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Rede Bernhard Schreier auf der drupa Pressekonferenz

18.05.2000


Es gilt das gesprochene Wort

Meine Damen und Herren,

Das Internet ist ein Glücksfall für die Druckindustrie.

Für die Branche allgemein und für uns von Heidelberger Druckmaschinen AG ganz speziell. Das mag Sie aus dem Mund eines leidenschaftlichen Vertreters gedruckter Werke vielleicht überraschen. Aber wenn wir hinter die Kulissen schauen, wird das ganz offensichtlich.

Es sind drei Trends, die das Internet vorantreiben, und die für unsere Industrie und für Heidelberg neue Impulse bedeuten:

Erstens: Es wird mehr gedruckt. Schauen Sie sich die Flut an Internet-Magazinen an. Selbst Informationsangebote, die bislang nur im Internet vertreten waren, beginnen, Printausgaben zu vertreiben. Jobs&Adverts - einer der führenden Online-Stellenmärkte in Europa - ist so ein Beispiel. Vor wenigen Wochen hat Job&Adverts das Karrieremagazin job-pilot.de an die Kioske gebracht. Dass das Internet die Printerzeugnisse bedroht, ist ein Märchen. Vielmehr wird es zu einem neuen Medienmix kommen, in dem sich alle existierenden Medien mit ihren spezifischen Stärken ergänzen. Nach einer Studie, die wir bei den Meinungsforschern von Emnid in Auftrag gegeben haben, informieren sich 73 Prozent der Deutschen am liebsten über ihre regionale Zeitung.

Allerdings, und das ist der zweite Trend: Die Medieninhalte werden anders erzeugt und vorgehalten. Und zwar digital, vernetzt und integriert. Im Medienhaus der Zukunft werden die Inhalte medienneutral erzeugt und gespeichert. Und erst im zweiten Schritt werden aus den Inhalten Bücher, Zeitschriften, CD-Roms, Internet-Auftritt, Fernsehsendungen oder Mischprodukte gemacht. Grundlage hierfür ist die Digitalisierung der Inhalte, die bis auf wenige Ausnahmen fast durchgängig und abgeschlossen ist. Das deutsche  Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat sein Flaggschiff, die Printausgabe, einen aktuellen Onlinedienst, eine Archiv-CD, bringt die Spiegelgespräche als Buch heraus und ist mit Spiegel-TV auf Sendung. Noch werden die meisten Inhalte parallel erzeugt. Doch das wird sich in den kommenden Jahren radikal ändern. In Zukunft ist ein solches Portfolio nur wirtschaftlich zu managen und zu verlegen, wenn die Inhalte von vornherein integriert und vernetzt erzeugt werden und vorliegen.  Wenn der Wettbewerbsdruck der Verlage untereinander noch stärker wird - und das wird er - müssen Produktivitätsreserven freigelegt werden.

Damit verbunden ist - dritter Trend - eine neue Art des Drucks. Und die ist individueller, farbiger, schneller und geschieht vor Ort. Wir kennen heute die individuellen Wünsche von unterschiedlichsten Kundengruppen. Und gleichzeitig sind wir in der Lage, mit einer entsprechenden Aufbereitung und Logistik diesen Kundenwünschen zeit- und ortsnah gerecht zu werden. Printing-on-Demand meint nichts anderes. Nur die Inhalte, die der Leser wirklich wahrnehmen möchte, kommen zur Ausgabe. Und zwar möglichst nah am Abnehmer. So wie die isolierten Rechenzentren in der Computerindustrie ausgestorben sind, werden die Druckzentren aussterben.

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