Perspektive.

Web-to-Pack: Das nächste große Ding im Verpackungsdruck?

Web-to-Pack ist mehr als „nur“ einen Onlineshop für Faltschachteln ins Internet zu stellen. Es ist die grundlegende Philosophie, um im Zeitalter von Print 4.0 das eigene Geschäft und die gesamte Ablauforganisation fit für die Zukunft zu machen. Die ersten Anbieter agieren bereits erfolgreich am Markt. Mit Folgen für Druckereien, die nur konventionell unterwegs sind.

„Unmöglich!“ – nicht selten beginnen so Erfolgsgeschichten. Auch in der Druckindustrie. Beispielsweise als vor knapp 20 Jahren die ersten Online-Druckereien an den Start gingen. Drucksachen zu standardisieren, damit sie auf Knopfdruck kalkuliert und automatisiert gefertigt werden können? Geschätzte 99 Prozent der Akzidenzdruckereien hielten das für ein Hirngespinst. Heute floriert Web-to-Print. Umsatz und Marktanteile wachsen ständig. „Unmöglich!" hört man jedoch auch heute wieder. Dieses Mal aus dem Lager der Verpackungsdrucker, wenn es um Web-to-Pack geht.

Zugegeben: Der Faltschachteldruck ist deutlich komplexer als der Werbedruck, allein schon aufgrund der Weiterverarbeitung und Themen wie Serialisierung, Farbmigration oder Farbkonstanz. Dafür hat jedoch die Technologie in den letzten Jahren einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht: „Hochautomatisierte Maschinen, intelligente Software und eine vernetzte, digitale Wertschöpfungskette haben den Weg zum Online-Druck geebnet – auch bei Faltschachteln“, erklärt Bernhard Schaaf, Senior Manager Digitaldruck bei Heidelberg.

Fundamentaler Paradigmenwechsel

Hinter Web-to-Pack steckt jedoch viel mehr als über einen Webshop Aufträge hereinzuholen. Es ist ein Paradigmenwechsel: weg von der Einzelfertigung eines Auftrags hin zur individuellen Massenproduktion mittels Standardisierung und Automation. „Unternehmen gewinnen dadurch an Agilität, Schnelligkeit und Effizienz. Genau das ist gefragt, um mit den dringlichsten Markttrends und Kundenbedürfnissen Schritt zu halten“, ist Schaaf überzeugt. Allen voran mit Personalisierung, Individualisierung, schnelleren Innovationszyklen sowie einer kürzeren Time-to-Market: Schnelligkeit ist mittlerweile der wichtigste Mehrwert für Kunden – sowohl im B2C- als auch im B2B-Geschäft. Web-to-Print-Druckereien bieten inzwischen sogar eine Overday-Lieferung. Ein Service, den die Besteller mit einem Aufpreis honorieren. Hinzu kommt: Kunden wollen rund um die Uhr ihr Wunschprodukt bestellen, Preise vergleichen und in Echtzeit den Lieferstatus erfahren.

Web to Pack bei Colordruck, Baiersbronn

Beispiel eines Web-to-Pack Onlineshops (designyourpackaging.de - colordruck, Baiersbronn).

Neue Kunden gewinnen
und Kerngeschäft schützen

Das Interesse an Web-to-Pack ist daher groß. „Die Druckereien, die damit bereits am Markt sind, machen gute Geschäfte. Vor allem kleinere Firmen wollen über einen Open Shop ein Mehrgeschäft mit neuen Kundengruppen generieren“, weiß Schaaf. Die Nachfrage ist da. Ein Betrieb, der Faltschachteln für die Lebensmittelindustrie online anbietet, hat innerhalb kürzester Zeit fünfstellige Umsatzzahlen in Euro erreicht. Das Prinzip dabei: Die Druckerei bietet eine begrenzte Auswahl an Schachtelformaten und Parametern an, etwa hinsichtlich Sonderfarben und Veredelung. Der Kunde konfiguriert sein Produkt online und erhält durch Optionen wie das Hochladen eigener Bilder personalisierte Faltschachteln. Die Druckerei erhält im Gegenzug einen standardisierten Auftrag, den sie in Sammelformen und ohne Umrüsten schnell und kostengünstig fertigen kann.

Beispiel für eine Web-to-Pack Sammelform.

