Interview mit Wolfgang Pfizenmaier, Vorstand Solution Center
Digital bei der Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) und
Venkat Purushotham, Präsident NexPress Solutions LLC
Heidelberg zeigt auf der CeBIT 2002 sein gesamtes
Lösungsangebot für den Digitaldruck. Herr Pfizenmaier, wo
steht Heidelberg heute mit diesem Geschäftsbereich und welchen
Stellenwert besitzt er für Heidelberg?
Wolfgang Pfizenmaier: Heidelberg ist mittlerweile im
Digitaldruck sehr gut am Markt aufgestellt. Wir halten für
alle kommerziellen Anwendungen interessante Lösungen bereit,
sowohl was den digitalen Farb- und Schwarzweißdruck als auch
den digitalen Offsetdruck angeht. Natürlich hat dazu unser
Joint Venture mit Kodak einen herausragenden Beitrag geleistet,
indem es ihm in nur vier Jahren Entwicklungszeit gelungen ist, die
NexPress 2100 erfolgreich auf den Markt zu bringen. Insgesamt ist
der Digitaldruck aus der Heidelbergwelt nicht mehr wegzudenken. Es
ist völlig klar, dass der Digitaldruck die Zukunft des Drucks
maßgeblich bestimmen und gestalten wird. Wir stehen heute mit
vielen Anwendungen, wie z.B. dem One-to-One Marketing noch ganz am
Anfang. In ein paar Jahren werden diese Marketingformen jedoch ganz
selbstverständlich zu unserem Alltag gehören. Die
erwarteten Zuwachsraten sind enorm. Wir gehen daher davon aus, dass
in rund zehn Jahren der Digitaldruck bei Heidelberg in Umsatz und
Ertrag mit dem Bogenoffset gleichgezogen hat. Es ist allerdings
auch klar, dass der Digitaldruck den Offsetdruck nicht ersetzt und
nicht ersetzen kann, sondern sinnvoll ergänzt.
Welche Rolle spielen die drei Digitaldrucklösungen NexPress
2100, Digimaster 9110 und Quickmaster DI 46-4 Pro im
Verhältnis zueinander?
Wolfgang Pfizenmaier: Mit dem Vertriebsstart der NexPress
2100 auf der Print in Chicago hat Heidelberg entgültig den
Durchbruch zum Komplettanbieter von kommerziellen
Digitaldrucklösungen geschafft. Mit der NexPress ist
Heidelberg in der Lage, seinen Kunden ein System anzubieten, das in
Bezug auf Geschwindigkeit, Maschinenverfügbarkeit und
Druckqualität neue Maßstäbe setzt. Mit der
Digimaster 9110 und ihren umfangreichen Applikationen
bezüglich Software und Finishing ist Heidelberg sehr gut im
Markt positioniert. Bereits über 2500 Systeme sind verkauft
und mit der Output Management Software "DataXceed" halten
wir auch für unsere Kunden in den Rechenzentren eine sehr
attraktive Lösung im Vergleich zu unserem Wettbewerb bereit.
Die Quickmaster DI 46-4 Pro wiederum eignet sich besonders für
Short Run Color in Offsetqualität. Kurze Rüstzeiten
für schnelle Jobwechsel gewährleisten eine zeitnahe
Auftragsabwicklung on demand. Auch lässt sich die DI
beispielsweise mit einer Digimaster kombinieren: So können auf
der Digimaster gedruckte Handbücher mit einem auf der DI
gedruckten Farbcover versehen werden. Dasselbe gilt auch für
den kombinierten Einsatz von NexPress und Digimaster: So lassen
sich beispielsweise in einem auf der Digimaster gedruckten
Schwarzweiß-Job farbig auf NexPress gedruckte Seiten per
Inserter einschießen. Ich denke, es wird deutlich, dass wir
für alle unsere Kunden und Interessenten ein breites und
flexibles Lösungsangebot bereit halten.
Herr Purushotham, wie sehen Sie die Situation im Hinblick auf
die NexPress 2100?
