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Bilanzpressekonferenz - Statement Bernhard Schreier

13.06.2007


Statement Bernhard Schreier, Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG anlässlich der Bilanzpressekonferenz am 13. Juni 2007

Es gilt das gesprochene Wort

Begrüßung

Highlights Geschäftsjahr 2006/2007

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

das abgelaufene Geschäftsjahr 2006/2007 war bezüglich der konjunkturellen Entwicklung, des Branchenverlaufs und der Ergebnisse von Heidelberg ein gutes Jahr.

Die Kapazitätsauslastung der Druckereien in den Industrieländern ist weiter gestiegen. Erfreulicherweise hat sich der Aufwärtstrend in den USA und nicht zuletzt auch in Deutschland fortgesetzt. In den Schwellenländern wächst der Bedarf an Gedrucktem weiterhin rapide an.

Diese Entwicklung schlägt sich in unserem diesjährigen Zahlenwerk nieder.

  • Im vierten Jahr in Folge konnten wir mit marktgerechten und innovativen Lösungen und Produkten den Aufschwung der Weltkonjunktur und den Aufwärtstrend der Branche nutzen.
  • Wir haben trotz ungünstiger Wechselkursentwicklungen unsere anspruchsvollen Zielstellungen erreicht, in einigen Aspekten sogar übertroffen.
  • Über mehr als drei Geschäftsperioden in Folge ist unser Auftragsvolumen stetig angestiegen. Mit 3,853 Milliarden Euro lagen wir im Berichtszeitraum rund sieben Prozent über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig ist dies ein gutes Signal für das am 1. April 2007 neu angelaufene Geschäftsjahr.
  • Der Umsatz stieg insgesamt um sechs Prozent auf 3,803 Milliarden Euro an. In jedem Quartal des letzten Geschäftsjahres haben wir den jeweiligen Vorjahreswert übertroffen. Allein das vierte Quartal war auf vergleichbarer Basis mit über 1,2 Milliarden Euro das umsatzstärkste der vergangenen fünf Jahre.
  • Getragen durch das hohe Umsatzvolumen betrug die Auftragsreichweite am 31. März 2007 über drei Monate. Damit ist bereits eine gute Auslastung unserer Kapazitäten für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahrs gesichert.
  • Wir erzielten im Berichtszeitraum - inklusive Einmaleffekten - ein betriebliches Ergebnis von 362 Millionen Euro. Das sind 9,5 Prozent vom Umsatz, auf die wir als Maschinenbauer stolz sind. Damit lagen wir nahe an den angestrebten zehn Prozent.
  • Den Jahresüberschuss konnten wir - inklusive einmaliger Steuereffekte - auf 263 Millionen Euro kräftig verbessern. Damit haben wir die Ertragslage und den Wert der Heidelberg Gruppe - bezogen auf das eingesetzte Kapital - weiter gesteigert.
  • Die erneut verbesserte Ertragssituation wirkt sich positiv für die Heidelberg Aktionäre aus. Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung am 26. Juli vorschlagen, eine Dividende in Höhe von 0,95 Euro pro Aktie für das Geschäftsjahr 2006/2007 auszuschütten, nach 0,65 Euro im Vorjahr.
Meine Damen und Herren,

das abgelaufene Geschäftsjahr belegt, dass wir unsere führende Stellung im Markt für Bogenoffsetdruckmaschinen behaupten und in Teilen sogar ausbauen konnten.

Wir haben in allen für uns relevanten Bereichen des Unternehmens Fortschritte erzielen können. Wir haben weitere technologische Neuerungen vorgestellt, die Kosten gesenkt, Bestände- und Vermögensmanagement verbessert und Umsatz und Gewinn gesteigert.

Die Marktentwicklung bestätigt unsere vor drei Jahren eingeschlagene strategische Ausrichtung, kundengerechte Lösungen und Produkte für den Bereich rund um die Wertschöpfungskette von Bogenoffsetdruckmaschinen anzubieten.

Dabei entwickeln sich die Rahmenbedingungen und das Marktumfeld derzeit weiterhin günstig. Gleichzeitig haben wir zukunftsweisende Projekte auf den Weg gebracht und treiben diese mit Blick auf die drupa in Düsseldorf Ende Mai 2008 voran.

