Die Zukunft des digitalen Druckens beginnt heute |
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| 13.03.2002 |
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Interview mit Wolfgang Pfizenmaier, Vorstand Solution Center Digital bei der Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) und Venkat Purushotham, Präsident NexPress Solutions LLC
Heidelberg zeigt auf der CeBIT 2002 sein gesamtes Lösungsangebot für den Digitaldruck. Herr Pfizenmaier, wo steht Heidelberg heute mit diesem Geschäftsbereich und welchen Stellenwert besitzt er für Heidelberg?
Wolfgang Pfizenmaier: Heidelberg ist mittlerweile im Digitaldruck sehr gut am Markt aufgestellt. Wir halten für alle kommerziellen Anwendungen interessante Lösungen bereit, sowohl was den digitalen Farb- und Schwarzweißdruck als auch den digitalen Offsetdruck angeht. Natürlich hat dazu unser Joint Venture mit Kodak einen herausragenden Beitrag geleistet, indem es ihm in nur vier Jahren Entwicklungszeit gelungen ist, die NexPress 2100 erfolgreich auf den Markt zu bringen. Insgesamt ist der Digitaldruck aus der Heidelbergwelt nicht mehr wegzudenken. Es ist völlig klar, dass der Digitaldruck die Zukunft des Drucks maßgeblich bestimmen und gestalten wird. Wir stehen heute mit vielen Anwendungen, wie z.B. dem One-to-One Marketing noch ganz am Anfang. In ein paar Jahren werden diese Marketingformen jedoch ganz selbstverständlich zu unserem Alltag gehören. Die erwarteten Zuwachsraten sind enorm. Wir gehen daher davon aus, dass in rund zehn Jahren der Digitaldruck bei Heidelberg in Umsatz und Ertrag mit dem Bogenoffset gleichgezogen hat. Es ist allerdings auch klar, dass der Digitaldruck den Offsetdruck nicht ersetzt und nicht ersetzen kann, sondern sinnvoll ergänzt.
Welche Rolle spielen die drei Digitaldrucklösungen NexPress 2100, Digimaster 9110 und Quickmaster DI 46-4 Pro im Verhältnis zueinander?
Wolfgang Pfizenmaier: Mit dem Vertriebsstart der NexPress 2100 auf der Print in Chicago hat Heidelberg entgültig den Durchbruch zum Komplettanbieter von kommerziellen Digitaldrucklösungen geschafft. Mit der NexPress ist Heidelberg in der Lage, seinen Kunden ein System anzubieten, das in Bezug auf Geschwindigkeit, Maschinenverfügbarkeit und Druckqualität neue Maßstäbe setzt. Mit der Digimaster 9110 und ihren umfangreichen Applikationen bezüglich Software und Finishing ist Heidelberg sehr gut im Markt positioniert. Bereits über 2500 Systeme sind verkauft und mit der Output Management Software "DataXceed" halten wir auch für unsere Kunden in den Rechenzentren eine sehr attraktive Lösung im Vergleich zu unserem Wettbewerb bereit. Die Quickmaster DI 46-4 Pro wiederum eignet sich besonders für Short Run Color in Offsetqualität. Kurze Rüstzeiten für schnelle Jobwechsel gewährleisten eine zeitnahe Auftragsabwicklung on demand. Auch lässt sich die DI beispielsweise mit einer Digimaster kombinieren: So können auf der Digimaster gedruckte Handbücher mit einem auf der DI gedruckten Farbcover versehen werden. Dasselbe gilt auch für den kombinierten Einsatz von NexPress und Digimaster: So lassen sich beispielsweise in einem auf der Digimaster gedruckten Schwarzweiß-Job farbig auf NexPress gedruckte Seiten per Inserter einschießen. Ich denke, es wird deutlich, dass wir für alle unsere Kunden und Interessenten ein breites und flexibles Lösungsangebot bereit halten.
