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Standardisiertes Drucken in der Praxis

Stehen Lab-Werte im Widerspruch zur Graubalance oder sind sie eine sinnvolle Ergänzung? Was man über Industriestandards wissen sollte und warum sie sich durchsetzen werden.
 
Verfolgt man die Diskussionen zum Thema "Standardisiertes Drucken" (nach Prozess Standard Offsetdruck = PSO), kann der Eindruck entstehen, dass Standardisierung etwas völlig Neues ist, das im Widerspruch zur bewährten Arbeitsweise im Druck steht. Dies ist nicht der Fall. Vielmehr ist es so, dass jede Druckerei längst ihren eigenen Standard hat - sei es eine gewisse Volltondichte oder der optimale Druckkontrast. Auch die Tonwertzunahme überlässt man nicht dem Zufall, sondern orientiert sich seit Jahrzehnten an den Vorgaben der fogra oder des bvdm. Das wesentliche Ziel einer standardisierten Produktion ist es, eine wiederholbare und damit konstante Qualität erzeugen zu können - und das möglichst schnell. Grundsätzlich sollte man sich bei einer Standardisierung auf die häufigsten Anwendungsfälle in der eigenen Firma konzentrieren. Dabei muss der betriebliche Nutzen im Vordergrund stehen. Nicht immer sind es die hochwertigsten Drucksachen, die nach einer Standardisierung verlangen, sondern die alltäglichen Produkte, die sehr schnell und mit geringer Marge produziert werden müssen. Welcher Standard dabei Anwendung findet, ist zunächst sekundär. Wichtig ist nur, dass alle Beteiligten denselben meinen und kennen.
Farbmetrische Werte
Eine wesentliche Neuerung bei der Einführung des PSO ist die Vorgabe der Volltonfärbung und des Papierweiß durch farbmetrische Lab-Werte. Der wichtigste Grund dafür ist, dass man für unterschiedliche Produktionsverfahren dieselben Farbwerte erhält. Proof und Offsetdruck kann man densitometrisch nicht angleichen. Farbmetrisch ist das möglich.
 
Für den Drucker an der Maschine bedeutet das, sich mit den neuen Größen Lab und ΔE vertraut zu machen. An die Stelle des Densitometers tritt das Spektralfotometer. Das bedeutet aber nicht, dass man auf die bekannten Stellgrößen verzichten muss. Moderne Geräte zeigen nicht nur Dichten, Tonwerte und Farbannahme an, sie berechnen aus der ΔE-Abweichung zwischen Soll und Ist auch gleich die notwendige Nachführung an der Druckmaschine. Damit gleicht der Prozess des Messens und Regelns der bewährten Arbeitsweise, mit dem Unterschied, dass die Farbmetrik immer auf den geringsten Farbunterschied regelt.
 
Tonwertzunahme
Sollwerte für die Tonwertzunahme sind im PSO für den 60er Raster beschrieben. Druckt man feinere Raster oder FM, so muss vor Produktionsbeginn festgelegt werden, wie das Druckergebnis aussehen soll. In den meisten Fällen soll es visuell gleich aussehen. Es gibt zurzeit Bestrebungen seitens der Normierungsausschüsse, die Tonwertzunahme für alle autotypischen Raster auf dieselbe Größe festzulegen. Damit wäre mehr Klarheit geschaffen, und die Branche wäre beim Thema der Standardisierung wieder ein Schritt weiter.
Graubalance
Offen bleibt allerdings, ob trotz korrekter Volltonfärbung und Tonwertzunahme in den Einzelfarben eine ausgeglichene Graubalance direkt erzielt wird. Diese sollte man aber unbedingt bei der Kalibrierung des Druckprozesses anstreben. Praktisch war dies ohne CtP jahrelang nur durch Änderung des Farbauftrages beim Drucken zu erreichen. Durch mehr oder weniger Farbe auf dem Papier, erhält man aber nicht nur mehr oder weniger Tonwertzunahme, sondern auch mehr oder weniger Sättigung in den Volltönen. Besser ist eine Anpassung der Druckkennlinie in der Vorstufe. Dabei kann man die Toleranz der Tonwertzunahme und Volltonfärbung ausnutzen. Später hat man dann noch die Möglichkeit, alltägliche Schwankungen im Rahmen der Toleranzen an der Druckmaschine nach bewährter Methode auszugleichen. Sollte sich eine Graubalance innerhalb der Toleranzen nicht erreichen lassen oder stark schwanken, kann eventuell ein Wechsel der Druckfarbe Abhilfe schaffen, besonders wenn mit hochpigmentierten Farben niedrige Schichtdicken gedruckt werden.
 
