Suche English  |  Deutsch  Lokale Webseiten
Heidelberger Druckmaschinen AG
Home > Press Lounge > Textarchiv > Presseveranstaltungen > Hauptversammlungen > Archiv 2005 >  Rede Bernhard Schreier

Rede zur ordentlichen Hauptversammlung 2005

20.07.2005
Bernhard Schreier, Vorstandvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG
Detailansicht
Sperrfrist bis Beginn der Rede!

Rede zur ordentlichen Hauptversammlung der Heidelberger Druckmaschinen AG

Bernhard Schreier
Vorsitzender des Vorstands

Mittwoch, 20. Juli 2005
Congress Center Rosengarten, Mannheim

Es gilt das gesprochene Wort!

Chart 1: Titel

Chart 2. Willkommen

Begrüßung und Einleitung


Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
sehr geehrte Aktionärsvertreterinnen und Aktionärsvertreter,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Medien,
sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen des Vorstands und der Mitarbeiter der Heidelberger Druckmaschinen AG darf ich Sie zu unserer ordentlichen Hauptversammlung hier in Mannheim herzlich willkommen heißen.

Zum ersten Mal findet diese Versammlung im Mannheimer Congress Center Rosengarten statt. Lassen Sie mich eingangs einige Worte sagen, was uns dazu bewogen hat, den Ort zu wechseln.

Sicherlich haben viele von Ihnen in den vergangenen Jahren unsere Hauptversammlungen in der Heidelberger Stadthalle besucht. Der Mannheimer Rosengarten besitzt jedoch als eines der größten und modernsten Kongresszentren in Deutschland eine ganze Reihe von Vorteilen.

Er bietet mehr Platz und auch Komfort für unser Aktionärstreffen. Durch seine zentrale Lage ist die Anreise sowohl mit der Deutschen Bahn als auch mit dem öffentlichen Nahverkehr deutlich einfacher. Das gleiche gilt für die Anfahrt mit dem Auto und auch für die besseren Parkmöglichkeiten. Ich bin davon überzeugt, dass diese Vorteile und damit dieser Umzug auch in Ihrem Sinne sind.

Chart 3: Zusammenfassung GJ 2004/2005

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Druckmaschinenindustrie hat die längste und schwerste Konjunkturkrise seit ihrem Bestehen hinter sich. Von dieser Krise hatte sich auch die Heidelberger Druckmaschinen AG nicht freimachen können.

Im Geschäftsjahr 2002/2003 - vor zwei Jahren - hatten wir eine schmerzhafte Talsohle zu verzeichnen. Bei der Hauptversammlung des vergangenen Jahres konnte ich Ihnen von einer Trendwende berichten. In den zurückliegenden zwölf Monaten hat sich die Entwicklung Ihres Unternehmens weiter positiv fortgesetzt.

Das Wichtigste dabei ist, dass wir nach zwei herben Verlustjahren im Geschäftsjahr 2004/2005 die Ertragswende geschafft haben. Ein Blick auf die wesentlichen Zahlen macht dies deutlich:

Das Nettoergebnis konnte von einem Vorjahresverlust in Höhe von 695 Millionen Euro auf einen Jahresüberschuss von 61 Millionen Euro deutlich verbessert werden.

Das operative Ergebnis hat sich mit 167 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Die Eigenkapitalquote stieg von 29 auf 34 Prozent.

Das Ergebnis je Aktie wuchs von einem Verlust im Vorjahr auf plus 0,64 Euro.

Erstmals seit drei Jahren können wir Ihnen - sofern Sie diesem Beschlussantrag heute zustimmen - wieder eine Dividende in Höhe von 30 Cent pro Aktie zahlen.

Chart 4: Neuausrichtung erfolgreich

Diese Zahlen belegen, dass die bereits 2003/2004 eingeleitete und im vergange-nen Geschäftsjahr abgeschlossene Neuausrichtung der Heidelberg Gruppe erfolgreich war. Die Konzentration auf das Geschäftsfeld Bogenoffset und die mit ihm verzahnten Prozesse von der Druck-Dateneingabe bis zum fertigen Druck-Erzeugnis haben das Unternehmen wieder auf einen klaren Kurs und damit zu einer deutlich verbesserten Ertragskraft geführt. Gleichzeitig ist es uns gelungen, auch unsere übrigen Ziele zu erreichen: nämlich Marktanteile zu halten bzw. auszuweiten, unsere Kosten weiter kontinuierlich zu senken sowie die Innovationskraft zu stärken.

Mit der Ertragswende haben wir allerdings nur einen ersten, wenn auch sehr wichtigen Zwischenschritt erreicht. Zusammen mit der Trennung von den verlustträchtigen Geschäftssparten Digitaldruck und Rollenoffset haben wir zugleich die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wachstum und für verbesserte Ertragsaussichten geschaffen:

Vor gut einem Jahr hatten wir auf der weltweit wichtigsten Branchenmesse drupa mehr als 50 Produktneuerungen vorgestellt.  Sie stärken nicht nur unsere Position in einem zunehmend härteren Wettbewerb, sie eröffnen uns vor allem auch gute Marktchancen. Gleichzeitig haben wir unsere Kostenstrukturen deutlich verbessert und auf ein wettbewerbsfähigeres Niveau gebracht.

Hinzu kommt die Reduzierung unserer Personalkosten. Wir haben im Frühjahr mit den Vertretern der Arbeitnehmer einen Zukunftssicherungspakt geschlossen, der uns ab dem Jahr 2008 Kosteneinsparungen von jährlich rund 100 Millionen Euro ermöglicht. Auf diese Vereinbarung werde ich später noch gesondert eingehen.

Chart 5: Weltwirtschaft wächst weiter

Trotz aller Bemühungen um eine weitere Verbesserung unserer Prozesse, unse-rer Kostenstrukturen und damit unserer Wettbewerbsfähigkeit war unser Geschäft auch im vergangenen Jahr in erheblichem Maße von der Entwicklung der Weltkonjunktur abhängig. Der Grund dafür ist in guten wie in schlechten Zeiten gleich: Die Kunden unserer Kunden stammen überwiegend aus der Werbewirtschaft - und deren Ausgaben orientieren sich zwangsläufig sehr stark am Verlauf der Gesamtwirtschaft.

