachhaltigkeit in der Tat ganzheitlich. Das bedeutet: Es geht uns natürlich darum, CO2-neutrale Produktionsprozesse in der Printmedienindustrie mithilfe modernster Maschinentechnik voranzubringen. Aber insgesamt verstehen wir unter Nachhaltigkeit den langfristigen Gleichklang zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung. Deshalb spielen auch unsere Standorte eine wichtige Rolle in unserem Gesamtkonzept.

Woran lässt sich das festmachen?

Zum Beispiel sind alle unsere Produktionsstandorte nach der Umweltmanagement-Norm ISO 14001 zertifiziert. Alle internen Abläufe und Fertigungsprozesse werden laufend auf ökologische Verträglichkeit und Energieeffizienz optimiert. Auch technisch richten wir unsere Standorte auf mehr Umweltverträglichkeit aus.

Wie?

In Wiesloch sorgen zum Beispiel Solarmodule auf dem Dach des Forschungs- und Entwicklungszentrums für umweltfreundlich erzeugten Strom. Allein dadurch reduzieren wir unseren ökologischen Fußabdruck um jährlich 177 Tonnen CO2, da wir weniger Strom zukaufen müssen. Und unser gasbetriebenes Blockheizkraftwerk produziert zugleich Strom und Wärme. Die Abwärme wird für die Produktion und zum Heizen der Hallen und Büros genutzt. So lassen sich gegenüber einer separaten Erzeugung von Energie und Wärme bis zu 40 Prozent des Brennstoffs sparen.

Welche Rolle spielen die Mitarbeiter in der Nachhaltigkeitsstrategie von Heidelberg?

Eine sehr wichtige. Denn ohne ein starkes Nachhaltigkeitsbewusstsein in unserer Belegschaft werden wir unsere ambitionierten Ziele nicht erreichen. Deshalb informieren und schulen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Fragen des nachhaltigen Wirtschaftens bei Heidelberg. Das kommt gut an und hilft uns, Projekte voranzutreiben, etwa beim Thema Biodiversität. Für unsere Wildblumenwiese in Wiesloch haben unsere Auszubildenden in Eigeninitiative ein Insektenhotel gebaut und damit die Artenvielfalt gefördert.


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Harald Woerner

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