Kaum ein Thema ist für die Zukunft von Unternehmen so bedeutend und gleichzeitig so vielgesichtig wie die Nachhaltigkeit. Vier Menschen von HEIDELBERG berichten, was sie einbringen, um das Unternehmen nachhaltiger aufzustellen.

Dr. Eva Boll, Head of Corporate Sustainability

Ein typischer Arbeitstag von Eva Boll besteht aus einem ganzen Bündel an Treffen und Themen. „Morgens kann es um die neue Photovoltaikanlage gehen, die auf das Dach der Produktionshalle kommt. Eine Stunde später analysieren wir mit unserer Diversity-Managerin die Frauenquote. Und im Anschluss plane ich mit dem Einkauf das Schulungskonzept für unsere Lieferanten zum neuen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz.“ Durch die Klimakrise und den Krieg in der Ukraine seien bei HEIDELBERG und den Kunden die Themen CO2 und Energieverbrauch omnipräsent.

„Auch wenn die Umsetzung unserer Klimastrategie ein Schwerpunkt ist, ist meine Aufgabe noch deutlich vielschichtiger“, sagt Eva Boll. Sie ist für die strategische ESG-Ausrichtung des Unternehmens verantwortlich – und noch wichtiger: für die Integration in den Abteilungen. Daher tauscht sie sich unermüdlich aus – mit den Netzwerken und Führungskräften innerhalb des Konzerns, mit Mitarbeitenden, die Ideen einbringen, sowie mit externen Instituten wie den Fraunhofer-Gesellschaften oder Verbänden wie dem VDMA.

Dr. Eva Boll, Head of Corporate Sustainability

„Ich versuche überall im Unternehmen, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu stärken, und schiebe die Prozesse zur Umsetzung an.“ Bei der Frage, ob das Thema inflationär als Modewort genutzt wird, hat sie eine klare Sicht: „Es wird sogar noch zu wenig darüber gesprochen, um entsprechendes Handeln anzuschieben. Wichtig ist mir, dass Greenwashing vermieden wird.“

Die promovierte Wirtschaftsingenieurin kam vor zehn Jahren zu HEIDELBERG. Ein Fakt, der sie damals beeindruckte: „HEIDELBERG berechnete schon vor meinem Einstieg den CO2-Fußabdruck der Produkte. Das war im Maschinenbau seiner Zeit voraus.“ Seit zwei Jahren setzt sie sich als Verantwortliche pausenlos dafür ein, dass HEIDELBERG weiter eine führende Rolle einnimmt. Müde wird sie dabei nicht, weil sie aus einer großen Überzeugung schöpfen kann. „Klar, ich mache das auch aus Überzeugung und nicht, weil der Job es verlangt.“ Die zwölf Kilometer zur Arbeit radelt sie – sooft sie kann – auf dem Fahrrad. Das eigene Haus versorgt sich nahezu autark – Solarthermie, Batteriespeicher und eine PV-Anlage machen es möglich.

Neben dem Willen, etwas für künftige Generationen zu tun, sieht Eva Boll aber vor allem strategische Vorteile: „Es ist ein Thema, das sich monetär für viele Industrien bisher nur bedingt ausgezahlt hat, doch das ändert sich gerade.“ Bis dahin ist es ihr wichtig, dass immer mehr Menschen bei HEIDELBERG ein Bewusstsein für die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Aspekte des Alltagsgeschäfts bekommen. Dafür, sagt Eva Boll, setze sie sich auch gerne 100 Prozent ihres Tages für das Thema Nachhaltigkeit ein.

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Dr. Eva Boll, Head of Corporate Sustainability

Hans-Jürgen Fink, Senior Consultant

Hans-Jürgen Fink bezeichnet sich selbst als „Trüffelsucher“. Allerdings spürt der technische Betriebswirt keine Edelpilze auf. Hans-Jürgen Fink ist ein Unternehmensberater. Seine Trüffel sind Verbesserungspotenziale, mit dem Ziel, diese zu heben und somit den Profit seiner Kunden zu erhöhen. Er und seine Kollegin und drei Kollegen durchleuchten dabei alle Druckereiprozesse. „Die Herausforderung unserer Kunden besteht darin, Menschen, Maschinen, Systeme und Prozesse zu synchronisieren, wir unterstützen sie dabei“, sagt Hans-Jürgen Fink.