Insgesamt wuchs die Weltwirtschaft mit 4,9 Prozent so stark wie schon seit Jahren nicht mehr. Die Entwicklung in den einzelnen Wirtschaftsräumen verlief dabei sehr unterschiedlich. Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten als einem für uns sehr wichtigen Einzelmarkt verzeichnete mit einem Plus von 4,4 Prozent ähnlich wie die Weltwirtschaft insgesamt den stärksten Anstieg seit Jahren. Allerdings ließ hier die Dynamik von Quartal zu Quartal nach.

Im Euroraum war das Wachstum mit 1,8 Prozent insgesamt dagegen bescheiden. In Deutschland und damit dem zweitgrößten Einzelmarkt von Heidelberg blieb die Binnennachfrage weiterhin schwach.

Neben den USA waren die Schwellenländer für das starke Wachstum der Weltwirtschaft verantwortlich. Vor allem China erwies sich erneut  als Konjunkturlokomotive: Mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 10,6 Prozent setzte sich die stürmische Entwicklung der vergangenen fünf Jahre ungebremst fort.

Entwicklung der Printmedien-Industrie
Die gute Entwicklung der Weltkonjunktur wirkte sich zwangsläufig auch positiv auf die wirtschaftliche Situation der Printmedien-Industrie aus. Nach drei aufeinander folgenden Krisenjahren tat die Branche in den Industrieländern einen ersten Schritt heraus aus der Talsohle und verzeichnete wieder einen leichten Aufwärtstrend.

Erstmals seit drei Jahren wurde in den Industrieländern wieder mehr gedruckt als im Jahr zuvor. In den Vereinigten Staaten, dem weltweit größten und auch für uns sehr wichtigen Markt für Druck-Erzeugnisse, steigerten die Druckereien ihren Umsatz um 4,1 Prozent. Zum Vergleich: In den drei Jahren zuvor waren Rückgänge zwischen 2 und 4 Prozent zu verkraften. Diese verbesserte Auslastung der Kapazitäten bedeutet, dass aufgrund höherer Erträge auch die Investitionsbereitschaft der Druckereien angezogen hat.

Für die europäischen Druckmaschinenhersteller und damit auch für Heidelberg ist jedoch ein Teil dieser positiven Entwicklung durch eine ungünstige Entwicklung der Wechselkurse wieder verpufft. Im zurückliegenden Geschäftsjahr hat sich der Euro gegenüber dem amerikanischen Dollar und dem japanischen Yen weiter verteuert. Hiervon profitierten vor allem unsere japanischen Wettbewerber, die ihre Produkte auf dem US-Markt deutlich billiger anbieten konnten als die europäischen Anbieter. Für alle gilt: Nach wie vor ist die Printmedien-Industrie gekennzeichnet durch freie Kapazitäten, Preisdruck und eine anhaltende Industriekonsolidierung.

Wachstum in China:
Das größte Wachstum bei Druck-Erzeugnissen gab es auch im vergangenen Jahr wieder in den Schwellenländern und hier vor allem in China zu verzeichnen. In diesen sich entwickelnden Volkswirtschaften ist der Sättigungsgrad bei Druck-Erzeugnissen trotz des starken Wachstums noch immer sehr gering. Aus diesem Grund ist die Investitionsbereitschaft der Druckereien in diesen Ländern vergleichsweise hoch.

Für Heidelberg ist die Region Asia/Pacific nach den angestammten Märkten in Europa und Amerika  mittlerweile bereits die zweitwichtigste unserer fünf Regionen. Welche Bedeutung gerade China für die Zukunft unseres Unternehmens sowie der Branche insgesamt hat, erkennen Sie allein daran, dass es dort schon heute mehr als zehnmal so viele Druckereien gibt wie in Deutschland. Und diese Zahl nimmt auch weiterhin stark zu. Wie wir uns auf diese wachsende Herausforderung vorbereiten, darauf werde ich später noch ausführlich zu sprechen kommen.

Chart  6: Auftragseingang, Umsatz, operatives Ergebnis, Jahresüberschuss

Deutliches Plus bei den weitergeführten Bereichen
Die gute Weltkonjunktur, die überwundene Krise der Druckindustrie sowie eine ausgesprochen erfolgreich verlaufene Branchenmesse drupa haben dazu geführt, dass der Auftragseingang in den von uns weitergeführten Bereichen, auf die ich mich bei meinen Ausführungen konzentrieren werde, erstmals seit drei Jahren wieder gestiegen ist.

Mit 3,5 Milliarden Euro lag der Auftragseingang um 8 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreswert. Der schwache Dollar verhinderte einen noch höheren Anstieg, der währungsbereinigt sogar ein Plus von 10 Prozent erreichte.

Besonders erfreulich ist dabei, dass wir in unserer mit Abstand wichtigsten Sparte Press - also im Wesentlichen den Bogenoffsetdruckmaschinen - überproportional stark wuchsen und Aufträge erhielten, deren Volumen um 10 Prozent über denen des Vorjahres lag. Diese Sparte trägt fast 90 Prozent zum Geschäft von Heidelberg bei.

Der Auftragseingang in der Sparte Postpress - also in der Weiterverarbeitung - stieg um 1 Prozent, während er in der Sparte Financial Services wie geplant um 27 Prozent sank. Dieser Rückgang erklärt sich dadurch, dass wir unsere Absatzfinanzierung zunehmend auf externe Partner verlagern und dadurch die Risiken insbesondere aus längerfristigen Finanzierungen reduzieren.

Da die von uns nicht mehr weitergeführten Bereiche Digitaldruck und Rollenoffset im Abschluss des vorangegangenen Jahres im Gegensatz zum aktuellen Abschluss noch voll enthalten waren, gingen die gesamten Auftragseingänge in der Heidelberg Gruppe im Vergleich zum Vorjahr leicht um 4 Prozent zurück.

Umsatz
Entsprechend dem gestiegenen Auftragseingang gab es auch beim bereinigten Umsatz eine ähnlich positive Entwicklung zu verzeichnen. Gegenüber dem Vorjahr stieg er um 3 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro; bereinigt um Währungseinflüsse waren es 5 Prozent. Dieses Wachstum entspricht unseren Prognosen aus dem Vorjahr. Erfreulich ist auch hier, dass unser Kerngeschäft Press überdurchschnittlich um 5 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gewachsen ist.

Auch der Verlauf der Umsatzentwicklung über das Jahr hinweg betrachtet stimmt uns zuversichtlich. Nach einem sehr verhaltenen Beginn lagen die Umsätze ab dem zweiten Quartal - und damit nach der drupa - in jedem Quartal höher als im Quartal davor.