Andere Druckereien wiederum bauen einen Closed Shop auf, damit sie ihre Bestandskunden über zusätzliche Services enger an sich binden und so ihr Kerngeschäft schützen können. Jederzeit online Faltschachteln nachbestellen zu können, eventuell noch mit der Möglichkeit, im vorgegebenen Rahmen selbst kleinere Änderungen am Layout vorzunehmen, ist so ein typischer Mehrwert-Service.

Blaupause für optimierte interne Abläufe

Auch für Verpackungsdrucker, die große Jahreskontingente fertigen, lohnt sich der Einstieg. Allein schon um die hohen Lagerbestände abzubauen. Denn Web-to-Pack liefert die Blaupause zur internen Prozessoptimierung. „Sie können durch eine hochgradig automatisierte Abwicklung vom Auftragseingang bis zur Rechnungsstellung eine Schnellstraße in der Ablauforganisation etablieren“, sagt Schaaf. Standards sorgen für eine schlanke Produktion und der softwaregesteuerte Workflow für kurze Durchlaufzeiten. Die Software organisiert den Gesamtprozess: Sie prüft die Jobdaten, sortiert die Aufträge Sammelformen zu und schickt sie auf die entsprechende Produktionslinie. „Weniger manuelle Eingriffe bedeuten weniger Fehler und Kosten, dafür mehr Tempo und Flexibilität“, erklärt Schaaf.

Produktionssysteme von Heidelberg: Primefire 106 und Speedmaster XL 106.

Schnelleres Time-to-Market bei weniger Prozess- und Lagerkosten

Dass das funktioniert, zeigt das Beispiel eines Kunden aus dem Pharmabereich. Der Hintergrund: Immer mehr, dafür aber kleinere Aufträge bei gleichzeitig kürzeren Lieferfristen bringen konventionell arbeitende Betriebe zunehmend an ihre Grenzen. Durchlaufzeiten und Aufwand steigen. Die Margen sinken. „Das Unternehmen hat deshalb auf Web-to-Pack umgestellt. Es kann jetzt deutlich schneller und preisgünstiger fertigen“, berichtet Schaaf. „Denn die auf die Produktionsumgebung abgestimmten Standards erlauben es, die Vielzahl von Aufträgen zu bündeln und effizient abzuarbeiten.“ Zusätzlich kann das Unternehmen durch Web-to-Pack Kunden enger an sich binden: durch Leistungen, die eine analoge Druckerei nicht bieten kann, wie etwa ein lieferantengesteuertes Bestandsmanagement. Hierbei löst das ERP-System des Kunden automatisch einen Auftrag im Webshop der Druckerei aus, sobald ein definierter Mindestbestand an Faltschachteln erreicht ist. Der Mehrwert: Beide Seiten sparen Zeit und Lagerkosten und die Druckerei sichert sich auf Knopfdruck Umsatz. „Als reine Lieferanten sind Druckereien im Preiswettbewerb am Markt gefährdet. Wer aber über ein Online-Portal die Datenschnittstellen zum Kunden kontrolliert, der ist eindeutig im Vorteil“, sagt Schaaf.

First-Mover-Vorteil nutzen

Fest steht: Wer die eigene Marktposition nicht gefährden will, muss sein Geschäft so ausrichten, wie die Kundschaft tickt. Dabei unterstützt Web-to-Pack. Die Werkzeuge sind verfügbar. Sogar eine komplett digitale Fertigung vom Druck über den Lackauftrag bis zum Stanzen ist möglich – und damit auch die kostengünstige Fertigung bis zur Losgröße 1. „Frühzeitig einsteigen lohnt sich“, ist sich Schaaf sicher. „Das zeigt der Blick zurück zu den Anfängen von Web-to-Print. Hier setzten die Vorreiter durch eine immer effizientere und schnellere Produktion eine Spirale in Gang. So ein Wettbewerbsvorsprung ist nur sehr schwer aufzuholen.“

Frau_am_Monitor_3_940

Einfach Kontakt aufnehmen.

Ihr Dialog mit Heidelberg.

Ohr und Sprechblase in HDM-Farben

Wir freuen uns auf Sie!

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf: für weitere Informationen, ein individuelles Angebot und alles, was Sie rund um Heidelberg und unsere Produkte sonst noch interessiert.


Kontakt zu Heidelberg