Hans-Jürgen Fink, Senior Consultant
Hans-Jürgen Fink, Senior Consultant

Seit 2022 liegt ein Schwerpunkt auf Energie­effizienz. „Als im Jahr 2022 infolge des Krieges in der Ukraine vor allem die Energiekosten für unsere Kunden stark anstiegen, wollten wir dem entgegenwirken und haben ein Beratungskonzept speziell zur Ressourceneinsparung und zu einer energieeffizienten Produktion erstellt“, berichtet Hans-Jürgen Fink. Gleichzeitig biete es Druckereien die Chance, sich nachhaltiger aufzustellen. Zu Beginn analysiert Fink dazu Daten: Makulatur, Rüst- und Stillstandzeiten, Druck­geschwindigkeiten, Energieverbräuche, aber auch Jobdaten. Dann schaut er sich die Prozesse vor Ort an und begleitet einige Produktionen, bis er ein Gesamtbild vor Augen hat.

Seine Erfahrung zeigt: In vielen Fällen lässt sich der Energiebedarf an vielen Stellen verringern. Etwa indem Kunden die Stillstand- und Rüstzeit verringern oder durch eine höhere Druckgeschwindigkeit die Energiekosten pro Bogen senken. Genauso können clevere Schichtüber­gaben oder das Eliminieren von Leckagen helfen, Energie einzusparen.

Erste erfolgreiche Projekte weisen Potenziale zwischen 5 und 17 Prozent bei den Strom­kosten und zwischen 2 und 5 Prozent bei den gesamten Produktionskosten auf. „Gerade die Menschen haben hier einen großen Einfluss. Umso wichtiger ist es, die Mitarbeiter und Führungskräfte frühzeitig bei den Ideen und Lösungen einzubinden und so eine Verhaltensänderung zu fördern.“ Dieser Teil ist Finks besondere Stärke, mit mehr als 20 Jahren Beratererfahrung kennt er sich gerade im Change Management bestens aus. „Ich möchte mit einer partnerschaftlichen Beratung das Geschäft unserer Kunden zukunftssicher und profitabel gestalten.“ Dazu werden Hans-Jürgen Fink, seine Kollegin und Kollegen noch genug Gelegenheit haben. Denn HEIDELBERG weitet das erfolgreiche Beratungsprogramm international aus.

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Ulrich Grimm, Geschäftsführer Amperfied

Kaum jemand bei HEIDELBERG verbindet Technologiewissen und vorausschauendes Denken so konsequent wie Ulrich Grimm. Als Geschäftsführer der HEIDELBERG-Tochter Amperfied treibt er derzeit das Thema Wallboxen für die E-Mobilität voran. Dafür greift der studierte Automatisierungstechniker auf 35 Jahre Erfahrung zurück – unter anderem als Leiter der Elektronikproduktion von HEIDELBERG. „Ich habe in den Druckmaschinen schon alles gesehen, was irgendwie mit Strom zu tun hat“, sagt Ulrich Grimm. Basierend auf diesem Wissen erkannte er vor etwa zwölf Jahren auch das Potenzial für neue Geschäftsfelder. Schließlich sind Leistungselek­tronik und Regelungstechnik aus HEIDELBERG-Druckmaschinen prädestiniert für Anwendungen in der Elektromobilität.

Ulrich Grimm, Geschäftsführer Amperfied

Es begann mit der Produktion von Ladekabeln für die erste Generation von Hybridfahrzeugen. Im Jahr 2018 mit dem Boom der Elektromobilität kam auch der Erfolg der Wallboxen aus Wiesloch hinzu. Weit mehr als 100.000 verkaufte Einheiten belegen das.

Nun folgt für Grimm und Amperfied der Schritt zum Systemanbieter. „Das heißt, neben der reinen Ladetechnik für Wohnhäuser oder Unternehmen werden wir das Energiemanagement Stück für Stück ausbauen“, so Grimm. Damit soll es möglich sein, etwa Photovoltaik­anlagen oder Batteriespeicher mit der Wallbox zu verknüpfen und in einer weiteren Ausbau­stufe auf dem Smartphone steuerbar zu machen. „Erst mit intelligenter Software können wir uns langfristig von der Konkurrenz abheben und für Kunden die Energienutzung optimieren.“ Bisher liegen die Vorteile des Produkts unter anderem auch im leichten Handling für Installateure, die nahezu im Plug-and-Play-­Modus arbeiten können. Diese Stärke betont Grimm als wichtig für die Zukunft.

