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Bilanzpressekonferenz - Statement Bernhard Schreier

07.06.2006


Bernhard Schreier, Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG anl. der Bilanzpressekonferenz am 7. Juni 2006

Es gilt das gesprochene Wort

Begrüßung

Highlights Geschäftsjahr 2005/2006

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

das Zahlenwerk der Heidelberger Druckmaschinen AG für das Geschäfts- jahr 2005/2006 belegt die vergleichsweise günstige Entwicklung unseres Unternehmens. Der positive Trend der Weltkonjunktur, in der Printmedien-Industrie wie auch bei Heidelberg hält weiterhin an.

  • Für nahezu alle Kenngrößen hat die Heidelberg Gruppe im Berichtsjahr im Vergleich zum Vorjahr ihre Erwartungen erfüllen oder sogar übertreffen können.
  • Die Auftragseingänge lagen im Geschäftsjahr 2005/2006 mit 3.605 Millionen Euro über dem vergleichbaren Volumen des Vorjahrs, in dem mit der drupa die größte Messe der Branche stattgefunden hatte.
  • Die gute Auftragslage sichert uns bereits jetzt eine sehr ordent- liche Auslastung für das erste Halbjahr des laufenden Geschäfts- jahres. So betrug zum Bilanzstichtag die Auftragsreichweite 3,5 Monate.
  • Unsere Umsätze im vergangenen Geschäftsjahr sind deutlich stärker gestiegen als erwartet: In jedem Quartal lag der Umsatz über dem Wert des Vorjahresquartals; insgesamt haben wir mit 3.586 Millionen Euro den vergleichbaren Vorjahreswert um nahezu 12 Prozent übertroffen.
  • Wir haben ein Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit von 277 Millionen Euro erzielt und damit eine operative Umsatzrendite von 7,7 Prozent erreicht.
  • Den Jahresüberschuss konnten wir mit 135 Millionen Euro im Vor- jahresvergleich mehr als verdoppeln.
  • Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung am 20. Juli vorschlagen, eine gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelte Dividende in Höhe von 0,65 Euro pro Aktie für das Geschäftsjahr 2005/2006 auszuschütten.
  • Heute Morgen haben wir zusammen mit den Bilanzzahlen noch eine Personalie veröffentlicht: Im Rahmen der Aufsichtsratssitzung vom 2. Juni hat der Aufsichtsrat unseren bisherigen Leiter Rechnungswesen/Steuern und Investor Relations, Herrn Dirk Kaliebe, mit Wirkung zum 1. Oktober dieses Jahres zum ordentli- chen Vorstandsmitglied, zuständig für Finanzen, bestellt. Mein Kollege Dr. Herbert Meyer, dessen Vertrag am 30. September dieses Jahres ausläuft, wird dann nach 12-jähriger erfolgreicher Tätigkeit planmäßig bei Heidelberg ausscheiden. Er bleibt Heidelberg beratend verbunden, z. B. auch im Board von Goss International. Meyer wird im nächsten Jahr außerhalb der Heidelberg Gruppe eine neue, firmenübergreifende Leitungsauf- gabe übernehmen.
Meine Damen und Herren,

das abgelaufene Geschäftsjahr zeigt deutlich, dass Zuversicht und Investitionsbereitschaft in der Branche angezogen haben. Unsere positive Geschäftsentwicklung ist ein klarer Beleg dafür, dass die Krise nach drei Krisenjahren überwunden ist!

Auch für das laufende Geschäftsjahr 2006/2007 sind wir zuversichtlich, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzen wird. Für die Konjunktur und für unsere Branche erwarten wir trotz der Unsicherheiten bei der Wechselkursentwicklung, bei den Rohstoff- und Energiepreisen sowie des anhaltenden Preiswettbewerbs einen positiven Verlauf, an dem auch Heidelberg als Weltmarktführer für Lösungen im Bogenoffsetmarkt weiter teilhaben wird.

Der Start ins neue Geschäftsjahr verlief erfreulich. Der Auftragseingang im laufenden ersten Quartal ist weiterhin gut und ist vor allem durch den positiven Verlauf der Fachmesse Ipex Anfang April sowie den größten Einzelauftrag, den wir in China jemals verbuchen konnten, beeinflusst.

