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Der Mann fürs Edle

Der Österreicher Robert Sackl-Kahr Sagostin ist nicht nur ein renommierter Fotograf, Designer und Grafiker, sondern auch ein passionierter Drucker. Ein preisgekrönter Perfektionist, der das Handwerk mit Akribie und Lust am Experimentieren zelebriert und bei dessen Arbeiten man nicht genau weiß, ob es nun Druck oder Kunst oder beides ist.

Herr Sackl-Kahr Sagostin, Sie sind ein gefragter Fotograf und Grafiker, unter anderem haben Sie Briefmarken für das marokkanische Königshaus entworfen, und ihre Polaroid-Arbeiten werden in internationalen Galerien gezeigt. Was reizt Sie denn am Drucken?

Sackl-Kahr Sagostin: Mit geht es um die Einheit von Kunst und Druck: Die Druckkunst soll zum Kunstdruck werden und sich als gedruckte Kunst anschauen und begreifen lassen. Ich will begeistern und Neugierde wecken. Deshalb experimentiere ich sehr viel mit Farben und Bedruckstoffen und versuche, alles auszureizen, was irgendwie mit Drucken zu tun hat. Beispielsweise arbeite ich auch mit Glas, Metall, Stein oder Holz. So drucke ich schon einmal eine Einladung oder eine Grafik auf dünne Holzplatten, allerdings mit Hilfe einer Gummiwalze, oder ich fräse typografische Elemente aus Metall oder Holz heraus.

Wie reagieren Ihre Kunden?

Sackl-Kahr Sagostin:
Es gibt viele Kunden, die etwas Außergewöhnliches wollen. Wichtig dabei ist, die Materialien und Verarbeitung so zu wählen, dass sich der Auftraggeber in dem Produkt wiederfindet. Gelingt dies, akzeptiert er auch die Verwendung erlesener und damit teurer Materialien. Und diese Arbeit wird auch vom Endkunden honoriert: So ist es sehr beglückend, wenn ich bei Firmen Drucksachen entdecke, die ich vor 25 Jahren gefertigt habe.

Sie ziehen viele Ihrer Projekte alleine durch. Warum?

Sackl-Kahr Sagostin:
Weil ich so alles steuern kann, vom Design über die Lithografie bis hin zum Offsetdruck. Das Probieren und Konzipieren war schon immer sehr lustvoll und wichtig für mich. Daher habe ich mein Kunststudium auch in Italien absolviert. Denn dort konnte ich in Meisterateliers lernen, wie man Bleilettern gießt, Büttenpapier herstellt, Glas bläst oder im Buch- und Offsetdruck fertigt. Dieses handwerkliche Rüstzeug ist noch heute mein Basiskapital. Kleinere Auflagen bis 500 Stück fertige ich bevorzugt mit Hilfe klassischer Geräte, etwa einem Originalzylinder (56 x 77) von Heidelberg. Vieles mache ich per Hand - wie die Herstellung der Clichés aus Magnesium-, Blei- und Messinggravuren.

Was macht eine erstklassige handwerkliche Umsetzung aus?

Sackl-Kahr Sagostin:
Sorgfalt und Spezialistentum. Das fängt beim Papier an, das ich wegen der erlesenen Rohstoffe bevorzugt von der Büttenpapierfabrik Gmund am Tegernsee beziehe. Für das Color-Management erstellt Wolfgang Croce aus Mantscha bei Graz eine eigene Kalibration für jede Grammatur, Oberfläche, Prägung, Papierfärbung. Thaler-Druck in Graz wiederum fertigt für jedes Produkt eine Originalprobe mit verschiedenen Papiersorten und Grammaturen an. An Thaler-Druck gebe ich alle Aufträge in höheren Auflagen, beispielsweise exklusive Kunstbücher. Die Firma ist mit zwei Sechs- und mehreren Fünffarbmaschinen von Heidelberg technisch exzellent ausgestattet. Gedruckt wird meist im Hybridraster. Veredelt wird mit Tiegeln von Heidelberg - etwa für die Goldheißprägung oder Blindprägung - oder mit Handtiegeln für Spezialaufträge, etwa mit handgeschöpftem Bütten.

Ist ein künstlerisches Verständnis seitens der Druckereien erforderlich?

Sackl-Kahr Sagostin:
Es ist unumgänglich und vor allem bei älteren Druckern äußerst ausgeprägt. Leider wurden viele dieser "Professionisten" mittlerweile wegrationalisiert. Ich habe das Glück, bei Thaler-Druck noch mit solchen Könnern zusammenzuarbeiten. Sie wissen, was funktioniert: wie beispielsweise Stoffe miteinander reagieren oder wie sich Effekte am besten erzeugen lassen. Ohne diese Expertise könnte ich meine Projekte nicht verwirklichen, zumal ich viel experimentiere, etwa Sieb-, Digital- oder Offsetdruck durchprobiere und oft 16-farbig mit Sonderfarben arbeite. Trotzdem fällt kaum Makulatur an.
Wo sehen Sie Potenzial bei Druckereien, sich vom Wettbewerb abzusetzen?

Sackl-Kahr Sagostin:
Als Spezialist, beispielsweise für Handarbeit im gehobenen Segment, und mit einer überschaubaren Betriebsgröße wird man sich immer behaupten. Denn Kunden, die bleigesetzte Einladungen, handgerissenes Bütten und eine erstklassige Buchbindung aus erlesenen Materialien wollen, gibt es sehr, sehr viele!



Druckbeispiel 2+3

Einladung zur Eröffnung des Eiffelturm-Restaurants in Paris 2006, einschließlich Eintrittskarte.
Papier: Vice Versa (Gmund) 300g /qm
Druck: 7-farbig + 2 Drucklacke
Veredelung: Heiß- und Blindprägung

Einladung für das Theaterstück König der Briganden in Marrakesch (Marokko), für das Robert Sackl-Kahr Sagostin auch das Bühnenbild gestaltet hat, sowie ein Viererblatt der von ihm entworfenen Briefmarken.
Papier: Alezan Caméloen Cult (Gmund) 300g /qm
Druck:11-farbig + 3 Drucklacke
Veredelung: Heiß- und Blindprägung

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