Rahmenbedingungen und Marktumfeld

Meine Damen und Herren,

die Umsätze unserer Branche hängen direkt von der Investitionsbereitschaft unserer Kunden, der Druckdienstleister, ab. Die Investitionsbereitschaft wird wiederum hauptsächlich vom momentanen und erwarteten Wirtschaftswachstum bestimmt. Und hierbei sieht es weiterhin recht gut aus.

Wir erwarten, dass die Weltwirtschaft auch im Kalenderjahr 2007 hohe Zuwachsraten erzielt. Die Wachstumsprognosen von Instituten und Banken für das Jahr 2007 liegen bei rund fünf Prozent.
Die Konjunktur wird das Geschäft unserer Kunden weiter beleben. Wir gehen davon aus, dass die Wachstumsphase der Weltwirtschaft auch mittelfristig anhalten wird und somit die Druckvolumina ebenfalls weiterhin moderat wachsen werden.

Überdurchschnittlich stark wird das gedruckte Volumen pro Jahr in den Schwellenländern zunehmen, auch, weil der Sättigungsgrad mit Druckprodukten in diesen schnell wachsenden Volkswirtschaften noch sehr niedrig ist.

Insbesondere die chinesische und die indische Druckindustrie werden ihren Anteil an der weltweiten Produktion mit Wachstumsraten von über acht Prozent spürbar erhöhen. Druckereien in diesen Märkten müssen ihre Kapazitäten erweitern, als Folge werden in den nächsten Jahren gerade im asiatischen Raum weiterhin viele neue Druckereien entstehen.

Aber auch wegen der grundsätzlichen Wiedereinsetzung der Einfuhrzollbefreiung in China ab dem 1. März 2007 ist davon auszugehen, dass sich die Bestell- und Ausliefersituation für den chinesischen Markt im laufenden Geschäftsjahr 2007/2008 Schritt für Schritt wieder normalisieren wird.

In den Industrieländern wird der Rationalisierungsbedarf - der durch höhere Preise für Papier und Energie sowie höhere Personalkosten verschärft werden wird - zu Ersatzinvestitionen bei den Druckereien führen.

Vor allem in Deutschland und in den USA wird die Printmedien-Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Investitionen sichern. Dieser Trend ist auch im neuen Geschäftsjahr weiter zu beobachten. Dass die Kapazitätsauslastung der Branche stabil auf hohem Niveau bleiben wird, wird die künftige Investitionsbereitschaft weiter stützen.

Dabei gilt es, die Geschäftsmodelle ständig an die neuen Marktanforderungen anzupassen. Vor allem an die fortschreitende Digitalisierung, die zunehmende Konzentration und die wachsende Internationalisierung.

Meine Damen und Herren,

nach wie vor gilt es, die Wechselkursentwicklungen genau zu beobachten. In den letzten fünf Jahren wurde der Euro im Vergleich zum US-Dollar um über 50 Prozent und im Vergleich zum japanischen Yen um 35 Prozent aufgewertet - eine Umkehrung dieses Trends ist im Kalenderjahr 2007 nicht abzusehen. Unsere Marktstellung konnten wir trotzdem in den Bereichen des Bogenoffsetdrucks und der Weiterverarbeitung in allen Regionen weiter festigen.

Strategische Aktivitäten

Meine Damen und Herren,

wir haben im Geschäftsjahr 2006/2007 die Heidelberg Gruppe bezüglich ihrer Innovationen, Effizienz, Prozesse und Investitionen in die Zukunft wieder ein gutes Stück vorangebracht.

Thema Innovationen:

Im Berichtsjahr investierten wir rund sechs Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung von neuen Maschinen und Systemen, die Softwareentwicklung und in die Pflege der technischen Weiterentwicklung unseres Produktportfolios. Ein Merkmal für die Leistung in diesem Bereich ist die Anzahl angemeldeter Patente. In 2006/2007 konnten wir 153 neue Erfindungen - vornehmlich aus den Bereichen Druck und Weiterverarbeitung - zum Patent anmelden und unser hohes Niveau aus den Vorjahren bestätigen. Insgesamt verfügte Heidelberg zum 31. März 2007 über 5.200 angemeldete und erteilte Patente auf der ganzen Welt - das ist vergleichbar mehr als jeder andere Wettbewerber in unserer Branche.

Unser Ziel ist es, viele unserer Ideen in kundengerechte Produkte umzusetzen.
Zum Start des abgelaufenen Geschäftsjahres konnten wir im April 2006 auf der Fachmesse Ipex in Großbritannien mit über 20 Neuheiten aus den Bereichen der Druckvorstufe, des Drucks und der Weiterverarbeitung im Vergleich zum Wettbewerb unsere führende Stellung als Lösungsanbieter belegen. Im Vordergrund stand dabei vor allem die Steigerung der Produktivität unserer Kunden.