Die Bedeutung der Schwellenländer insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum hat auch beim Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr weiter zugenommen. Der Umsatzanteil dieser Länder liegt in der Zwischenzeit bei 25 Prozent. Zum Vergleich: Ende der 90er Jahre waren es nur 14 Prozent.

Ungeachtet der insgesamt erfreulichen Umsatzentwicklung konnten wir nicht mit allen Bereichen zufrieden sein. Einige Bereiche, etwa Postpress, blieben noch hinter dem allgemeinen Markttrend zurück. Außerdem hielten einzelne Märkte nicht das, was wir uns von ihnen versprochen hatten. Das USA-Geschäft beispielsweise war durch den schwachen Dollar belastet, Russland konnte das starke Wachstum der vergangenen Jahre nicht in gewohnter Weise fortsetzen.

Aufgrund des guten Auftragseingangs verfügen wir derzeit auch über einen guten Auftragsbestand. Er lag zum Ende des Geschäftsjahres am 31. März bei gut einer Milliarde Euro und damit um 40 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Damit ist für die ersten Monate des neuen Geschäftsjahres eine gute Auslastung unserer Produktionskapazitäten gesichert.

Ertragswende geschafft
Das Wichtigste im abgelaufenen Geschäftsjahr aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist, dass wir trotz aller Unsicherheitsfaktoren die Ertragswende geschafft haben.

Neben dem Umsatzwachstum ist dies nicht zuletzt das Ergebnis der tief greifenden Neuausrichtung der Gruppe, bei der wir uns von den beiden Verlustsparten Digital und Web - also dem Rollenoffset - getrennt haben. Der Verkauf der beiden Sparten wurde schließlich in den ersten Monaten des vergangenen Geschäftsjahres erfolgreich abgeschlossen.

Auch darüber hinaus haben wir die Restrukturierung der Gruppe weiter vorangetrieben, unsere Organisation gestrafft, Abläufe vereinfacht sowie Kapitalbindung und Strukturkosten nachhaltig verringert.

Mit allen diesen Maßnahmen haben wir unser Ziel erreicht, die Gewinnschwelle spürbar abzusenken.

Das Ergebnis im operativen Bereich stieg von 10 Millionen Euro auf 160 Millionen Euro deutlich an. Beachtenswert ist auch hier die Entwicklung über die einzelnen Quartale hinweg. Das erste und in geringerem Umfang auch noch das zweite Quartal waren noch vergleichsweise schwach. Im dritten Quartal, also dem ersten ohne die beiden verkauften Verlustbereiche, erreichten wir bereits eine operative Umsatzrendite von acht, im vierten Quartal sogar von knapp 14 Prozent. Bezogen auf das gesamte Jahr erzielten wir damit eine operative Umsatzrendite von fünf Prozent. Nach den sehr schwierigen Jahren in der Druckindustrie ist dies ein durchaus bemerkenswertes Ergebnis.

Unser Ergebnis nach Steuern konnten wir deutlich steigern und damit erstmals seit drei Jahren die Gewinnschwelle wieder überschreiten. Der Jahresüberschuss erreichte 61 Millionen Euro. Die Umsatzrendite lag damit bei 1,8 Prozent.

Chart 7: Verbesserung der Kapitalstruktur: Free Cash Flow, Eigenkapital

Meine Damen und Herren,  darüber hinaus konnten wir im vergangenen Geschäftsjahr unsere Kapitalstruktur verbessern. Die Verbindlichkeiten der Heidelberg Gruppe haben wir deutlich verringert. Unseren Free Cashflow konnten wir trotz der Belastungen aus den nicht mehr weitergeführten Geschäften und der Neuausrichtung der Gruppe auf 154 Millionen Euro steigern. Damit haben wir das bereits gute Vorjahresergebnis deutlich übertroffen.

Generell haben wir im vergangenen Geschäftsjahr unsere Finanzierungsstruktur nachhaltig verbessert. Wesentlich hierzu beigetragen haben die erfolgreiche Platzierung einer Wandelanleihe mit einem Volumen von 280 Millionen Euro sowie ein weiteres Schuldscheindarlehen. Mit beiden Instrumenten konnten wir von den attraktiven Bedingungen am Kapitalmarkt profitieren und gleichzeitig unsere Finanzierungsflexibilität erhöhen. Unsere Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, die im Vorjahr noch fast 700 Millionen Euro betragen hatten, sanken dadurch um mehr als zwei Drittel auf nur noch 216 Millionen Euro.

Eigenkapital
Das Eigenkapital, das sich im vorangegangenen Geschäftsjahr aufgrund des damals hohen Jahresfehlbetrages deutlich reduziert hatte, blieb mit 1,23 Milliarden Euro gleich. Die  Eigenkapitalquote stieg von 29,1 auf 33,9 Prozent an.

Chart 8: Mitarbeiterzahl

Meine Damen und Herren, im Zusammenhang mit der Entkonsolidierung nicht weiter fortgeführter Geschäfte ging die Zahl der Beschäftigten wie geplant deutlich zurück. Im Jahresdurchschnitt beschäftigten wir in der Heidelberg Gruppe 18.679 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das sind rund 4.000 weniger als im Jahr zuvor.

Entwicklung in den Sparten

Chart 9: Sparte Press - Eingangschart


Ich hatte es eingangs bereits erwähnt, meine sehr verehrten Damen und Herren: Das vergangene Jahr markierte eine Trendwende in der Printmedien-Industrie - auch für Heidelberg. Dabei kamen mehrere Faktoren zusammen, wie der Blick auf die Entwicklung der einzelnen Sparten zeigt.

Praktisch zeitgleich mit der drupa vor gut einem Jahr zog die Nachfrage nach Produkten und Lösungen der Druckvorstufe sowie vor allem des Bogenoffset-, Verpackungs- und Flexodrucks wieder spürbar an. Angesichts dessen passte es perfekt, dass wir auf dieser Messe mit einer kompletten Produktoffensive vertreten waren. Unsere Kunden fanden, dass wir mit unseren neuen Produkten und Produktvarianten genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt kamen.

Chart 10: Sparte Press Zahlen

Dies zahlte sich aus: Der Auftragseingang unserer mit Abstand wichtigsten Sparte „Press“ stieg gegenüber dem Vorjahr währungsbereinigt um 12 Prozent auf rund 3,1 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs - ebenfalls währungsbereinigt - um 7 Prozent auf rund 2,8 Milliarden Euro. Der Unterschied zwischen diesen beiden Zahlen bedeutet, dass auch der Auftragsbestand erheblich gestiegen ist. Trotz teilweise deutlicher Unterschiede bei den einzelnen Formaten sind unsere Produktionskapazitäten in den kommenden Monaten damit noch nicht sehr gut, aber akzeptabel ausgelastet.

