Faltschachtelkartonverpackungen sind aus keinem Warenregal wegzudenken. Und laut Marktprognosen wird ihre Bedeutung wachsen, erst recht, wenn sie nachhaltig produziert sind.

Einer der ganz großen Karton- und Faltschachtelproduzenten in Europa ist die WEIG-Gruppe.

Im Drucksaal am Standort Emskirchen in Franken werden die Kartons bedruckt, gestanzt und konfektioniert. Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist in Emskirchen mit drei Speedmaster-Maschinen präsent. Ein Besuch vor Ort.

"Wir konnten die Anzahl der gedruckten Bogen signifikant erhöhen. Mittlerweile drucken wir mit unseren drei Speedmaster-Maschinen von HEIDELBERG mehr als 15 Millionen Bogen im Monat.“

Stefan Leonhardt, Geschäftsführer von WEIG Packaging

Im Drucksaal des Faltschachtelkartonspezialisten WEIG Packaging GmbH & Co. KG im fränkischen Emskirchen herrscht geschäftiges Treiben. Es ist warm und riecht nach Farbe, die Druckmaschinen brummen. Mittendrin geht eine Speedmaster XL 106 mit 21K von HEIDELBERG, die derzeit weltweit produktivste Bogenoffsetdruckmaschine, ihrer Arbeit nach – mit beeindruckender Geschwindigkeit bedruckt die Offsetdruckmaschine gerade einen Verpackungsbogen für Kaffeekapseln nach dem anderen und spuckt ihn wieder aus. „Mit ihrer Hilfe drucken wir 21.000 Bogen pro Stunde“, erzählt Drucksaalleiter Maik Schäfer stolz. Zusammen mit seinem Team sorgt er dafür, dass jeder Druckauftrag reibungslos abläuft und die Qualität der Verpackungen höchsten Ansprüchen genügt.

Die Speedmaster XL 106 mit 21K sorgt mit ihrer rund 10 Prozent höheren Produktivität für geringere Stückkosten und damit auch für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig sinkt durch die höhere Druckgeschwindigkeit die pro gedruckten Bogen eingesetzte Energie.

Die international tätige Unternehmensgruppe WEIG mit Hauptsitz im rheinland-pfälzischen Mayen bedient den europäischen Faltschachtelmarkt für die Food- und Non-Food-Industrie, den regionalen Wellpappenmarkt in Südamerika sowie die weltweite Gipskartonplattenindustrie. Hinzu kommen die Geschäftszweige Recycling und Kartonherstellung. WEIG Packaging ist auf Verpackungen und Kartonprodukte wie Faltschachteln und auch Hülsen für den Food- und Non-Foodbereich spezialisiert – vornehmlich aus recyceltem Altpapier. Ob als Verpackung für Buntstifte, Kaffeefilter, Sektflaschen, Schrauben oder Süßigkeiten – WEIG Packaging-Schachteln sind im täglichen Leben allgegenwärtig. Lediglich im Tabakregal sucht man sie vergebens. „Dieses Segment bedienen wir nicht“, sagt Stefan Leonhardt, Geschäftsführer von WEIG Packaging.

Rundum-Paket

Am Standort Emskirchen produzieren drei Druckmaschinen von HEIDELBERG an fünf Tagen pro Woche rund um die Uhr in drei Schichten Faltschachteln. Vor Kurzem hat hier eine Speedmaster XL 106 mit 21K von HEIDELBERG die Arbeit aufgenommen. Stefan Leonhardt nutzt die Druckmaschinen in einem Equipment-as-a-Service-Modell (EaaS), früher hätte man wohl gesagt, er hat sie „gemietet“. Als Erster der Branche hat WEIG Packaging sich bereits im Jahr 2018 für das damals ganz neue Geschäftsmodell „HEIDELBERG Subscription“ entschieden. Bislang ist er äußerst zufrieden mit dem Rundum-Paket.

„Unser Partner, die Heidelberger Druckmaschinen AG, stellt uns zusammen mit der Munich Re nicht nur die Hardware zur Verfügung, sondern auch die Verbrauchsmaterialien wie Farben, Druckplatten und Gummitücher – vor allem aber auch sein Know-how“, berichtet Stefan Leonhardt. Somit spart WEIG Packaging Ressourcen in der Druckerei, dem Einkauf sowie bei der Wartung und Instandhaltung der Druckmaschinen ein.

Denn auch Letzteres übernimmt HEIDELBERG. „Wenn etwas kaputt geht, ist es wichtig, dass alles so schnell wie möglich wieder funktioniert“, sagt der Geschäftsführer. „Das schafft HEIDELBERG mit sehr kurzen Reaktionszeiten.“ Durch vorausschauende Wartung und die kontinuierliche Auswertung verschiedener Maschinenparameter gelingt es in vielen Fällen sogar schon, Störungen zu erkennen und zu beheben, bevor sie sich an der Maschine bemerkbar machen. So lassen sich ungeplante, teure Ausfallzeiten vermeiden.

