Ottmar Mergenthaler war der Erfinder der
"line-of-types"
Er reparierte als Kind bereits Kirchturm- uhren und galt
später als der erfolgreiche Bastler und Tüftler aus dem
Württember- gischen: Ottmar Mergenthaler, Erfinder der
mechanischen Setzmaschine Linotype. Sein Geburtstag jährt sich
am 11. Mai dieses Jahres zum 150. Mal. Mergenthaler hat mit seiner
Erfindung im 19. Jahrhundert die Voraussetzung für schnellere
Druckprozesse geschaffen und legte zudem den Grundstein für
das spätere Unternehmen "Linotype", das 1997 von der
Heidelberger Druckmaschinen AG übernommen wurde.
Mergenthaler wurde am 11. Mai 1854 in dem kleinen Dorf
Hachtel bei Bad Mergentheim im Württembergischen geboren -
mitten in die fortschreitende Industrialisierung hinein. Um diese
Zeit fuhren durch einige deutsche Landschaften schon die ersten
Eisenbahnen. Ottmars Kindheit bestand aus Schule und Arbeit in Haus
und Hof. Pfiffig und vielseitig interessiert, schafft er es unter
anderem, die defekte Kirchturmuhr in Ensingen wieder in Gang zu
setzen - ein frühes Zeichen für sein handwerkliches
Geschick. Der Besuch einer weiterführenden Schule blieb
aufgrund der Geldknappheit nur seinen beiden älteren
Brüdern vergönnt. Der Wunsch, als Maschinenbauer oder
"Verfertiger mathematischer Instrumente" ausgebildet zu
werden, blieb unerfüllt. Stattdessen absolvierte er in
Bietigheim bei seinem Onkel Louis Hahl und dessen Sohn Theodor eine
Uhrmacherlehre - ein Glücksfall wie sich im Rückblick
zeigt. Die drohende Arbeitslosigkeit im eigenen Lande und
verwandtschaftliche Beziehungen nach Amerika brachten den erst
18-jährigen über den Großen Teich, und dort wurde er
gleich mit dem industriellen Aufschwung konfrontiert, speziell in
der Druckbranche. Die Zahl der Neuerscheinungen und die Auflagen
von Publikationen erhöhten sich stetig, Zeitungen und
Zeitschriften nahmen an Umfang zu. Größere Leselust war
allenthalben zu verspüren und die drucktechnischen Neuerungen,
wie beispielsweise Friedrich Koenigs "Schnellpresse",
waren längst auf dem Markt. Nachholbedarf gab es indes in der
"Vorstufe", dem Ablauf beim Setzen.
1876 kam Ottmar Mergenthaler durch den Erfinder Charles T.
Moore mit dem Druckgewerbe in Berührung. Die Idee, den
Handsatz zu mechanisieren, ließ ihn daraufhin nicht mehr los.
Erste aufwendige Versuche schlugen fehl. Nicht mutlos geworden,
gründete Mergenthaler1882 eine eigene Firma in Baltimore.
Zunächst verschwendete er keine Idee an eine Typensetzma-
schine. Vielmehr wollte er eine Art Stabsatz- und Gießmaschine
mit Matrizenstangen entwickeln. Diese stellte er 1884 im kleinen
Kreis vor - dies war quasi die Geburtsstunde der Setzmaschine.
Patentprobleme und damit verbundene Streitigkeiten warfen ihn
zunächst zurück. Aber mit Beharr- lichkeit und Ehrgeiz
verfolgte er weiter sein Ziel, überzeugte Geldgeber und
führte an dem denkwürdigen 3. Juli 1886 die mit Druckluft
arbeitende "Blower" als erste Maschine mit freiem
Matrizenlauf vor. Zu dieser Zeit entstand auch der legendäre
Ausruf des Verlegers der New York Tribute, Whitelaw Reid, als er
mit der neuen Technik konfrontiert wurde: "A line of
types!" Daraus entsteht dann der Maschinen- und spätere
Firmenname "Linotype". Besser als Reids kurzer Ausspruch
ist denn auch die Satztechnik-Revolution Mergenthalers kaum zu
beschreiben. Bleigegossene Buchstaben in einer
zusammenhängenden Reihe, und damit konnten anfänglich bis
zu 7.000 Schriftzeichen in der Stunde gesetzt werden.
Noch gab es allerdings Kinderkrankheiten. Ungeduld verbunden
mit Ehrgeiz bei Mergenthaler führten dazu, dass er 1889 eine
eigene Fabrik baute. Dort entstand auch die Setzmaschine Simplex.
Diese Baureihe kam 1894 schließlich nach Deutschland.
Am 28. Oktober 1899 stirbt Mergenthaler, erst 45 Jahre alt,
in Baltimore an Tuberkulose. Mit seinem Engagement und seinen
Erfindungen reiht sich Mergenthaler in die Zeitschiene der
Drucktechnik als wichtige Person ein. Was Gutenberg begann, hat
Mergenthaler fortgeführt. Er war Bindeglied zwischen Handwerk
und Computer. Im Jahre 1949 standen 110.000 Blei- setzmaschinen als
geballte Macht den damals nur drei Fotosetzmaschinen
gegenüber. Bei der ersten drupa im Jahre 1951 konnten
fünf Linotype-Modelle begutachtet werden. Die
Weiterentwicklung indes war nicht aufzuhalten und ist mit den
Computer-to-Plate-Systemen der heutigen Zeit sicher noch
längst nicht zu Ende.
Noch heute sind die Spuren Ottmar Mergenthalers
allgegenwärtig. Der Name seiner berühmten Maschinen setzt
sich in der Linotype Library, einem Tochterunternehmen der
Heidelberger Druckmaschinen AG, fort.
Bild:
Ottmar Mergenthaler, der Erfinder der mechanischen
Setzmaschine
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