Die Spektralfotometrie eignet sich zur Prüfung der Graubalance sehr gut. Anhand der Lab-Werte sieht man sehr genau, ob der gemessene Wert neutral ist und wie weit er vom gleich hellen Schwarz entfernt ist. Definiert man erst einmal die Grautöne farbmetrisch mit objektiven Werten, so lässt sich auch danach regeln. Dabei wäre es auch möglich, sich an ein geschöntes Schwarz anzupassen. Die Geräte dafür sind bereits vorhanden.
 
Optische Aufheller
Optische Aufheller in den Druckpapieren führen zu falschen Messergebnissen, da die auftreffende UV-Strahlung, die vom Mensch als Weiß wahrgenommen wird, vom Messegerät als Farbe interpretiert wird. Speziell beim Messen der Tonwerte kommt es teilweise zu starken Abweichungen. Zurzeit arbeiten fogra, bvdm und namhafte Hersteller der Printmedien-Industrie an der Lösung dieses Problems. Untersuchungen mit UV-Sperrfiltern zur Ermittlung des UV-Anteils ergaben bisher gute Ergebnisse. Sobald die Versuche abgeschlossen sind und eine brauchbare Lösung gefunden ist, wird man die ISO Norm entsprechend erweitern und im PSO übernehmen.
 
Aufwand
Ohne zusätzlichen Aufwand, Hinzulernen und Kommunikation zwischen allen Beteiligten ist keine Standardisierung möglich. Standards wie ISO 12647-2 und PSO geben eine Leitlinie und Ziele vor. Sie decken aber nicht alle Verfahren und Möglichkeiten ab. Daher ist es wichtig, dass man sich vor Produktionsbeginn nach wie vor abspricht, damit das gewünschte Ziel erreicht wird und alle dasselbe Verständnis haben. Aber ohne Standards gibt es kein zuverlässiges Color Management und keine farbverbindlichen Proofs.
 
Wirtschaftlichkeit
Der Aufwand bringt jedoch wirtschaftlichen Nutzen. Die Gewissheit, dass der Proof an der Maschine erreichbar ist, spart leicht zwei bis drei Abzüge ein und gibt Sicherheit beim Gespräch mit dem Kunden. Die farbmetrischen Werte sind eine wertvolle Ergänzung zur Qualitätssicherung und -analyse. In einem integrierten Workflow sorgen Flächendeckungswerte für eine gute Farbvoreinstellung an der Druckmaschine, während Lab-Werte die Messsysteme an den Maschinen mit den gewünschten Referenzwerten versorgen.
 
Fazit
Mit dem eingeschlagenen Weg der Standardisierung und den vorgegebenen Werten im PSO kann ein bis heute unerreichtes Maß an Qualität und Farbverbindlichkeit erreicht werden. Es müssen aber alle mitmachen. Ein einziger Proof für AM- und FM-Raster funktioniert nicht, und unterschiedliche Farbseparationstechniken auf einem Druckbogen haben mit Standardisierung nichts gemeinsam. Es entstehen aber auch Erwartungen, die noch nicht erfüllt werden können und vielleicht auch nie erfüllbar sein werden. Standardisierung bedeutet nicht, dass der erste Abzug dem Proof entspricht, auch wenn die Messwerte im Druckkontrollstreifen schon gut sind. Eine weitere Nachführung an der Druckmaschine ist legitim. Die Forderungen nach engeren Toleranzen sind naturgemäß in der Vorstufe, wenn man vom Ink Jet Drucker einmal absieht, leichter zu erbringen, als im Druck. Papier ist ein Naturprodukt und die Farbe ein komplexes chemisches Gebilde. Umwelt und Klima haben Einfluss auf den Papierlauf und die Viskosität der Farbe. Das alles muss der Drucker im Griff haben. Da sind standardisierte Messwerte und voreingestellte Zonenprofile, auf die man sich verlassen kann, eine willkommene Hilfe.
 
Und wenn der Kunde zur Abstimmung kommt oder die im Vorfeld versäumte Farbkorrektur noch an der Druckmaschine lithographieren will, ist immer das richtig, was dem Kunden gefällt. Aber dann geht es auch nicht mehr um Standards.

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Prozess-Standards

Standards bedeuten keine durchschnittliche oder gar schlechte Qualität, sondern beschrei-ben vielmehr die exakten Färbungsziele für den Druck. PDF-Dokument

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