Auch die gemeinsame Optimierung von Betriebsabläufen, Druckjobplanung sowie Maschinennutzung und -einstellungen hat Wirkung gezeigt. „Wir konnten dadurch in den vergangenen Jahren die Rüstzeiten um rund 25 Prozent reduzieren“, freut sich Stefan Leonhardt. „Das hat zu einer effizienteren Produktion geführt – wir konnten die Anzahl der gedruckten Bogen signifikant erhöhen. Mittlerweile drucken wir mit unseren drei Speedmaster-­Maschinen von HEIDELBERG mehr als 15 Millionen Bogen im Monat.“

Die Analyse der Daten, die in der Produktion anfallen, etwa die Produktionskennzahlen oder die Verfügbarkeit der Maschinen, sei immens wichtig, erzählt Stefan Leonhardt. „Wir sind online mit HEIDELBERG verbunden und spielen die Daten hin und her.“ In monatlichen Meetings werten die Partner die Druckaktivitäten aus, schauen sich die Kennzahlen an und suchen gemeinsam nach Erklärungen und Lösungen, wenn die Produktivität mal nicht optimal war. Der Blick von Stefan Leonhardt und seinem Team ist stets nach vorn gerichtet: „Wir streben ständig nach Verbesserung.“

Stefan Leonhardt zufolge druckt in der Branche niemand im Durchschnitt mit so hohen Geschwindigkeiten wie WEIG Packaging. „Wir drucken immer mit Höchstgeschwindigkeit und können unsere Kunden sehr schnell und flexibel bedienen.“ Dies sei unter anderem dem hohen Automatisierungsgrad zu verdanken, den man in den kommenden Jahren immer weiter steigern wolle. Schon jetzt geht die WEIG-Gruppe die ersten Schritte in Richtung Zukunft: Durch den Drucksaal in Emskirchen surren fahrerlose Förderfahrzeuge. Geschickt umfahren sie Hindernisse und bremsen, wenn ihnen jemand versehentlich in den Weg läuft. Ihre Aufgabe ist es, die gedruckten Bogen an der Druckmaschine abzuholen und sie zum nächsten Produktionsschritt zu fahren. Auch die Banderoliermaschinen zum Bündeln der Verpackungen hat WEIG Packaging ausgetauscht – die vormals rein manuelle Arbeit erfolgt nun halbmanuell. „Anders geht es nicht“, sagt der Geschäftsführer. Denn der überall präsente Fachkräftemangel trifft auch die Verpackungsbranche mit voller Härte: „Allein für dieses Jahr suchen wir sieben Auszubildende“, berichtet der Geschäftsführer. Mit Blick in die Zukunft sei es daher unabdingbar, mit einem möglichst hohen Automatisierungsgrad – auch über die Druckmaschinen hinaus – zu arbeiten.

Die Umwelt im Blick

Umweltbewusstsein hat für die WEIG-Gruppe oberste Priorität. „Die Kunden verlangen Nachhaltigkeit, und dazu kommt der regulatorische Druck vonseiten des Gesetzgebers“, erzählt Stefan Leonhardt. Die WEIG-Gruppe ist hier fast einzigartig positioniert. Denn sie recycelt und produziert den Karton, den sie für die Faltschachteln benötigt, in zwei eigenen Geschäftsbereichen.

"Wir verarbeiten über 90 Prozent Altpapier – und das aus eigener Produktion“, erzählt Stefan Leonhardt. Der Warenumschlag beträgt stolze 900.000 Tonnen Altpapier im Jahr: „700.000 Tonnen nutzen wir für unsere eigene Produktion. 200.000 Tonnen verkaufen wir weiter.“ Doch recycelter Karton darf nicht überall verwendet werden – Medizinprodukte sowie Lebensmittel mit direktem Kontakt zur Schachtel verlangen nach Verpackungen aus Frischfaserkarton. Diesen Markt bedient WEIG Packaging zu 10 Prozent ebenfalls.“

Wie Stefan Leonhardt betont, sei es jedoch das große Ziel, in Zukunft sowohl Kunststoff als auch Frischfaserkarton vollständig durch Recyclingware zu ersetzen. Dazu sei es nötig, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen: Die WEIG-Produktentwickler stießen zum Beispiel in Baumärkten immer wieder auf Frischfaserverpackungen für Schrauben und Glühbirnen. „Völlig unnötig“, findet Leonhardt. „Die können genauso gut in Recycling-Verpackungen verkauft werden. Wir gehen dann oft mit konkreten Produktvorschlägen auf die Unternehmen zu.“

Die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks ist für die WEIG Gruppe ebenfalls ein großes Thema. Dabei hilft auch die Entwicklung leichterer Verpackungen. „Eine übliche Grammatur beträgt 400 Gramm pro Quadratmeter“, gibt Stefan Leonhardt ein Beispiel. „Wenn man nun für den gleichen Zweck einen Karton einsetzt, der nur 350 Gramm wiegt, dann hat man eine gute Einsparung. Das Endprodukt wird billiger, in der Herstellung ist weniger Energie nötig, der Transport hat weniger Gewicht, und wir verbrauchen weniger Diesel.“ Darüber hinaus achtet die WEIG-Gruppe darauf, dass ihre Lkw keine Leerfahrten machen. Am Standort Mayen läuft der Shuttleverkehr zwischen dem Werk und dem Lager bereits elektrisch. Für Stefan Leonhardt nur der Anfang: „Wir testen derzeit, ob die Umstellung unserer gesamten Flotte auf Elektro ein Weg sein könnte.“ Und: Mit der in der Produktion entstehenden Abwärme erzeugt die WEIG-Gruppe Fernwärme für die Stadt Mayen.

Wachstum ist das Ziel

Die geopolitische Lage und die daraus entstandenen hohen Energiepreise haben 2022 auch der WEIG-Gruppe zugesetzt. „Insbesondere für unsere Kartonproduktion brauchen wir sehr viel Energie“, erklärt Stefan Leonhardt. „Und dadurch sind wahnsinnige Kosten entstanden. Damals mussten wir die Kartonproduktionsmaschine sogar zeitweise ausschalten.“ Doch die Situation habe sich wieder beruhigt, und die Gruppe schaue positiv mit Wachstumsperspektiven in die Zukunft.

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