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150. Geburtstag eines genialen Bastlers und Tüftlers

05.05.2004


Ottmar Mergenthaler war der Erfinder der "line-of-types"

Er reparierte als Kind bereits Kirchturm- uhren und galt später als der erfolgreiche Bastler und Tüftler aus dem Württember- gischen: Ottmar Mergenthaler, Erfinder der mechanischen Setzmaschine Linotype. Sein Geburtstag jährt sich am 11. Mai dieses Jahres zum 150. Mal. Mergenthaler hat mit seiner Erfindung im 19. Jahrhundert die Voraussetzung für schnellere Druckprozesse geschaffen und legte zudem den Grundstein für das spätere Unternehmen "Linotype", das 1997 von der Heidelberger Druckmaschinen AG übernommen wurde.

Mergenthaler wurde am 11. Mai 1854 in dem kleinen Dorf Hachtel bei Bad Mergentheim im Württembergischen geboren - mitten in die fortschreitende Industrialisierung hinein. Um diese Zeit fuhren durch einige deutsche Landschaften schon die ersten Eisenbahnen. Ottmars Kindheit bestand aus Schule und Arbeit in Haus und Hof. Pfiffig und vielseitig interessiert, schafft er es unter anderem, die defekte Kirchturmuhr in Ensingen wieder in Gang zu setzen - ein frühes Zeichen für sein handwerkliches Geschick. Der Besuch einer weiterführenden Schule blieb aufgrund der Geldknappheit nur seinen beiden älteren Brüdern vergönnt. Der Wunsch, als Maschinenbauer oder "Verfertiger mathematischer Instrumente" ausgebildet zu werden, blieb unerfüllt. Stattdessen absolvierte er in Bietigheim bei seinem Onkel Louis Hahl und dessen Sohn Theodor eine Uhrmacherlehre - ein Glücksfall wie sich im Rückblick zeigt. Die drohende Arbeitslosigkeit im eigenen Lande und verwandtschaftliche Beziehungen nach Amerika brachten den erst 18-jährigen über den Großen Teich, und dort wurde er gleich mit dem industriellen Aufschwung konfrontiert, speziell in der Druckbranche. Die Zahl der Neuerscheinungen und die Auflagen von Publikationen erhöhten sich stetig, Zeitungen und Zeitschriften nahmen an Umfang zu. Größere Leselust war allenthalben zu verspüren und die drucktechnischen Neuerungen, wie beispielsweise Friedrich Koenigs "Schnellpresse", waren längst auf dem Markt. Nachholbedarf gab es indes in der "Vorstufe", dem Ablauf beim Setzen.

1876 kam Ottmar Mergenthaler durch den Erfinder Charles T. Moore mit dem Druckgewerbe in Berührung. Die Idee, den Handsatz zu mechanisieren, ließ ihn daraufhin nicht mehr los. Erste aufwendige Versuche schlugen fehl. Nicht mutlos geworden, gründete Mergenthaler1882 eine eigene Firma in Baltimore. Zunächst verschwendete er keine Idee an eine Typensetzma- schine. Vielmehr wollte er eine Art Stabsatz- und Gießmaschine mit Matrizenstangen entwickeln. Diese stellte er 1884 im kleinen Kreis vor - dies war quasi die Geburtsstunde der Setzmaschine. Patentprobleme und damit verbundene Streitigkeiten warfen ihn zunächst zurück. Aber mit Beharr- lichkeit und Ehrgeiz verfolgte er weiter sein Ziel, überzeugte Geldgeber und führte an dem denkwürdigen 3. Juli 1886 die mit Druckluft arbeitende "Blower" als erste Maschine mit freiem Matrizenlauf vor. Zu dieser Zeit entstand auch der legendäre Ausruf des Verlegers der New York Tribute, Whitelaw Reid, als er mit der neuen Technik konfrontiert wurde: "A line of types!" Daraus entsteht dann der Maschinen- und spätere Firmenname "Linotype". Besser als Reids kurzer Ausspruch ist denn auch die Satztechnik-Revolution Mergenthalers kaum zu beschreiben. Bleigegossene Buchstaben in einer zusammenhängenden Reihe, und damit konnten anfänglich bis zu 7.000 Schriftzeichen in der Stunde gesetzt werden.

Noch gab es allerdings Kinderkrankheiten. Ungeduld verbunden mit Ehrgeiz bei Mergenthaler führten dazu, dass er 1889 eine eigene Fabrik baute. Dort entstand auch die Setzmaschine Simplex. Diese Baureihe kam 1894 schließlich nach Deutschland.

Am 28. Oktober 1899 stirbt Mergenthaler, erst 45 Jahre alt, in Baltimore an Tuberkulose. Mit seinem Engagement und seinen Erfindungen reiht sich Mergenthaler in die Zeitschiene der Drucktechnik als wichtige Person ein. Was Gutenberg begann, hat Mergenthaler fortgeführt. Er war Bindeglied zwischen Handwerk und Computer. Im Jahre 1949 standen 110.000 Blei- setzmaschinen als geballte Macht den damals nur drei Fotosetzmaschinen gegenüber. Bei der ersten drupa im Jahre 1951 konnten fünf Linotype-Modelle begutachtet werden. Die Weiterentwicklung indes war nicht aufzuhalten und ist mit den Computer-to-Plate-Systemen der heutigen Zeit sicher noch längst nicht zu Ende.

Noch heute sind die Spuren Ottmar Mergenthalers allgegenwärtig. Der Name seiner berühmten Maschinen setzt sich in der Linotype Library, einem Tochterunternehmen der Heidelberger Druckmaschinen AG, fort.

Bild:
Ottmar Mergenthaler, der Erfinder der mechanischen Setzmaschine

Für weitere Informationen
Heidelberger Druckmaschinen AG
Unternehmenskommunikation
Hans-Dieter Siegfried
Tel.: +49 (0)6221 92 50 63
Fax: +49 (0)6221 92 50 46
E-Mail: hans-dieter.siegfried@heidelberg.com

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