Hervorheben möchte ich hierbei das farbzonenlose Farbwerk Anicolor: Mit ihm können Offsetdruckereien Kleinstauflagen mit deutlich besseren Gewinnspannen produzieren. Anicolor reduziert die Anlaufmakulatur um bis zu 90 Prozent, im Kurzauflagensektor ist durch extrem kurze Rüstzeiten eine um bis zu 50 Prozent höhere Kapazität möglich.

Unsere Druckmaschine der Höchstleistungsklasse, die Speedmaster XL 105, beweist in der Praxis, dass sie eine um 30 Prozent höhere Leistung als Vergleichsmodelle erreicht, in Einzelfällen sogar mehr. Ein Bestellvolumen von über 400 Millionen Euro für diesen Maschinentyp weist aus, wie positiv unsere neu entwickelte Maschine vom Markt angenommen wird.

Mit neuen Druckmaschinen in einem größeren Format wollen wir den  Verpackungsdruckmarkt stärker durchdringen. Zur Branchenmesse drupa 2008 in Düsseldorf werden wir mit der Speedmaster XL 145 und XL 162 eine neue Maschinengeneration vorstellen. Der erste Andruck dieser Maschinen im Dezember 2006 war im Zeitplan und in der Abdruckqualität vielversprechend. In ausführlichen Marktprüfungen hat sich herausgestellt, dass eine um drei Zentimeter verbreiterte Maschine - also statt 142 Zentimeter jetzt 145 Zentimeter - weitere überproportionale Produktivitäts- und Flexibilitätsreserven eröffnet. Wir treten also zur drupa jetzt mit der Speedmaster XL 145 und XL 162 an. Zudem entwickeln wir einen Plattenbelichter für dieses größere Format. So werden wir noch stärker in den Markt des Verpackungsdrucks vorstoßen. Unsere Produkte werden eine Reihe innovativer Lösungen aufweisen, mittels derer wir das am schnellsten wachsende Segment im Bereich des Bogenoffsetdrucks gut bedienen können. All das wird uns zukünftig Wettbewerbsvorteile erschließen.

Thema Effizienz und Prozesse:

Meine Damen und Herren,

es ist unser Ziel, die Auswirkungen künftiger konjunktureller Schwächeperioden auf das Geschäft der Heidelberg Gruppe noch besser abzufedern.

Dazu reduzieren wir unsere Herstellkosten - nicht zuletzt durch die jüngst fortgeschriebene Vereinbarung zur Zukunftssicherung bis 2012, die im Kern Arbeitszeitverlängerung und Arbeitsplatzsicherheit neu regelte und zudem die Einführung des Entgeltrahmentarifvertrages festlegte.

Zudem setzen wir weiterhin - auch angesichts unserer hohen installierten Basis in aller Welt - auf eine regionale Streuung und bauen unsere relativ konjunkturunabhängigen Geschäftsfelder mit Nachdruck weiter aus: Den Umsatz im Verpackungsdruckbereich und in dem von uns sogenannten 3S-Geschäftsfeld bestehend aus  Service, Ersatzteilversorgung und Verbrauchsmaterialien wollen wir gezielt ausbauen. Konkret wollen wir mittelfristig mit unseren Produkten und Dienstleistungen im 3-S-Geschäftsfeld rund ein Viertel des Gesamtumsatzes erzielen. Technologisch sind wir hierbei auf einem guten Weg, Heidelberg ist beim Ausbau und der Nutzung von "Remote Service Technologien" zur Fernwartung von Sofwarelösungen und Maschinen weltweit eines der führenden Unternehmen.   

Bei der Einführung unseres Heidelberg Produktionssystems lassen sich messbare Fortschritte erkennen. So konnten wir die Produktivität an unseren Standorten um rund fünf Prozent steigern. Dies entspricht einem zweistelligen Millionen Euro Betrag pro Jahr.

Thema Investitionen:

Meine Damen und Herren,

wir investieren mit Blick auf den Kundennutzen vor allem in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter, in neue Produkte und in unsere Standorte.