Venkat Purushotham: Die NexPress hat heute ihren
Schwerpunkt im Bereich von farbigen Kleinauflagen und im Bereich
schneller Auftragsabwicklung. Die Einsatzgebiete sind hierbei
nahezu unbegrenzt. Es ist eine erwiesene Tatsache, dass die
Auflagenhöhe seit Jahren immer weiter abnimmt, obwohl das
Druckvolumen weiterhin steigt. Ein Phänomen, das sich auch in
naher Zukunft noch fortsetzen wird. Die Gründe hierfür
sind vielschichtig. Zum einen sind die Informationen in immer
kürzeren Abständen überholt, d.h. die Notwendigkeit
für Neuauflagen steigt. Von daher ist es nur folgerichtig,
kleinere Auflagen drucken zu lassen. Der Vorteil liegt ja auf der
Hand: keine oder zumindest weniger überholte Broschüren,
die vernichtet werden müssen und geringere Lagerkosten. Der
zweite wesentliche Bereich ist die schnelle Auftragsabwicklung oder
Schnellschüsse. Auch dies ist eine erwiesene Tatsache, dass
immer häufiger Drucksachen in kürzester Zeit
benötigt werden. Mit der NexPress können Aufträge
angenommen werden, die früher undenkbar waren. Dies ist
besonders wichtig im Hinblick auf Kundenbindung. Wenn Sie einmal
einem Kunden aus der Klemme geholfen haben, weil die Daten für
eine wichtige Broschüre einfach zu spät fertig wurden, um
sie konventionell zu drucken, wird er sich auch weiterhin gerne auf
Ihre Hilfe verlassen. Die Zukunft allerdings wird immer mehr dem
variablen Datendruck und seinen vielfältigen
Gestaltungsmöglichkeiten gehören, wobei Lieferungen am
gleichen oder am nächsten Tag zum Standard gehören
werden.
Herr Purushotham, welche Zuwachsraten für den digitalen
Farbdruck sehen Sie und wie beurteilen Sie diesen Markt insgesamt?
Venkat Purushotham: Diverse Studien versichern, dass im
digitalen Farbdruckbereich mit Zuwachsraten von jährlich 18
Prozent zu rechnen ist, im Schwarzweiß-Bereich immerhin mit 11
Prozent. Damit ist der digitale Farbdruck der am schnellsten
wachsende Bereich in der Printmedien-Industrie überhaupt. Die
hohen Zuwachsraten begründen sich im Trend zu immer kleineren
Auflagen - wie zuvor schon aufgeführt - und an der immer
größer werdenden Bedeutung des One-to-One Marketing und
dem damit verbundenen variablen Datendruck.
Das klingt sehr optimistisch und legen den Schluss nahe, dass
NexPress bereits mit Hochtouren an der Entwicklung weiterer
Innovationen arbeitet?
Venkat Purushotham: Zur Print '01 in Chicago haben
wir die NexPress 2100 nach nur vier Jahren Entwicklungszeit
offiziell zum Vertrieb freigegeben. Allein auf dieser Messe hat
Heidelberg über 70 Maschinen verkauft. Auch die
Auftragseingänge seit September letzten Jahres entsprechen
unserer Erwartungshaltung. Zur Ipex in Birmingham werden wir mit
NexTreme eine ganz wesentliche Komponente für den variablen
Datendruck und damit für effizientes One-to-One Marketing
vorstellen. Sie können versichert sein, dass dies nicht das
letzte Produkt sein wird, das NexPress vorstellen wird. Der Markt
entwickelt sich sehr dynamisch weiter und wir wollen diese
Entwicklung ganz wesentlich prägen. Von daher sind neue
Produkte von NexPress und damit letztendlich eine Produktfamilie
nur eine logische Konsequenz.
Herr Pfizenmaier, welche zukünftige Rolle messen Sie dem
Digital Finishing bei?
