Wachsende Qualitätsanfor- derungen seitens der Kunden,
immer kürzere Produktionszei- ten, schnelle Auftragswechsel
auch an großen Maschinen - das Thema Farbmanagement spielt
angesichts dieser Herausforde- rungen auch weiterhin eine
Schlüsselrolle in der wirtschaft- lichen Zukunft vieler
Druckerei- betriebe. Über die Auftragsver- gabe entscheidet
oft die Fähigkeit, zu günstigen Konditionen qualitativ
hochwertige Produkte standardisiert drucken zu können.
Der herkömmliche und weit verbreitete Ansatz des
Farbmanagements beschränkt sich darauf, die Vorgaben des
Proofs an der Druckmaschine zu erfüllen - irgendwie, immer
unter Einsatz des gesamten Know-how des Druckers sowie mit einigen
technischen Hilfsmitteln und einem mittleren bis hohen Einsatz von
Druck- und Zeitressourcen. Bei diesem Konzept müssen die
Farbeinstellungen an der Druckmaschine für jeden Auftrag neu
vorgenommen werden, um am Ende in mehr oder weniger guter
Annäherung das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Ein so
erzieltes Ergebnis und die zugrunde liegenden
Maschineneinstellungen sind jedoch nicht standardisierbar und damit
nicht "auf Knopfdruck" wiederholbar - was einen
drastischen Verlust an Flexibilität und damit an Wettbewerbs-
fähigkeit bedeutet. Die vom Endkunden geforderte hohe
Qualität zu erreichen, kostet daher zunächst einmal Geld
in Form von Personal- und Maschinenressourcen.
Zwar wird jede Druckerei Proof und Druck irgendwie
zusammenbringen - angesichts der deutlichen Veränderungen der
Auftragsportfolios in vielen Druckereien ist es jedoch
entscheidend, wie effizient dies geschieht. Daher gilt es für
viele Betriebe, ihr Farbmanagement dahingehend zu optimieren,
über eine Standardisierung des Druckergebnisses höhere
Produktionssicherheit und insgesamt bessere Produktivität zu
erreichen.
Problemfall Farbmanagement
- Herkömmliche Ansätze des Farbmanagements sind auf
die Vorstufe beschränkt und/oder stellen Insellösungen
innerhalb des Workflows dar
- Farbvoreinstellungen sind nicht auf den Druckprozess
abgestimmt
- Trennung von Proof- und Druckprozess erschwert
Optimierung
Neueste Technologien bieten dazu bislang ungekannte
Möglichkeiten: Der Schlüssel zu einem modernen
Farbmanagement liegt in der digitalen Integration der
Produktionsressourcen in Vorstufe und Drucksaal. Nur mit einem
durchgängigen Farb-Workflow lässt sich eine
verlässliche und exakte Abstimmung zwischen Proof, Platten und
Druck erreichen.
Qualität schnell und zuverlässig produzieren
Die Einflussfaktoren für Abweichungen in der
Qualität von Druckprodukten sind vielfältig: Die
Abhängigkeit von Temperatur, Feuchtigkeit, Papierklasse,
Druckfarben und nicht zuletzt die Druckmaschinen selbst sorgen
dafür, dass das Thema Farbmanagement für jeden grafischen
Betrieb separat betrachtet werden muss.
Entscheidend für die Leistungsfähigkeit des
Farb-Workflows ist das reibungslose Zusammenspiel der einzelnen
Komponenten. Dabei geht es im Kern darum, die Farbvoreinstellungen
der Vorstufe so zu optimieren, dass sie direkt von der
Druckmaschine übernommen werden können. Umgekehrt dient
das Ergebnis der Druckmaschine dazu, die Vorstufe weiter zu
optimieren. Dazu müssen im Idealfall bereits bei der
Proof-Erstellung die Produktionsanforderungen der Druckmaschine
berücksichtigt sein - mithin hat das Thema Farb-Workflow also
am meisten Sinn, wenn es "vom Druckprozess her" gedacht
und Produktion und Vorstufe zu einem gemeinsamen Arbeitsablauf
zusammengefasst sind. Dazu ist jedoch - im Gegensatz zu den
verbreiteten Insellösungen - ein integrierter, bidirekti-
onaler Regelkreislauf notwendig (siehe Grafik Heidelberg Prinect
Color Solutions).
Die Heidelberger Druckmaschinen AG hat zur drupa innerhalb
ihres Prinect Workflow Systems eine solche Anwendung unter dem
Namen Prinect Color Solutions vorgestellt. Dieser Farb-Workflow
baut auf ICC-Normen auf und nutzt Standards wie PPF bzw. JDF. Er
stellt alle notwendigen Produkte, Tools und Dienstleistungen
bereit, um das Ziel höchster Qualität schnell zu
erreichen. Alle Komponenten, vom Vorstufensystem über die
Maschinensteuerung, Messgeräte sowie die Software für
Farbmange- ment und Plattenkalibrierung sind derart miteinander
integriert und aufeinander abgestimmt, dass reibungslose
Kommunikation untereinander und in beide Richtungen möglich
ist.