Chart 11: Sparte Press Speedmaster XL 105

Einen wesentlichen Beitrag zum höheren Auftragseingang und Umsatz leistete im so genannten Großformat die Markteinführung unserer neuen Speedmaster XL 105, die neue Maßstäbe hinsichtlich Produktivität, Qualität und Wirtschaftlichkeit insbesondere für den Verpackungsdruck mit hohen Auflagen setzt. Dank etlicher darin integrierter Innovationen wie beispielsweise dem berührungslosen Bogentransport können Druckereien ihre Produktivität um bis zu 30 Prozent steigern.

Trotz hoher Kosten für die drupa und den nicht einfachen Rahmenbedingungen konnten wir das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit vor Sondermaßnahmen um gut 20 Prozent auf 183 Millionen Euro steigern. Die Umsatzrendite liegt damit bei ordentlichen 6,5 Prozent. Dieses Ergebnis zeigt nicht zuletzt auch die Erfolge bei den Bemühungen, unsere Strukturkosten zu senken.

Weiterverarbeitung

Chart 12: Sparte Postpress Eingangschart


Auch in der Sparte Postpress, also der Weiterverarbeitung, konnten wir auf der drupa eine völlig neue Produktgeneration vorstellen und damit unsere Position gegenüber dem Wettbewerb stärken. Allerdings zog der Markt im vergangenen Geschäftsjahr insgesamt noch nicht so stark an wie ursprünglich erwartet. Da die Vereinigten Staaten einer der größten Absatzmärkte für Produkte zur Weiterverarbeitung sind, war in erster Linie der schwache Dollar ursächlich für die verhaltene Entwicklung.

Chart 13: Sparte Postpress Zahlen

Insgesamt verbesserte sich der Auftragseingang in dieser Sparte mit 359 Millio-nen Euro um 1 Prozent nur leicht. Der Umsatz erreichte 348 Millionen Euro und damit währungsbereinigt annähernd den Vorjahreswert. Unsere Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz haben dazu geführt, dass sich das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit vor Sondermaßnahmen von minus 18 Millionen Euro auf minus 2 Millionen Euro deutlich verbessert hat. Bei einem weiter anziehenden Markt gehen wir davon aus, im laufenden Geschäftsjahr auch hier die Gewinnschwelle zu überschreiten.

Chart 14: Sparte Financial Services

Um die Transparenz in der Berichterstattung zu erhöhen, haben wir im vergangenen Geschäftsjahr unsere Aktivitäten zur Absatzfinanzierung in einer eigenen Sparte zusammengefasst. Trotz eines Rückgangs von 41 Millionen auf 26 Millio-nen Euro war das Ergebnis der Sparte Financial Services sehr erfreulich. Der Rückgang des Ergebnisses wie auch des Umsatzes - in  diesem Fall des Zinsertrags - war in dieser Form geplant.

Portfoliobereinigungen
Das abgelaufene Geschäftsjahr, meine sehr verehrten Damen und Herren, war nicht nur das Jahr des Umschwungs in unseren angestammten Geschäftsfeldern. Sondern es war auch das Jahr der Neuausrichtung der Heidelberg Gruppe.

Bereits vor der letzten Hauptversammlung vor einem Jahr hatten wir den Digitaldruck an unseren Joint-Venture-Partner Eastman Kodak veräußert. Im August und damit wenige Wochen nach unserem Aktionärstreffen wurde der Verkauf der Sparte „Web Systems“ mit der Goss International Corporation wirksam, an der wir nun mit einem Geschäftsanteil von 15 Prozent beteiligt sind. Der Verkauf beider Sparten verbessert die Ertragssituation von Heidelberg signifikant.

Chart 15: Entwicklung in den Regionen

Lassen Sie mich beim Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr abschließend auf die Entwicklung in den einzelnen Regionen eingehen, die sehr unter-schiedlich verlief.

In der für uns wichtigsten Region Europa, in der wir rund 40 Prozent unseres Geschäfts machen, konnten wir erstmals seit drei Jahren wieder mehr Aufträge hereinholen als im Jahr zuvor. Der Auftragseingang stieg um beachtliche 14 Prozent, bei den Umsätzen waren es 7 Prozent.

Die Region Ost-Europa erfüllte nach stürmischen Wachstumsjahren mit einem Plus beim Auftragseingang von 8 Prozent und einer Stagnation beim Umsatz unsere Erwartungen dagegen nur knapp. Der Hauptgrund für das abflauende Geschäft dürfte darin liegen, dass die Kunden in einer Reihe von Ländern den EU-Beitritt vorweggenommen und bereits in den Vorjahren in sehr leistungsfähige Maschinen investiert hatten, sowie der Tatsache, dass in Russland Großinvestitionen ausblieben.

Der nordamerikanische Markt erholt sich nach den hohen Rückgängen der vergangenen Jahre nur zögerlich. Trotz des starken Dollars und der damit verbundenen Wettbewerbsnachteile konnten wir dennoch in der Region Nordamerika unseren Auftragseingang um 4 Prozent steigern; bereinigt um Währungseffekte waren es sogar 10 Prozent. Obwohl die Umsätze im zweiten Halbjahr deutlich zunahmen, blieben sie insgesamt leicht hinter denen des Vorjahres zurück.

In der Region Latein Amerika hat sich die Situation nach Jahren mit schweren politischen und wirtschaftlichen Krisen weiter stabilisiert. Dies machte sich auch bei Heidelberg mit einem um 13 Prozent höheren Auftragseingang bemerkbar; der Umsatz stieg um 5 Prozent.

In der Wachstumsregion Asien/Pazifik konnten wir - trotz der enormen Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro - erneut Marktanteile hinzugewinnen. Dies gilt vor allem für das Boomland China, aber auch für andere wichtige Märkte der Region wie Australien oder Indonesien. Für unser A1-Großformat blieb die Region der wichtigste Markt überhaupt. Währungsbereinigt stiegen der Auftragseingang in der Region um 5, die Umsätze um 8 Prozent.