Rahmenbedingungen und Marktumfeld

Meine Damen und Herren,

wir erwarten, dass die Weltwirtschaft auch im Kalenderjahr 2006 hohe Zuwachsraten erzielt; verschiedene Institute und Banken - beispielsweise der Internationale Währungsfonds IWF - gehen von einem Plus von 4,9 Prozent aus. Ein Risiko für das Wachstum der Weltwirtschaft stellt allerdings der auf hohem Niveau unbeständige Ölpreis dar.

Insgesamt sind das gute Voraussetzungen für die Entwicklung der Printmedien-Industrie, die bekanntermaßen vom Konjunkturverlauf abhängig ist. Als Faustregel lässt sich sagen, dass sich das Marktwachs- tum im Bogenoffsetbereich insgesamt ähnlich entwickelt wie das Wachs- tum der Wirtschaft weltweit.

In den Industrieländern ist der Umsatz mit Druckprodukten im Berichtsjahr erneut gewachsen. So stieg das Umsatzvolumen von Druckprodukten 2005 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent, in den USA im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent. Wir erwarten, dass sich die Printmedien-Industrie insgesamt weiter erholen und das Druckvolumen in den nächsten Jahren ansteigen wird. So wird sich die Kapazitätsauslas- tung der Druckereien weiter verbessern - im Berichtsjahr hatte sie sowohl in den USA als auch in Deutschland den höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht.

Die Rahmenbedingungen stimmen also, um auch in den kommenden Jahren - wie geplant - ordentliche Zuwächse beim Umsatz zu erzielen. Wir gehen davon aus, dass die höhere Nachfrage nach Druckprodukten und die bessere Auslastung im Jahr 2006 eine höhere Investitionsbereitschaft in Produktionsgüter der Printmedien-Industrie nach sich ziehen werden.

Strategische Aktivitäten

Meine Damen und Herren,

den größten relativen Beitrag zum Branchenwachstum werden jedoch wie in den zurückliegenden Jahren die Schwellenländer leisten: Zum einen weisen sie überproportional hohe Wachstumsraten auf, zum anderen ist dort der Sättigungsgrad von Druckprodukten relativ gering.

Da Heidelberg in den Schwellenländern mit seiner Vertriebs- und Serviceorganisation so breit vertreten ist, wie sonst keine anderer Wettbewerber, werden wir vom Wachstum der Printmedien-Industrie in diesen Märkten besonders profitieren. Wir rechnen damit, dass mittelfristig der Umsatzanteil der Schwellenländer - also unserer Regionen Eastern Europe, Latin America und Asia Pacific - auf 50 Prozent ansteigen wird. Zu Erinnerung: Im Geschäftsjahr 1997/1998 lag dieser Wert mit 23 Prozent bei unter der Hälfte.

Außerdem werden wir - über unseren Montagestandort in China - zusätzliche Marktsegmente in China erschließen, weil wir dort Maschinen für solche Kunden herstellen, die einfachere, preisgünstigere aber dennoch qualitativ hochwertige Produkte haben wollen.

Als erster europäischer Anbieter der Branche haben wir im Berichtsjahr einen Standort in China aufgebaut, an dem wir vom Jahr 2007 an auch Bogenoffsetmaschinen speziell für den chinesischen Markt produzieren werden. In der ersten Phase des Werkaufbaus haben wir mit Falzmaschinen begonnen; beide Produkte eignen sich als Einstieg in dauerhafte Kundenbeziehungen mit aufstrebenden Druckereien in China.

Meine Damen und Herren,

neben dem Ausbau der Aktivitäten in den Regionen will Heidelberg seine Stellung als Technologieführer der Branche festigen. Auf der Fachmesse Ipex, die im April 2006 in Großbritannien stattfand, konnten wir mit über 20 Neuheiten aus den Bereichen Druckvorstufe, Druck und Weiterverarbei- tung im Wettbewerbsvergleich unsere führende Stellung als Lösungs- anbieter belegen.

Im Marktsegment Verpackungsdruck - und zwar speziell im Bereich des Drucks und der Weiterverarbeitung von Faltschachteln - sehen wir nachhaltig Wachstumspotenziale.

Der Verpackungsdruck ist unabhängig von Zyklen wie in der Werbedruck- branche und bietet ein stabiles Wachstumsfeld mit einem Plus von fünf bis sieben Prozent pro Jahr. Heidelberg hat in diesem Segment bislang einen deutlich kleineren Marktanteil als im Bereich des Akzidenzdrucks. Wir werden unseren Anteil in den nächsten Jahren durch Produktneuerungen und organisches Wachstum weiter ausbauen.