Wolfgang Pfizenmaier: Auch hier steht die Entwicklung
erst am Beginn. Die optimale Lösung ist immer abhängig
von der Anwendung. Im Bereich Schwarzweiß machen wir sehr gute
Erfahrungen mit Inline Finishing- Lösungen. Deshalb launcht
Heidelberg auf der CeBIT auch den inline Hole Puncher 9110 für
die Digimaster 9110. Die Beliebtheit des Inlinefinishing ist hier
hauptsächlich auf den hohen Anteil von standardisierten
Drucksachen in diesem Bereich zurückzuführen. Im
Farbbereich ist die Situation etwas anders. Hier geht die Tendenz
eher in Richtung Nearlinefinishing, weil die Druckprodukte zum Teil
sehr unterschiedliche Ansprüche an die Weiterverarbeitung
stellen. Unter Nearlinefinishing verstehen wir, das unmittelbare
Falzen, Schneiden, Heften und Kleben von Druckprodukten, die fertig
zusammengetragen und trocken aus der NexPress kommen. Eine gute
Ergänzung zur NexPress ist daher der Bindexpert von
Heidelberg, der sich besonders für Klebebindungen bei kleinen
Auflagen eignet und mit, wie bei der NexPress üblich,
unterschiedlichsten Papiersorten zurecht kommt.
Zum Abschluss noch ein Wort zu den Kosten im Farbdigitaldruck.
Mit welcher Entwicklung muss der Markt bei den Produktionskosten
rechnen?
Venkat Purushotham: Einer der entscheidenden Faktoren
für das anhaltende Wachstum des Digitaldrucks ist seine
Wirtschaftlichkeit im Verhältnis zum Offsetdruck. In dem
Maße, in dem das Druckvolumen im Digitalbereich wächst,
werden durch technologische Weiterentwicklungen weitere
Einsparungen ermöglicht, was die Kosten für den
Digitaldruck nochmals erheblich senken wird. Das Thema Druckkosten
einer digital gedruckten Farbseite ist vielschichtig. Und es ist
komplexer als dies immer wieder von einigen Anbietern dargestellt
wird. Einfach einen Seitenpreis zu nennen wäre unseriös,
denn die tatsächlichen Kosten setzen sich aus
unterschiedlichen Komponenten zusammen: Beispielsweise das
monatliche Druckvolumen, die durchschnittliche Flächendeckung
und natürlich auch die Sorgfalt mit der die Maschine gepflegt
und gewartet wird. Erst wenn alle diese Faktoren
berücksichtigt werden, lassen sich vernünftige Angaben
machen. NexPress hat vor kurzem eine White Paper zum Thema
"tatsächliche Kosten im Farbdigitaldruck" herausgegeben. Dort
werden ausführliche alle relevanten Faktoren beleuchtet (siehe
www.nexpress.com , press center). Druckkosten
sind natürlich ein ganz wichtiger Faktor, aber wesentlich
bedeutender ist, welcher Erlös sich mit den einzelnen
Druckaufträgen erwirtschaften lässt.
Wolfgang Pfizenmaier: Mit dem Digitaldruck können neue
Anwendungen angeboten werden, die dem Offsetdruck aus
wirtschaftlichen Gründen bislang verschlossen blieben. Ob es
sich um Kleinauflagen handelt, im Handumdrehen abgewickelte
Druckaufträge oder den variablen Datendruck für das immer
bedeutender werdende One-to-One Marketing; in allen Fällen
werden Anwendungen angeboten, die für Druckauftraggeber einen
höheren Wert darstellen als nur Farbe aufs Papier zu bringen.
Es ist die Aufgabe des Druckdienstleisters, diesen Mehrwert zu
verkaufen. Unsere NexPress Interessenten können sich dabei
darauf verlassen, dass wir mit jedem einzelnen das Thema
Druckkosten individuell in Hinblick auf sein Geschäftsmodell
erörtern.
Für weitere Informationen:
Heidelberger Druckmaschinen AG
Unternehmenskommunikation
Matthias Hartung
Tel.: +49 (0)6221 92 50 77
Fax: +49 (0)6221 92 50 47
E-Mail:
matthias.hartung@heidelberg.com