China
Lassen Sie mich an dieser Stelle einige Worte zu China verlieren und zu den Strategien, die wir dort verfolgen. China, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist weltweit der am stärksten wachsende Markt für Druckmaschinen überhaupt. Die chinesische Volkswirtschaft hat auch 2004 um mehr als 10 Prozent zugelegt und damit ähnlich stark wie in den Jahren zuvor. Etwa in gleichem Umfang wie das Bruttoinlandsprodukt wächst auch der Bedarf an Gedrucktem. Aus diesem Grund sind auch im vergangenen Jahr dort wieder zahllose neue Druckereien entstanden. Ich hatte schon einmal erwähnt und betone es trotzdem noch einmal: Schon heute gibt es in China mehr als zehnmal so viele Druckereien wie in Deutschland.

Voraussichtlich bereits 2007 wird China sogar der größte Einzelmarkt für Druck-maschinen überhaupt sein - das Land bietet also ein erhebliches Potenzial. China ist aber nicht nur eines unserer größten Abnehmerländer. Gerade bei Maschinen für das kleinere Format oder bei Maschinen für die Weiterverarbeitung wachsen dort langsam aber sicher auch kleinere lokale Wettbewerber heran, die über entsprechende Kostenvorteile verfügen. Wir würden damit in diesem Teil des Marktes für Druck- und Weiterverarbeitungsmaschinen langfristig auf dem chinesischen Markt kaum eine Chance haben, wenn wir dort nicht auch produzieren.

Chart 16: Heidelberg baut Standort in China

Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, in der Shanghai Qingpu Industrial Zone einen Fertigungs- und Montagestandort aufzubauen. In dieser Industriezone sind rund 600 ausländische und inländische Unternehmen tätig, überwiegend aus den Bereichen Präzisions-Maschinenbau, Automobilzuliefe-rung, IT, „New Material“ sowie Biotechnologie und Pharma.

Chart 17: Wachstumsmarkt China weiter erschließen

Den Aufbau des neuen Montagestandorts werden wir zunächst mit einem kleinen Kernteam beginnen. Die Fabrik mit einer Fertigungsfläche von 5.000 Quadratmetern und zusätzlich 1.200 Quadratmetern Bürofläche soll bis Anfang 2006 fertig gestellt sein und wird von uns geleast.

Chart 18: Neues Heidelberg Werk in China

Ebenfalls bereits Anfang 2006 werden wir dort zunächst mit der Herstellung vergleichsweise einfacher Falzmaschinen für den chinesischen Markt beginnen. Bereits vorher starten wir mit der Schulung der Mitarbeiter und dem Bau erster Falzmaschinen in einem Übergangsgebäude. So bald wie möglich wollen wir an diesem Standort auch mit der Herstellung von Druckmaschinen im A3-Kleinformat für den chinesischen Markt beginnen.

Das Investitionsvolumen für das Werk in Shanghai liegt bei knapp über 10 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter soll in mehreren Stufen mittelfristig zunächst auf bis zu 200 Beschäftigte aufgebaut werden.

Der Aufbau einer eigenen Produktion in China ist ein wesentlicher Bestandteil unserer strategischen Ausrichtung, Wachstumsmärkte weiter zu erschließen.

Lassen Sie mich zum Abschluss des Rückblicks auf das abgelaufene Geschäfts-jahr auf den Verlauf unseres Aktienkurses eingehen.

Die Entwicklung des Aktienkurses, der zum Geschäftsjahresende am 31. März um 12 Prozent unter dem Wert des Vorjahres lag, stellt uns nicht zufrieden.

Wir sind jedoch zuversichtlich, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, dass die Aktie bei einer weiteren Verbesserung unserer Ertragskraft sowie einer Verbesserung der Rahmenbedingungen ihr Kurspotenzial ausschöpfen wird. Zu diesen Rahmenbedingungen zählen unter anderem ein für die gesamte Wirtschaft dringend benötigtes stärkeres Wachstum in Deutschland und in weiteren großen europäischen Ländern, eine weitere Abschwächung des Euro gegenüber Dollar und Yen sowie ein gebremster Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise.

Tagesordnungspunkte: Dividende, Erwerb eigener Aktien
Nach dem Rückblick auf das abgelaufene Geschäftsjahr und einem Blick auf die Entwicklung der Heidelberg Aktie möchte ich auf zwei Punkte der heutigen Tagesordnung etwas näher eingehen.

In den beiden vergangenen Jahren hatten wir aufgrund der Verlustsituation auf die Ausschüttung einer Dividende verzichten müssen. Wir sind froh, dass die Ertragswende geschafft ist. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der heutigen ordentlichen Hauptversammlung vor, eine Dividende von 30 Cent pro Aktie auszuschütten.

Bezogen auf den Schlusskurs im XETRA-Handel vom 31. März 2005 bedeutet dies eine Dividendenrendite von 1,22 Prozent. Damit liegen wir zwar noch weit entfernt von den Werten, die wir vor Beginn der Krise in der Druckmaschinenbranche erzielen konnten, wir haben jedoch die Voraussetzungen dafür geschaf-fen, in Zukunft unsere Erträge weiter nachhaltig steigern und damit auch die Grundlage für eine höhere Dividende legen zu können.

Ein weiterer Punkt der Tagesordnung ist die Ermächtigung der Gesellschaft zum Erwerb eigener Aktien. Bereits bei der Hauptversammlung vor einem Jahr hatten Sie uns diese Ermächtigung erteilt. Davon Gebrauch gemacht haben wir bisher nicht. Da die Ermächtigung am 31. Dezember 2005 erlischt, soll sie aufgehoben und durch eine neue ersetzt werden.

Der Vorstand der Heidelberger Druckmaschinen AG soll demnach bis zum 31. Dezember 2006 ermächtigt werden, eigene Aktien in einem Umfang von bis zu 10 Prozent des derzeitigen Grundkapitals zu erwerben. Der Erwerb kann über die Börse oder durch ein an alle Aktionäre gerichtetes Angebot erfolgen. Mit dem Erwerb dieser Aktien sollen Vorteile im Interesse des Unternehmens wie auch seiner Aktionäre realisiert werden.

Darüber hinaus soll die Gesellschaft auch die Möglichkeit erhalten, eigene Aktien zur Bedienung der Bezugsrechte im Rahmen ihres Aktien-Optionsprogramms zu bekommen, wie es die Hauptversammlung des Jahres 1999 beschlossen hat.

Strategische Ausrichtung

Meine Damen und Herren, soweit zum Geschäftsjahr 2004/2005.

Mit einem klar definierten Maßnahmenpaket wollen und werden wir die im abge-laufenen Geschäftsjahr geschaffte Ertragswende in diesem Geschäftsjahr stabilisieren und unsere Ertragskraft erneut steigern.

