Rund 1,3 Millionen Menschen befinden sich zurzeit deutschlandweit
laut der Bundesagentur für Arbeit in Kurzarbeit. Gerade einmal
20.000 davon haben bisher diese Phase als Möglichkeit zur
Qualifizierung genutzt. Anders das Engagement bei der Heidelberger
Druckmaschinen AG (Heidelberg): So liegen dem Unternehmen bereits
über 7.500 Anmeldungen seiner Mitarbeiter zu einer
Qualifizierungsmaßnahme während der Kurzarbeit vor.
"Aus meiner Sicht gibt es dafür im Wesentlichen zwei
Gründe: Zum einen haben unsere Mitarbeiter ein traditionell
hohes persönliches Interesse am Thema Weiterbildung, zum
anderen sind wir eines der wenigen Unternehmen, die im Thema
"Lernen" einen unternehmerischen Wettbewerbsvorteil
sehen. Dass unsere höchstqualifizierten Mitarbeiter jetzt als
Trainer für ihre Kollegen zur Verfügung stehen, ist einer
der wenigen Vorteile der momentanen Situation", so Dr.
Klaus-Dieter Hohr, Leiter Personalentwicklung bei Heidelberg.
Eine Pilotkooperation mit der renommierten RWTH-Aachen ist
dabei die jüngste Initiative im Rahmen dieses
Qualifizierungsprogramms. So hat für rund 50 Teilnehmer gerade
ein fünftägiges Seminar zum Thema
"Prozessmanagement" begonnen. Professoren der
Universität Aachen vermitteln dabei Führungskräften
und Fachingenieuren ein zertifiziertes Spezialpaket für
Maschinenbauunternehmen. Der Kurs geht insbesondere der Frage nach,
welche Konsequenzen sich aus den veränderten Anforderungen
für Produktionsprozesse, Ressourcen- und Fabrikplanung
ergeben. In einer digital entworfenen Fabrik können
abschließend die Planungsergebnisse simuliert und optimiert
werden.
Die RWTH-Aachen versteht sich nicht nur als Erstausbilder,
sondern will Studienabgänger über ihr gesamtes
Berufsleben mit Angeboten zur Weiterqualifizierung begleiten. Dies
ist umso wichtiger, da Untersuchungen zeigen, dass
Studienabgänger bereits nach drei Jahren rund 70 Prozent ihres
im Studium erworbenen Wissens nicht mehr abrufen können.
Die momentane Situation der Kurzarbeit in vielen Unternehmen
sollte daher zur intensiven Qualifizierung der Mitarbeiter genutzt
werden. Die Kooperation mit Heidelberger Druckmaschinen kann somit
als positives Vorbild für viele andere Unternehmen dienen, so
Prof. Dr. Dr. Eversheim, Professor Emeritus des Lehrstuhls für
Produktionssystematik am Werkzeugmaschinenlabor der RWTH-Aachen.
"Die Kooperation mit der RWTH Aachen bietet die
Möglichkeit, gerade unsere internen Know-how-Träger auf
Top-Niveau weiter zu qualifizieren und zwar in einer Tiefe, die
unter normalen Umständen nicht möglich wäre",
so Hohr.
Insgesamt ist Heidelberg in der Lage, über 80 Prozent
der angebotenen Maßnahmen aus eigener Kraft zu stemmen. So
übernehmen interne Wissensträger aus den
unterschiedlichsten Bereichen des Unternehmens, denen im
Normalbetrieb dazu die Zeit fehlt, die Funktion eines Trainers.
Dabei trägt die Arbeitsagentur die Personalkosten des internen
Trainers zu 60 Prozent. Knapp 20 Prozent der Trainings finden mit
externer Unterstützung statt. Die angebotenen Maßnahmen
richten sich praktisch an die gesamte Belegschaft und gliedern sich
in Fach-, Methoden- und DV-Trainings sowie in Kurse zu den Themen
Management und Führung. Die Dauer variiert zwischen einem und
fünf Tagen.
"Mit dieser Qualifizierungsoffensive rüstet
Heidelberg seine Mitarbeiter für die Zeit nach der Krise.
Gleichzeitig sorgt das Unternehmen dafür, dass die Motivation
der Belegschaft auch in der momentan schwierigen Situation
möglichst hoch bleibt", so Hohr weiter.
Bild:
Professor Dr. Dr. Walter Eversheim, Professor Emeritus des
Lehrstuhls für Produktionssystematik am Werkzeugmaschinenlabor
der RWTH-Aachen sowie Dr. Klaus-Dieter Hohr, Leiter
Personalentwicklung bei Heidelberg, eröffnen im Rahmen einer
Pilotkooperation gemeinsam für 50 Teilnehmer das erste Seminar
mit der RWTH-Aachen.
Weitere Informationen für Journalisten:
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