Wenn es um Installationen in seinem eigenen Heim geht, mag er es weniger einfach und komfortabel. Im Gegenteil: Seine seit Jahren laufende Holzpellet-Heizung hat er eigenhändig eingebaut. Und auch das neueste Projekt verlangt Spezialwissen. Ulrich Grimm kombiniert eine Photovoltaikanlage mit zwei Wassertanks, um diese mit Solarstrom zu heizen.

„Ich baue das etwas anders als marktüblich, da bin ich einfach zu sehr Tüftler“, so Grimm. Abseits aller Technologien ist auch für den Amperfied­Geschäftsführer etwas anderes entscheidend für den nachhaltigen Erfolg von HEIDELBERG: „Das gute menschliche Miteinander. Es hat mir in 35 Jahren immer geholfen, mit Mut über den Tellerrand zu blicken.“

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Ulrich Grimm, Geschäftsführer Amperfied

Franziska Liebel, Global Head of Purchasing

Für Franziska Liebel und den Einkauf gibt es aktuell viel zu tun. Der Grund dafür ist ein Gesetz, das so herausfordernd ist, wie sein Name es verspricht: das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Dieses gilt seit Anfang 2023. Darin werden Umweltschutz und Menschenrechte entlang der Lieferketten in Deutschland ansässiger Unternehmen verankert.

„Wir haben 19.500 Lieferanten – und das weltweit. Wenn eine Auffälligkeit besteht, muss sie bearbeitet werden, dann müssen wir uns darum kümmern“, so beschreibt Franziska Liebel die Mammutaufgabe vereinfacht. Seit Oktober 2022 verantwortet sie den globalen Einkauf, in dem nun unter anderem Risikoanalysen laufen und entsprechende Aufgaben verteilt sind.

Um das Thema bei den Mitarbeitenden möglichst weit zu verbreiten, hat das Einkaufsteam weltweit Informationsveranstaltungen für über 500 Personen durchgeführt. Das Ziel ist laut Franziska Liebel klar: „Am Ende geht es darum, anpassungsfähige und gleichzeitig robuste Lieferketten aufzubauen, um unsere Lieferfähig­keit zum Kunden sicherzustellen.“

Liebel selbst kommt aus der Prozessgestaltung für die HEIDELBERG-Maschinenproduktion. Sie ging jahrelang den Fragen nach: Wie fließen Materialien im Unternehmensverbund? Sind Prozesse und IT-Systeme passend gestaltet? Aus dieser Erfahrung weiß sie, wie wichtig die Digitalisierung für zukunftsfähige Lieferketten sein wird: „Nur mit digitalisierten Prozessen bekommen wir Transparenz in alle Phasen“, so Liebel. „Genauso brauchen wir Daten, mit denen wir zum Beispiel Risikobewertungen durch­führen können.“ Dass die zweifache Mutter die Aufgabe reizt, mehr Nachhaltigkeit in die Lieferketten zu integrieren, liegt auch an ihrem generellen Bewusstsein für das Thema: Sie achtet auf nachhaltigen Konsum, wann immer es geht. „Durch unsere erwachsenen Söhne sind mein Mann und ich sehr nah an der ‚Generation Z‘, in der diese Einstellung viel selbstverständlicher ist als in meiner Generation“, so die Expertin.

Deshalb findet sie es auch umso wichtiger, dass das Thema Nachhaltigkeit im Sinne der jungen Generationen immer präsenter werde. Aktuell sei es vor allem ein Kostenthema, nachhaltig zu sein, da sich die Bemühungen nicht direkt monetarisieren lassen. Denn „in einem Maschinenbauunternehmen mit einem so hohen ­Qualitätsanspruch wie bei HEIDELBERG sind Kosten und Qualität entscheidende Faktoren“, so Franziska Liebel. „Dennoch wird sich Nachhaltigkeit in Zukunft noch mehr lohnen.“

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