Die Vorteile der Prinect Color Solutions zeigen sich nicht
nur in einem durchgängigen Farbmanagement mit
farbverbindlichen Proofs, sondern auch beim Einrichten an der
Druckmaschine, zum Beispiel bei einem Farbwechsel von
einer Standardfarbe auf eine höher pigmentierte Farbe: Ohne
Farb-Workflow beginnen die Einstellarbeiten komplett von vorne. Ein
integrierter Workflow erlaubt es in diesem Beispiel, die bereits
vorhandenen, abgespeicherten Voreinstellungen der Maschine zu
nutzen und damit den Aufwand bis zum OK-Bogen deutlich zu
reduzieren. Erreicht wird dies, indem die Daten aus der Vorstufe
sofort zur Auswahl der richtigen Voreinstellung an der
Druckmaschine verwendet werden. Auf Basis einer Kennliniendatenbank
in der Maschinensteuerung werden automatisch die richtigen
Farbvoreinstellungen für den jeweiligen Job -
basierend zum Beispiel auf der Papiersorte oder der
Farbe - gewählt und eingesetzt. Auch eine manuelle
Auswahl der Standards ist möglich und die Vorteile der Prinect
Color Solutions lassen sich in vollem Umfang nutzen. Die
Kennliniendatenbank wird von Heidelberg-Servicetechnikern nach dem
Aufbau der Maschine gefüttert, die Einstellungen typischer
Aufträge erfasst und das Bedienerpersonal im Umgang damit
geschult.
Ziele eines integrierten Farb-Workflows
- Farbverbindliche Proofs durch konsequente Anwendung von
Standards und ICC-Profilen
- Schnelleres In-Farbe-kommen und weniger Makulatur durch
optimierte Farbvoreinstellungen, die an der Druckmaschine manuell
oder automatisch ausgewählt werden
- Schnellstmögliche Reaktion auf veränderte
Druckbedingungen durch automatisierte Prozesskontrolle
- Langzeitanalysen und Protokollierung der Druckergebnisse
Prozessoptimierung im laufenden Prozess
Neu ist die Kontrolle des Farbprozesses innerhalb dieses
durchgängigen Workflows mit kleinen Messelementen, den so
genannten Mini Spots. Sie werden auf den Druckbogen
stichprobenartig platziert und von Prinect Image Control mittels
spektralfotometrischer Verfahren automatisch gemessen. Eine Messung
mittels Handmessgeräten ist ebenfalls möglich. In beiden
Fällen werden die Daten über den Prinect Quality Monitor
erfasst und geprüft. Abweichungen während der laufenden
Produktion können zur Anpassung bei der Plattenkalibrierung
oder den Farbprofilen von Folgeaufträgen vorgenommen werden.
Darüber hinaus lassen sich diese Daten zur Protokollierung der
Druckqualität gegenüber dem Kunden nutzen - ein wichtiger
Aspekt bei der langfristigen Kundenbindung. Die
Farbmanagementtechnologie ist in den RIP-Prozess durchgängig
eingebaut, um sowohl die Proof-Ausgabe als auch den
Plattenbelichter steuern zu können.
Ein optimiertes Farbmanagement kann jedoch nur dann gut
funktionieren, wenn der Druckprozess, auf den die Farbseparationen
abgestimmt sind, verlässlich kalibriert ist und
gleichmäßig gute Ergebnisse liefert. Deshalb bietet
Heidelberg mit der Prinect Calibration Toolbox ein spezielles
Werkzeug an, um Linearisierungen und Anpassungen der Druckkennlinie
an CTP-Systemen von Heidelberg durchzuführen und zu
kontrollieren. Zusätzlich kann diese Software als zentrale
Kalibrierdatenbank genutzt werden, um mehrere CTP-Systeme
gleichzeitig mit der aktuellen Druckkennlinie zu versorgen. Im
Zusammenspiel mit Prinect Image Control lassen sich die erstellten
Kalibrierungen überwachen und flexibel an veränderte
Druckbedingungen anpassen.
In einem integrierten Farb-Workflow basieren alle Prozesse
von der Plattenerstellung bis zum Druck durchgängig auf
standardisierten Produktionsbedingungen. So ist gewährleistet,
dass auf eventuelle Änderungen während des Druckprozesses
sofort reagiert werden kann. Und trotz der weitgehenden
Automatisierung des Farb-Workflows gilt: Der Maschinenbediener
bleibt Entscheider darüber, ob und wie auf Abwei- chungen der
Farbqualität reagiert wird.
Fazit
Wer den hohen Qualitätsanforderungen der Kunden gerecht
werden will - ohne dabei den wirtschaftlichen Erfolg aus dem Auge
zu verlieren - kann mit aktuellen Technologien bislang ungeahnte
Möglichkeiten wahrnehmen. Die durchgängige
Integrationsfähigkeit aller Produktionsressourcen ist dabei
Kernvoraussetzung und sollte eine Schlüsselrolle bei
zukünftigen Investitionsentscheidungen sein.