Rund 200 Marketing-Entscheider diskutierten Chancen von Print im
Marketingmix
Neue Medien, neue Werte, neue Chancen - unsere Gesellschaft
befindet sich in einem rasanten Wandel. Welchen Einfluss hat dieser
Wandel auf die Printkommunikation und wie kann sich Print dabei
erfolgreich positionieren? Das waren die zentralen Fragen, die auf
dem Print Media Dialog 2006 der Print Media Academy diskutiert
wurden. Rund 200 Marketing-Endscheider aus Unternehmen und
Agenturen sowie Inhaber und Geschäftsführer von
Druckdienstleistern waren nach Heidelberg gekommen, um mit den
Referenten über die Zukunft der Printkommunikation zu
diskutieren. Die Moderation übernahm in diesem Jahr Herr
Hans-Georg Boecher, Direktor des Verpackungsmuseums Heidelberg.
Spielräume für das Marketing
Mit dem globalen Wertewandel setzte sich Prof. Dr.
Christian Welzel von der Jacobs University Bremen auseinander. Im
Rahmen der Weltwertestudie (WWS) befragen Welzel und seine
internationalen Kollegen seit 1981 in regelmäßigen
Abständen Menschen rund um den Globus nach ihren
Wertvorstellungen. Ein zentrales Ergebnis: In den hoch entwickelten
Gesellschaften westlicher Prägung gibt es schwache Tabuwerte,
während Selbstwerte, wie Eigeninitiative und Engagement, stark
ausgeprägt sind. Dies eröffnet auch dem Marketing
Spielräume, da gezielt Tabubrüche und Ironie in der
Werbung eingesetzt werden können. Dass Print dabei
künftig eine zentrale Rolle spielt, steht für Welzel
außer Frage: "Trotz oder gerade wegen dieser Leichtigkeit
wird in einer tabuarmen Gesellschaft die Glaubwürdigkeit zu
einem zentralen Wert. Hier sind die Printmedien anderen Medien
überlegen, denn das gedruckte Wort und Bild ist nicht
flüchtig und dadurch immer überprüfbar."
Belege für diese These lieferten gleich zwei Vertreter
der Markenartikelindustrie: Florian Stetter, Inhaber der
Lantenhammer Destillerie in Schliersee, sowie Godo Röben,
Geschäftsleitung Marketing Rügenwalder Mühle.
Stetter skizzierte die Erfolgsgeschichte der bayerischen
Destillerie, die sich innerhalb der letzten 15 Jahre von einer
regionalen Brennerei in eine Premium-Destillerie mit bundesweitem
Vertrieb entwickelt hat. Inzwischen produziert Lantenhammer mit 20
Mitarbeitern jährlich rund 250.000 Flaschen Edlebrände,
Liköre und Spezialitäten, die als Premium-Produkte
positioniert sind. Diese Positionierung spiegelt sich auch im
Markenauftritt wieder: Lantenhammer fokussiert sich dabei fast
ausschließlich auf Print und legt Wert auf einen
durchgängigen Premium-Auftritt. Vom Etikett über den
Katalog bis hin zu Anschreiben und Mailings sind alle Printprodukte
auf hochwertigem Papier gedruckt und größtenteils
aufwändig veredelt. "Wir wollen den Genuss auch über
Print vermitteln", brachte Stetter die Marketingphilosophie
auf den Punkt.
Erfolg durch Printwerbung. Eine außergewöhnliche
Erfolgsgeschichte präsentierte auch Godo Röben. So hat
sich die Rügenwalder Mühle seit einer Neuordnung des
Marketings im Jahr 1995 zur bekanntesten Wurstmarke in Deutschland
entwickelt und ist im Fleisch- und Wurstwarenbereich einer der
Top-Anbieter im deutschen Lebensmittelhandel. Lange Jahre hatte man
sich bei Rügenwalder dabei ausschließlich auf die
TV-Werbung konzentriert, doch jüngst auch die Vorzüge von
Print entdeckt. Bei der Einführung des neuen Frische-Bechers
im laufenden Jahr war das Budget erstmals zu gleichen Teilen auf
TV- und Printwerbung verteilt. Mit Erfolg, wie Röben
bestätigt: "Wir haben gemerkt, dass wir mit Print unseren
Absatz steigern können und werden daher auch künftig auf
dieses Medium setzen."
Dass bei Printprodukten der Kreativität und Vielfalt
kaum Grenzen gesetzt sind, präsentierte Karl Kowalczyk, Leiter
des Print Media Centers Heidelberg, anhand einer Auswahl von
Druckmustern vorwiegend aus dem Verpackungsbereich: Faltschachteln,
bei denen modernste Drucktechnologien und kreative Ideen zu
beeindruckenden Resultaten geführt haben. "Papier als
Träger haptischer Erlebnisse spielt bei einem ganzheitlichen
Marketing eine zentrale Rolle", resümierte Kowalczyk.
"Neue Bedruckstoffe sowie Druck- und Veredelungstechniken
ermöglichen es, dass Sinnlichkeit ein fester Bestandteil des
Markenbildes wird." Gleichzeitig appellierte Kowalczyk an
Druckdienstleister und Kreative, die fruchtbare Zusammenarbeit
weiter zu intensivieren und ein noch besseres gegenseitiges
Verständnis zu entwickeln.
"In einer Zeit der Bedeutungszunahme von ideellen Werten
für die Marke bediene Print exzellent das Bedürfnis nach
Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit in der
Markenkommunikation", bestätigte Horst Prießnitz,
Hauptgeschäftsführer des Markenverbands Berlin in der
abschließenden Podiumsdiskussion.
Bernd Schopp, Leiter der Print Media Academy, zeigte sich
über Ergebnis und Verlauf des 5. Print Media Dialogs
zufrieden: "Ich denke, wir haben heute einen sehr
interessanten und fruchtbaren Austausch zwischen Werbetreibenden,
Kreativen und Druckdienstleistern erlebt. Es ist deutlich geworden,
dass der Wertewandel in unserer Gesellschaft dem Medium Print
durchaus neue Perspektiven eröffnet. Denn gerade
Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit sind beides Werte, die
Print wie kein anderes Medium vermitteln kann."
Bild:
Volles Haus beim 5. Print Media Dialog in der Print Media
Academy in Heidelberg. Über 200 Besucher diskutierten die
Chancen von Print im zukünftigen Marketingmix.
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