Dabei sehen wir in einigen Bereichen der Printmedien-Industrie zusätzliche Po-tenziale, die dazu beitragen werden, beim Umsatz weiter zu wachsen. Gleichzeitig ist vorgezeichnet, dass wir durch eine weitere Verbesserung und Optimierung unserer Kostenstrukturen die Ertragspotenziale der Heidelberg Gruppe weiter ausschöpfen.

Wie wollen wir dies erreichen? Indem wir uns konsequent fünf Themenfeldern widmen.

Bei der von uns eingeschlagenen Ausrichtung steht die Wertsteigerung der Heidelberg Gruppe im Mittelpunkt.

Nach der Trennung von den Sparten Digital und Web konzen-trieren wir uns auf unser Kerngeschäftsfeld Bogenoffsetdruck sowie Gesamtlösungen für den wachstumsstarken Verpackungs- und Etikettendruck. Beim Bogenoffset haben wir unsere unangefochtene Stellung als Weltmarktführer behauptet: Unser Marktanteil von mehr als 40 Prozent ist noch immer höher als der der drei bedeutendsten Wettbewerber zusammen. Nach wie vor sind wir in der Printmedien-Industrie der international führende Lösungsanbieter. Kein anderer Anbieter kann ein durchgängiges Workflow-Management anbieten, das sämtliche druckspezifische Arbeitsprozesse erfasst und optimiert.

Chart 19: Integrierte Lösungen

Mit unserer Strategie, integrierte Lösungen anzubieten, heben wir uns deutlich von unseren Wettbewerbern ab. Das gilt nicht nur für die gesamte Wertschöp-fungskette von der Drucksvorstufe bis zur Weiterverarbeitung, sondern auch für die Finanzierung der Maschinen sowie für unser internationales Netzwerk von Print Media Acadamies mit ihrem einzigartigen Aus- und Weiterbildungsangebot. Darüber hinaus verfügen wir über das weltweit dichteste Service- und Vertriebsnetz der Branche. Auch diesen Wettbewerbsvorteil wollen wir weiterhin ausbauen.

Wir haben unsere Strukturen schlanker gemacht und unsere Strukturkosten um insgesamt 20 Prozent gesenkt. In Folge dessen konnten wir unsere Kosten-Gewinn-Relation deutlich verbessern.

Mit unseren Produkten und Produktneuerungen setzen wir auf Wachstumsfelder der Branche.

Unser Ziel ist es, unseren Kunden einen Mehrwert zu schaffen, mit dem sie sich erfolgreich im Markt behaupten können. Die Kunden unserer Kunden erwarten unter anderem ein Höchstmaß an Flexibilität, kurze Produktionszeiten, günstige Preise und eine zunehmend stärkere Differenzierung.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bieten wir mit unseren Anwendungs- und Verfahrenstechniken immer mehr maßgeschneiderte Lösungen an. Gerade im vergangenen Geschäftsjahr haben wir zahlreiche kundenspezifische Druckmaschinen entwickelt und installiert.

Herausragendes Beispiel hierfür ist die mit 16 Druck-, Lack- und Trockenwerken längste Bogendruckmaschine der Welt, die wir vor wenigen Monaten in die Vereinigten Staaten geliefert haben. Den unterschiedlichsten Ansprüchen unserer Kunden werden wir auch beim stark wachsenden und weitgehend konjunkturunabhängigen Etiketten- und Verpackungsdruck gerecht. Hier bieten wir speziell für diesen Markt entwickelte Maschinen.

Einen deutlichen Wettbewerbsvorteil verschaffen wir unseren Kunden auch mit unserem ganzheitlichen Workflow-Management-System „Prinect“. Diese Software erfasst und digitalisiert die gesamten druckspezifischen Arbeitsprozesse und trägt so dazu bei, die Produktivität und Rentabilität der Druckereien messbar zu erhöhen. Prinect Lösungen sind modular aufgebaut und eignen sich dadurch sowohl für die Automatisierung der Geschäftsprozesse in Großdruckereien als auch bei mittelständischen und kleineren Betrieben.

Um unseren Kunden jederzeit die Aufrechterhaltung effizienter Betriebsabläufe zu ermöglichen, begleiten wir sie über die gesamte Produktlebensdauer ihrer Heidelberg Maschinen mit unserem Systemservice. Unsere Kunden können von uns erwarten: Hervorragend ausgebildete Servicetechniker, die schnell vor Ort sind. Einen Internet-basierten Remote-Service, mit dem auftauchende Probleme oft schon online behoben werden können. Und schließlich eine Erreichbarkeit und Ersatzteilversorgung rund um die Uhr, die auf weltweit optimale Logistikketten in puncto Schnelligkeit und Zuverlässigkeit setzen.

Weiterhin hohe Investitionen auch in F+E und Ausbildung

Chart 20: Heidelberg Investitionen in den nächsten drei Jahren


Meine Damen und Herren, Heidelberg ist nicht nur Weltmarktführer, sondern auch technologieführend bei Bogenoffsetdruckmaschinen. Um diese Stellung behaupten zu können, werden wir in den kommenden drei Jahren mehr als 500 Millionen Euro in neue Fertigungsanlagen sowie mehr als 600 Millionen Euro in unsere Forschung und Entwicklung investieren. Zusammen mit den Aufwendungen für die Aus- und Weiter-bildung investieren wir damit in den kommenden Jahren rund 10 Prozent des Umsatzes in die Sicherung unserer Zukunft.

Pakt zur Zukunftssicherung geschlossen

Chart 21: Aktivitäten zur Steigerung der Ertragskraft


Meine Damen und Herren, für die nächsten Jahre haben wir eine Reihe von Aktivitäten zur Steigerung der Ertragskraft angestoßen. Dabei stehen die drei Komponenten Maßnahmen zur Umsatzsteigerung, Kostenreduzierung und Reduzierung des gebundenen Kapitals im Vordergrund.

Stichwort Zukunftssicherung und Senkung der Herstellkosten. Nach langen und nicht einfachen Verhandlungen haben wir im April 2005 mit den Vertretern der Arbeitnehmer eine Rahmenvereinbarung zur Zukunftssicherung unseres Unternehmens abgeschlossen. Diese bis ins Jahr 2008 gültige Vereinbarung dient der Beschäftigungssicherung, der Senkung der Personalkosten und der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit an unseren deutschen Standorten.