Bis zur Marktpräsentation auf der drupa 2008 werden wir eine neue Maschinengeneration in der Papierformatklasse bis 162 Zentimeter entwickeln. Mit diesen großformatigen Bogenoffsetdruckmaschinen sowie mit unseren Stanzen und Faltschachtelklebemaschinen, die bereits zu unserem Portfolio gehören, können wir das Marktsegment kundengerecht bedienen. Wir erwarten aus dieser Entwicklung neues Umsatzpotenzial für Heidelberg.

Der Bau solch großer Druckmaschinen ist in den bisherigen Montagehallen von Heidelberg nicht möglich. Der Spatenstich für die neue Montagehalle für das übergroße Format am Standort Wiesloch mit einem Investitions- volumen von rund 45 Millionen Euro fand Mitte Mai 2006 statt.

Zusätzlichen Umsatz wollen wir auch über unsere Serviceleistungen sowie über Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien erzielen - also über die hohe und schnelle Verfügbarkeit von Kundenservice, Spareparts (Serviceteilen) und Supplies (Verbrauchsmaterialen), die wir unseren Kunden mit unserem so genannten 3SKonzept bieten. Mittelfristig soll der Anteil dieser Produktgruppe am Umsatz von Heidelberg von derzeit 19 Prozent auf bis zu 25 Prozent ansteigen.

Alles in allem stellen aus heutiger Sicht die externen konjunkturellen Rahmenbedingungen sowie unsere geplanten Fortschritte im Markt günstige Voraussetzungen für das Geschäftsjahr 2006/2007 dar.

Ausblick GJ 2006/2007

Meine Damen und Herren,

für das laufende Geschäftsjahr gehen wir insgesamt von einem Umsatzwachstum von rund fünf Prozent gegenüber dem Geschäftsjahr 2005/2006 aus. In der Sparte Press werden wir die Umsatzsteigerung vor allem im Großformat des Bogenoffsetdrucks einschließlich unserer nun voll im Markt angelaufenen Speedmaster XL 105 erzielen.

In der Sparte Postpress erwarten wir einen Umsatzanstieg - unsere neuen Produktgenerationen werden von den Kunden gut angenommen.

Im laufenden Geschäftsjahr wollen wir das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit weiter steigern: Im Berichtsjahr hatten wir hier eine operative Umsatzrendite von 7,7 Prozent erzielt, im laufenden Geschäftsjahr 2006/2007 soll sie rund zehn Prozent betragen. Eine Umsatzrendite von rund zehn Prozent ist überdurchschnittlich im Maschinenbau.

Fazit

Meine Damen und Herren,

die wichtigen Parameter bei Heidelberg zeigen für das laufende Geschäftsjahr nach
oben.

Bei unserer eingeschlagenen Ausrichtung steht die Wertsteigerung der Heidelberg Gruppe im Fokus. Wir wollen den Wertbeitrag im laufenden Geschäftsjahr noch einmal deutlich steigern.

Unser Kerngeschäftsfeld ist die Wertschöpfungskette rund um den Bogenoffsetdruck, in dem wir mit unseren Lösungen und Produkten Weltmarktführer sind, und der wachstumsstarke Verpackungs- und Etikettendruck. Wir haben unsere Stellung als Weltmarktführer im Bogenoffsetdruck alles in allem gut behauptet und halten hier weltweit einen Marktanteil von über 40 Prozent.

Nach wie vor sind wir in der Printmedien-Industrie der international führende Lösungsanbieter - kein anderer Anbieter kann wie wir einen durchgängigen Workflow bieten.

Wir heben uns mit unserer Strategie, integrierte Lösungen anzubieten, deutlich von unserer Konkurrenz ab: Lösungen verschaffen unseren Kunden den entscheidenden Mehrwert und uns Vorteile gegenüber Mitbewerbern. Das gilt über die Bereiche Technik und Software hinaus; unser internationales Netzwerk von Print Media Academies bietet zudem ein einzigartiges Weiter- und Ausbildungsangebot, das von Kunden aus der Printmedien-Industrie rege genutzt wird.

Zudem haben wir das weltweit dichteste und das marktführende Service- und Vertriebsnetz der Branche.

Diese strategischen Wettbewerbsvorteile wollen wir weiter ausbauen. Nunmehr wird mein Kollege Dr. Herbert Meyer den Jahresabschluss 2005/2006 im Detail erläutern.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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