Gestützt durch einen soliden Auftragsbestand und starke Auftragseingänge fahren wir zurzeit mit einer hohen Kapazitätsauslastung. Dies hatte im vergangenen Geschäftsjahr zur Folge, dass wir ca. 580 Mitarbeiter neu eingestellt haben, vorrangig in der deutschen Produktion. Die übrigen Zuwächse kamen aus Erstkonsolidierungen.

Ein weiterer Aufbau des Personals hängt vom Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung ab - ist aber nicht auszuschließen. Selektiv stellen wir weiter ein.

Die vorher aufgezeigten neuen Technologien und Produkte bedingen auch die Investition in erweiterte oder neue Fertigungskapazitäten an unseren Standorten.

Im September dieses Jahres werden wir für unsere neue Druckmaschinenbaureihe im ganz großen Format die Halle 11 mit 35.000 Quadratmetern zum 50-jährigen Bestehen des Standortes Wiesloch-Walldorf einweihen. Gleich im Anschluss daran folgen der Aufbau der Produktion und die Montage als Vorbereitung zur offiziellen Vorstellung der Maschinen Ende Mai 2008 in Düsseldorf.  

An unserem Standort in Qingpu in China wird im Sommer eine zweite Montagehalle mit rund 11.000 Quadratmetern fertig und verdreifacht damit unsere Kapazitäten vor Ort auf rund 16.000 Quadratmeter.

Nach mehr als einem Jahr Produktionserfahrung in China lässt sich zusammenfassend sagen, dass der Start erfolgreich war. Die Qualität der dort hergestellten Produkte ist in Ordnung und wird vom Markt in China  angenommen. Den Absatz in dem Marktsegment unserer speziell für den lokalen Markt montierten Falzmaschinen konnten wir im abgelaufenen Geschäftsjahr mit über 100 Maschinen etwa verdreifachen.

Derzeit laufen die ersten kleinformatigen Druckmaschinen vom Band. Die Vorbereitungen für die Montage einer Druckmaschine im nächst größeren Format für den chinesischen Markt laufen.

Meine Damen und Herren,

aus heutiger Sicht stellen die externen konjunkturellen Rahmenbedingungen sowie unsere geplanten Fortschritte bei Produkten, Kosten und im Markt stabile Voraussetzungen für das Geschäftsjahr 2007/2008 dar.

Ausblick GJ 2007/2008

Meine Damen und Herren,

kommen wir nun zum Ausblick, den wir neu justiert haben.

Wir gehen davon aus, den Umsatz der Heidelberg Gruppe in der nächsten Dreijahresperiode von 2007/2008 bis 2009/2010 insgesamt um zehn bis 15 Prozent steigern zu können. Im Vorfeld der drupa 2008 erwarten wir im laufenden Geschäftsjahr 2007/2008 ein moderates Wachstum.

Im Berichtsjahr 2006/2007 enthielt das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit  positive Einmaleffekte in Höhe von rund 60 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr 2007/2008 wollen wir das rein operative Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit um zehn bis 15 Prozent steigern - verglichen mit dem bereinigten Wert des Berichtsjahrs von 302 Millionen Euro; dies markiert dann also einen Zielwert für 2007/2008 von 330 bis 345 Millionen Euro als Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit.

Begünstigt durch die positiven Auswirkungen der Steuerreform sowie durch interne Optimierungen mit Blick auf die Steuerquote wird der Jahresüberschuss weiter steigen. In Summe rechnen wir damit, dass wir den Jahresüberschuss - ohne Einmaleffekte - von rund vier Prozent des Umsatzes im Berichtsjahr auf rund fünf Prozent im laufenden Geschäftsjahr 2007/2008 steigern können.

Nach wie vor wollen wir unsere Aktionäre mit einer attraktiven Dividendenentwicklung am Unternehmenserfolg und am Wertzuwachs beteiligen.

Meine Damen und Herren,

Heidelberg hat seine führende Stellung in der Branche behauptet und ausgebaut, das belegen die Kennzahlen.

Der Auftragsbestand und die Nachfrage nach unseren innovativen Produkten lassen uns zuversichtlich in das neue Geschäftsjahr 2007/2008 starten.

In den kommenden 12 Monaten werden wir mit Hochdruck auf die Fachmesse drupa im Mai 2008 hinarbeiten; sie wird unseren Kunden wieder neue Lösungsangebote für mehr Innovation und Produktivität von Heidelberg bringen.

Nunmehr wird mein Kollege Dirk Kaliebe den Jahresabschluss 2006/2007 im Detail erläutern.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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