Im Mittelpunkt steht dabei eine Verlängerung der Arbeitszeit um 5 Prozent ohne Entgeltausgleich, der Wegfall der Vergütungen für Mehrarbeit sowie eine Reduzierung der betrieblichen Sonderzahlungen. Vorstand und leitende Angestellte tragen durch Einkommensverzicht in einem vergleichbaren Umfang ebenfalls zur Senkung der Personalkosten bei. Durch diese Maßnahmen spart Heidelberg bis zum Jahr 2008 ansteigend und ab 2008 nachhaltig jährlich insgesamt rund 100 Millionen Euro an Personalkosten ein.

Meine Damen und Herren, dieser Pakt zur Zukunftssicherung ist nicht einseitig aus der Sicht des Unternehmens zu werten, vielmehr entsteht hieraus eine klassische Win-Win-Situation. Im Gegenzug zu den Zugeständnissen der Arbeitnehmer haben wir zugesagt, bis zum Jahr 2008 keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen zu wollen, keine nennenswerten Produktionsverlagerungen aus Deutschland heraus vorzunehmen sowie unsere Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Aus- und Weiterbildung in gleichem Umfang aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus fließt ein Teil der unentgeltlich geleisteten Arbeitszeit in einen betrieblichen Rentenbaustein für die Mitarbeiter ein.

Ertragspotenziale durch Verbesserung der Herstellkosten und Prozesse

Zusätzlich zu den Einsparungen im Personalbereich werden wir unsere Kostenstrukturen durch das Effizienz-Steigerungs-Projekt „High Performance Production“, kurz HPP 2006, weiter verbessern. Das Projekt läuft seit zwei Jahren und zielt in erster Linie auf die Steigerung der Produktivität in unseren Fertigungsstätten.

Auf der einen Seite reduzieren wir dabei unsere Bestände und verkürzen die Durchlaufzeiten. Auf der anderen können wir schneller und flexibler auf die Bedürfnisse unserer Kunden reagieren. Das HPP-Projekt wird voraussichtlich im kommenden Jahr abgeschlossen sein. Kosten von 9 Millionen Euro stehen nachhaltige Einspareffekte im zweistelligen Millionenbereich gegenüber.

Chart 22: Ausblick Geschäftsjahr 05/06

Für das laufende Geschäftjahr rechnen wir auf vergleichbarer Basis erneut mit einem moderaten Umsatzwachstum. Vor allem im ersten Halbjahr profitieren wir dabei von unserem hohen Auftragsbestand.

Der Start ins neue Geschäftsjahr verlief ordentlich. Die Auftragseingänge in den ersten drei Monaten waren zufriedenstellend. Detaillierte Informationen zum Verlauf des ersten Quartals werden wir am 2. August bekannt geben.

Meine Damen und Herren, bei einem erwarteten moderaten Umsatzwachstum für das Gesamtjahr 2005/06 profitieren wir sowohl von der weiteren Erholung der Branche in den Industrienationen als auch von den anhaltend hohen Wachstumsraten der Volkswirtschaften in den Schwellenländern. Ihnen und hier vor allem China werden wir in den kommenden Jahren unsere besondere Aufmerksamkeit schenken. In den Industrieländern erwarten wir, dass sich mit der Erholung der Branche auch der in den Krisenjahren aufgebaute Investitionsstau auflösen und ein höheres Auftragsvolumen generieren wird.

Heidelberg ist dabei so aufgestellt, dass wir verschiedensten Kunden und in verschiedensten Regionen - egal ob Mittelständler oder Großdrucker, egal ob Industrienation oder Schwellenland - je nach Bedürfnis und Entwicklungsstand die für sie bestmöglichen Lösungen anbieten können. Gerade in den Schwellenländern besitzen wir gute Marktchancen, nicht zuletzt durch unser dicht geknüpftes Vertriebs- und Servicenetz.

Im laufenden Geschäftsjahr werden wir das aktuelle Betriebsergebnis von 167 Millionen Euro und das Nachsteuer-Ergebnis von 61 Millionen Euro übertreffen. Neben den höheren Umsätzen profitieren wir dabei von unseren Maßnahmen zur Effizienzsteigerung sowie der Entkonsolidierung der Verlustbereiche „Digital“ und „Web“. Darüber hinaus wird auch ein Teil der Reduzierung bei den Personalkosten, wie wir sie Ende April vereinbart haben, schon in diesem Jahr wirksam werden. Dämpfend auf das Ergebnis könnte sich allerdings die Entwicklung der Wechselkurse und der Energie- und Rohstoffpreise auswirken.

In den Folgejahren ist es unser erklärtes Ziel, zur alten Ertragsstärke zurückzukehren. Unsere Projekte zur Steigerung des Unternehmenswerts werden hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten.

Von den steigenden Jahresüberschüssen werden auch Sie, unsere Aktionäre, profitieren: Auch künftig werden wir unsere Dividendenzahlungen an den Interessen des Kapitalmarkts ausrichten. Unser Ziel ist es, im laufenden Geschäftsjahr unsere Kapitalkosten zu verdienen und in den Folgejahren eine Rendite zu erzielen, die über den gewichteten Kapitalkosten von 10 Prozent liegt.

Anmoderation Innovationen

Meine Damen und Herren, hierzu waren und sind auch weitere Produktoffensiven notwendig.

Der Wettbewerb in der Druckmaschinenindustrie wird nicht nur über hervorragende Qualität, günstige Preise und guten Service entschieden, sondern in ganz besonderem Maße über Innovationen.

Heidelberg hat auch bei den Innovationen im vergangenen Jahr seine industrieführende Rolle in der Branche erfolgreich verteidigt. Dies konnten wir auch deswegen tun, weil wir in den zurückliegenden schwierigen Jahren unsere Investitionen in die Forschung und Entwicklung und damit in die Zukunft von Heidelberg konsequent aufrechterhalten haben.

Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir fast 200 Millionen Euro oder rund 6 Prozent unseres Umsatzes in die Forschung und Entwicklung investiert. Diese Investitionen haben sich ausgezahlt, wie ein Blick auf unsere vielfältigen Produktneuerungen aus dem drupa Jahr zeigt. Mittlerweile sind die Serienanläufe hochgefahren.

Über die neue Speedmaster XL 105 hatte ich Ihnen ja schon berichtet. Der Serienstart erfolgte zu Beginn des neuen Geschäftsjahres. Hier sind wir mit der Auslastung zufrieden.

Chart 23: Markteinführungen GJ 04/05: Speedmaster CD 74-P

Darüber hinaus haben wir noch eine Reihe weiterer Produkte erfolgreich in den Markt eingeführt.