Herr Purushotham, wie sehen Sie die Situation im Hinblick auf die NexPress 2100?
Venkat Purushotham: Die NexPress hat heute ihren Schwerpunkt im Bereich von farbigen Kleinauflagen und im Bereich schneller Auftragsabwicklung. Die Einsatzgebiete sind hierbei nahezu unbegrenzt. Es ist eine erwiesene Tatsache, dass die Auflagenhöhe seit Jahren immer weiter abnimmt, obwohl das Druckvolumen weiterhin steigt. Ein Phänomen, das sich auch in naher Zukunft noch fortsetzen wird. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Zum einen sind die Informationen in immer kürzeren Abständen überholt, d.h. die Notwendigkeit für Neuauflagen steigt. Von daher ist es nur folgerichtig, kleinere Auflagen drucken zu lassen. Der Vorteil liegt ja auf der Hand: keine oder zumindest weniger überholte Broschüren, die vernichtet werden müssen und geringere Lagerkosten. Der zweite wesentliche Bereich ist die schnelle Auftragsabwicklung oder Schnellschüsse. Auch dies ist eine erwiesene Tatsache, dass immer häufiger Drucksachen in kürzester Zeit benötigt werden. Mit der NexPress können Aufträge angenommen werden, die früher undenkbar waren. Dies ist besonders wichtig im Hinblick auf Kundenbindung. Wenn Sie einmal einem Kunden aus der Klemme geholfen haben, weil die Daten für eine wichtige Broschüre einfach zu spät fertig wurden, um sie konventionell zu drucken, wird er sich auch weiterhin gerne auf Ihre Hilfe verlassen. Die Zukunft allerdings wird immer mehr dem variablen Datendruck und seinen vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten gehören, wobei Lieferungen am gleichen oder am nächsten Tag zum Standard gehören werden.
Herr Purushotham, welche Zuwachsraten für den digitalen Farbdruck sehen Sie und wie beurteilen Sie diesen Markt insgesamt?
Venkat Purushotham: Diverse Studien versichern, dass im digitalen Farbdruckbereich mit Zuwachsraten von jährlich 18 Prozent zu rechnen ist, im Schwarzweiß-Bereich immerhin mit 11 Prozent. Damit ist der digitale Farbdruck der am schnellsten wachsende Bereich in der Printmedien-Industrie überhaupt. Die hohen Zuwachsraten begründen sich im Trend zu immer kleineren Auflagen - wie zuvor schon aufgeführt - und an der immer größer werdenden Bedeutung des One-to-One Marketing und dem damit verbundenen variablen Datendruck.
Das klingt sehr optimistisch und legen den Schluss nahe, dass NexPress bereits mit Hochtouren an der Entwicklung weiterer Innovationen arbeitet?
Venkat Purushotham: Zur Print '01 in Chicago haben wir die NexPress 2100 nach nur vier Jahren Entwicklungszeit offiziell zum Vertrieb freigegeben. Allein auf dieser Messe hat Heidelberg über 70 Maschinen verkauft. Auch die Auftragseingänge seit September letzten Jahres entsprechen unserer Erwartungshaltung. Zur Ipex in Birmingham werden wir mit NexTreme eine ganz wesentliche Komponente für den variablen Datendruck und damit für effizientes One-to-One Marketing vorstellen. Sie können versichert sein, dass dies nicht das letzte Produkt sein wird, das NexPress vorstellen wird. Der Markt entwickelt sich sehr dynamisch weiter und wir wollen diese Entwicklung ganz wesentlich prägen. Von daher sind neue Produkte von NexPress und damit letztendlich eine Produktfamilie nur eine logische Konsequenz.
Herr Pfizenmaier, welche zukünftige Rolle messen Sie dem Digital Finishing bei?