Einen Produktivitätszuwachs von 15 bis 25 Prozent erzielen Anwender im Vergleich zu herkömmlichen Schön- und Widerdruckmaschinen des Mittelformats mit unserer Speedmaster CD 74-P, die mit einem Wendesystem ausgestattet ist. Sie ermöglicht einen schnellen Wechsel zwischen Papier und Karton sowie zwischen Schöndruck und Wendebetrieb. Zielgruppe für diese Maschine sind Akzidenzbetriebe mit einem breiten Bedruckstoffspektrum sowie Etiketten- und Verpackungsdruckereien, die auch - beispielsweise im Kosmetikbereich - Verpackungen auf der Rückseite bedrucken.

Ab Sommer 2005 liefern wir die Speedmaster CD 74 auch als lange Wendemaschine mit bis zu zehn Druckwerken und zusätzlichem Lackierwerk in Serie aus. Im Herbst dieses Jahres erhält eine englische Druckerei als Sondermaschine eine Speedmaster CD 74 sogar mit zwölf Druckwerken und damit die längste Druckmaschine im Mittelformat.

Chart 24: Postpress Stahlfolder TH/KH

Die Serienproduktion unserer neuen Falzmaschinengeneration Stahlfolder TH/KH ist im September 2004 angelaufen und hat seitdem unsere Marktanteile in diesem Bereich stark wachsen lassen sowie unsere inländische Produktion in Ludwigsburg ausgelastet. Dank ihrer Variantenvielfalt sind die Falzmaschinen sowohl für Druckereien in allen Größen als auch für Weiterverarbeitungsspezialisten geeignet; zudem haben die Kunden damit mehr Möglichkeiten für Differenzierung und Spezialisierung.

Chart 25: Postpress Stitchmaster ST 350

Im November 2004 startete auch die Serienproduktion des Stitchmaster ST 350 - ein wirtschaftlich und flexibel einsetzbarer Sammelhefter für Druckereien und Weiterverarbeitungsspezialisten. Besonders attraktiv ist er durch seine überra-gende Produktionsleistung; er gewährleistet hohe Qualität und Zuverlässigkeit im Prozess bei ausgeprägtem Bedienkomfort. Dieses Produkt stellen wir in Leipzig unter sehr günstigen inländischen Kostenbedingungen her.

Chart 26: Postpress Varimatrix 105 CS

Mit der neuen Bogenstanze Varimatrix 105 CS stellten wir Anfang Mai ein erstes Produkt vor, das aus der Kooperation mit einem taiwanesischen Hersteller resultiert. Dieses Produkt zum Stanzen und Ausbrechen ergänzt unser Lösungsportfolio für den wachsenden Verpackungsmarkt und stellt eine wirtschaftliche Einstiegslösung für Verpackungsdrucker dar.

Bereits auf der drupa 2004 zeigte Heidelberg mit der Bogenstanze Dymatrix 106 CSB eine Maschine für anspruchsvolle Anwendungen. Die Produkt- und Lösungskompetenz sowie die Produktion für diese Maschinen zur Herstellung von Faltschachteln für die Verpackungsindustrie befinden sich am Heidelberg Standort in Mönchengladbach.

Chart 27: Workflow Prinect

Im Bereich der Druckvorstufe und Workflow-Software standen im Berichtsjahr die Neuheiten der Prinect Systemlösungen im Fokus unseres drupa Auftritts und vieler unserer Hausmessen. Das nachhaltige Interesse unserer Kunden zeigt, dass wir mit diesem Ansatz richtig liegen: Die mittlerweile tausendfache Teilnahme von Kunden an unserer ›Prinect Experience Tour‹, bei der Teilnehmer die Entstehung eines virtuellen Druckauftrags Schritt für Schritt durch die komplette Produktion verfolgen können, belegt international das beträchtliche Interesse. Da Prinect - ebenso wie unsere Maschinen - modular aufgebaut ist, können sich auch kleine und mittelgroße Betriebe eine passende Lösung zusammenstellen und diese bei Bedarf später ergänzen. In Kiel befindet sich nach wie vor unser Software-Kompetenzzentrum für die Druckvorstufe. Wir unterhalten hier  keine Produktion mehr.

Meine Damen und Herren, warum zähle ich Ihnen unsere Standorte in Deutschland auf?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch weiterhin an den deutschen Standorten Werte schaffen können, die den Ansprüchen des Kapitalmarktes genügen und Arbeitsplätze in Deutschland erhalten. Denn nur, wenn weiterhin Wertschöpfung in Deutschland betrieben wird, wird es unserem Land auch in Zukunft gut gehen.

Meine Damen und Herren, Innovationen, Produkte, Marktanteile und zufriedene Kunden würde es nicht geben, wenn nicht die Menschen, die Mitarbeiter von Heidelberger Druckmaschinen wären. Ihnen haben wir in den vergangenen Jahren eine Menge aufgebürdet. Sie haben in vorbildlicher Weise flexibel auf diese Herausforderungen reagiert.

Unseren Mitarbeitern möchte ich an dieser Stelle herzlich dafür danken, dass sie gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und unter vielfältigen Beanspruchungen ein sehr hohes Engagement gezeigt haben.

Hierzu zähle ich auch die Arbeitnehmervertreter, deren Vorsitzender, Herr Josef Pitz heute an seiner letzen Hauptversammlung als Aufsichtsratsmitglied teilnimmt. Er tritt in den wohlverdienten Ruhestand, zu dem ich Glück und Gesund-heit wünschen möchte. Seinem Nachfolger im Amt, Herrn Rainer Wagner, wün-sche ich eine glückliche Hand und uns eine gute Zusammenarbeit.

Stellvertretend für alle anderen Heidelberg Mitarbeiter möchte ich aus gegebenem Anlass dem Team danken, das unsere erste Hauptversammlung hier im Mannheimer Rosengarten bestens vorbereitet hat.

Ein herzliches Dankeschön diesem Hauptversammlungs-Team - und vielen Dank auch Ihnen, meine sehr verehrte Damen und Herren, für Ihre Aufmerksamkeit.

Chart 28: Titel HV
Druckversion
   
rtf-Dokument
Falls das Dokument ange-
zeigt wird, wählen Sie bitte 'Speichern unter' aus dem Menüpunkt 'Datei'.  Download (174 KB)
 
  Kontakt   |  Über Uns   |  Karriere   |  Investor Relations   |  Press Lounge   |  Download Center   |  Vertretungen  
Datenschutz    Rechtliche Informationen    Marken    Glossar    Seitenübersicht    Produkte A-Z    Heidelberg Web Access   

© Copyright Heidelberger Druckmaschinen AG