Wolfgang Pfizenmaier: Auch hier steht die Entwicklung erst am Beginn. Die optimale Lösung ist immer abhängig von der Anwendung. Im Bereich Schwarzweiß machen wir sehr gute Erfahrungen mit Inline Finishing- Lösungen. Deshalb launcht Heidelberg auf der CeBIT auch den inline Hole Puncher 9110 für die Digimaster 9110. Die Beliebtheit des Inlinefinishing ist hier hauptsächlich auf den hohen Anteil von standardisierten Drucksachen in diesem Bereich zurückzuführen. Im Farbbereich ist die Situation etwas anders. Hier geht die Tendenz eher in Richtung Nearlinefinishing, weil die Druckprodukte zum Teil sehr unterschiedliche Ansprüche an die Weiterverarbeitung stellen. Unter Nearlinefinishing verstehen wir, das unmittelbare Falzen, Schneiden, Heften und Kleben von Druckprodukten, die fertig zusammengetragen und trocken aus der NexPress kommen. Eine gute Ergänzung zur NexPress ist daher der Bindexpert von Heidelberg, der sich besonders für Klebebindungen bei kleinen Auflagen eignet und mit, wie bei der NexPress üblich, unterschiedlichsten Papiersorten zurecht kommt.
Zum Abschluss noch ein Wort zu den Kosten im Farbdigitaldruck. Mit welcher Entwicklung muss der Markt bei den Produktionskosten rechnen?
Venkat Purushotham: Einer der entscheidenden Faktoren für das anhaltende Wachstum des Digitaldrucks ist seine Wirtschaftlichkeit im Verhältnis zum Offsetdruck. In dem Maße, in dem das Druckvolumen im Digitalbereich wächst, werden durch technologische Weiterentwicklungen weitere Einsparungen ermöglicht, was die Kosten für den Digitaldruck nochmals erheblich senken wird. Das Thema Druckkosten einer digital gedruckten Farbseite ist vielschichtig. Und es ist komplexer als dies immer wieder von einigen Anbietern dargestellt wird. Einfach einen Seitenpreis zu nennen wäre unseriös, denn die tatsächlichen Kosten setzen sich aus unterschiedlichen Komponenten zusammen: Beispielsweise das monatliche Druckvolumen, die durchschnittliche Flächendeckung und natürlich auch die Sorgfalt mit der die Maschine gepflegt und gewartet wird. Erst wenn alle diese Faktoren berücksichtigt werden, lassen sich vernünftige Angaben machen. NexPress hat vor kurzem eine White Paper zum Thema „tatsächliche Kosten im Farbdigitaldruck“ herausgegeben. Dort werden ausführliche alle relevanten Faktoren beleuchtet (siehe
www.nexpress.com
, press center). Druckkosten sind natürlich ein ganz wichtiger Faktor, aber wesentlich bedeutender ist, welcher Erlös sich mit den einzelnen Druckaufträgen erwirtschaften lässt.
Wolfgang Pfizenmaier: Mit dem Digitaldruck können neue Anwendungen angeboten werden, die dem Offsetdruck aus wirtschaftlichen Gründen bislang verschlossen blieben. Ob es sich um Kleinauflagen handelt, im Handumdrehen abgewickelte Druckaufträge oder den variablen Datendruck für das immer bedeutender werdende One-to-One Marketing; in allen Fällen werden Anwendungen angeboten, die für Druckauftraggeber einen höheren Wert darstellen als nur Farbe aufs Papier zu bringen. Es ist die Aufgabe des Druckdienstleisters, diesen Mehrwert zu verkaufen. Unsere NexPress Interessenten können sich dabei darauf verlassen, dass wir mit jedem einzelnen das Thema Druckkosten individuell in Hinblick auf sein Geschäftsmodell erörtern.
Für weitere Informationen: Heidelberger Druckmaschinen AG Unternehmenskommunikation Matthias Hartung Tel.: +49 (0)6221 92 50 77 Fax: +49 (0)6221 92 50 47 E-Mail:
matthias.hartung@heidelberg.com
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