Männer mit Herz und starken Nerven
Franz Haaf (Dritter von rechts) und seine Techniktruppe bei einer Lagebesprechung.
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Alle vier Jahre heißt es für Rainer Thielmann und
Franz Haaf: "Bitte übernehmen Sie!" Dann
stürzen sich die beiden "Heidelberger" und ihre
Teams in eine aufregende Mission: all das zu organisieren, was
einen perfekten Messeauftritt ausmacht und die drupa-Besucher zum
Staunen bringt. Und das ist nicht gerade wenig, wie ein Blick
hinter die Kulissen zeigt.
Rainer Thielmann, Franz Haaf, Sie beide
verantworten die gesamte Logistik und Technik, vom Aufbau der
Druckmaschinen über die Luftbefeuchtung bis hin zum Beschaffen
der Trinkhalme für die Cocktails. Was war dieses Jahr die
größte Herausforderung?
Franz Haaf: Der Aufbau der Speedmaster XL 162-6+L in
Halle 2. Schon der Transport von Wiesloch nach Düsseldorf mit
genehmigungspflichtigen Schwertransportern erinnerte an die
Anlieferung der Mainstream im Jahr 2000. Zudem mussten wir den
Boden für ein derart großes Gewicht präparieren, ein
einzelnes Druckwerk wiegt bereits 24 Tonnen, der Ausleger verlangte
mit über 30 Tonnen zwei Kranfahrzeuge zur Positionierung.
Heidelberg baut dieses Jahr wieder die größte
temporäre Druckerei der Welt auf: mit über 50
Druckmaschinen auf einer Fläche von 7.800 Quadratmeter. Wie
ist das zu schaffen?
Rainer Thielmann: Nur mit Hilfe eines Superteams. Es geht
ja nicht nur um die Exponate selbst, also darum, beispielsweise
Druckmaschinen oder CtP-Belichter aufzubauen. Fast alle Maschinen
sind vernetzt. Hinzu kommen noch Dinge wie die Strom- und
Luftversorgung, die Kühlung, das Catering oder die
Organisation der Mannschaft von Heidelberg.
Franz Haaf: Unsere Ansprüche an die Qualität von
Funktion und Ausführung sind enorm hoch. Ende April hatte ich
da schon einige schlaflose Nächte, vor allem wegen der kurzen
Aufbauzeit. Wir haben dieses Jahr beispielsweise 100 Kilometer
Strom- und Netzwerkkabel sowie 3,5 Kilometer
Hochdruckschläuche verlegt. Ab 5. Mai sind wir jetzt vor Ort
und arbeiten erst einmal rund um die Uhr im Schichtbetrieb, um
über 50 Exponate einzubringen - das geht schon fast an die
Belastungsgrenze. Ganz ruhig bin ich zwar immer noch nicht, aber
eine gesunde Nervosität fördert ja bekanntlich ein
konzentriertes Arbeiten.
Wie viele Servicemitarbeiter sind im Einsatz?
Franz Haaf: Aktuell arbeiten rund 100 Techniker aus allen
deutschen Standorten von Heidelberg auf dem Messegelände.
Zusätzlich unterstützen uns Kollegen aus weiteren
Märkten. Insgesamt haben wir auf über 150 Lkws rund 4.000
Tonnen Material angekarrt. Das schaffen wir jetzt in
"Portionen" von zwei bis zwölf Tonnen mit Hilfe von
Gabelstaplern in die Hallen. Sind die Gewichte höher, dann
fahren wir mit den Schwertransportern direkt in die Halle und laden
mit Kranfahrzeugen ab.
Für Rainer Thielmann (Zweiter von rechts in der vorderen Reihe) ist die drupa 2008 bereits die dritte, für die er den Heidelberg Auftritt organisiert. Manche aus dem Team waren sogar an noch mehr drupas beteiligt.
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Läuft bei einem solchen Riesenprojekt nicht auch mal etwas
schief?
Rainer Thielmann: Kleinere Missgeschicke passieren immer.
Aber die bügeln wir mit Hilfe des fantastischen Teams leicht
aus, so dass sie "draußen" erst gar nicht
wahrgenommen werden.
Franz Haaf: Schlimm könnte es höchstens werden,
wenn man uns im Cateringzelt Milchreis mit Zucker und Zimt
anbietet, da vergessen wir dann alles um uns herum.
Was, glauben Sie, wird dieses Jahr der Renner bei den Kunden
sein?
Rainer Thielmann: Heidelberg hat ja immer den Anspruch, dass
jede drupa bis ins Detail perfekt ist: also alle Exponate, aber
auch das ganze Umfeld drum herum. Dieses Jahr wird wohl die
Speedmaster XL 162 ein Zugpferd sein. Gleichzeitig wollen wir bei
unseren Kunden einen Aha-Effekt auslösen, indem wir etwas ganz
Besonderes bieten. Verraten darf ich nur so viel: Es geht um einen
Druckjob auf dieser Maschine.
Welches ist Ihr persönliches Highlight?
Rainer Thielmann: Das ist am 28. Mai, die Nacht vor der
drupa-Eröffnung. Wenn alles fertig ist, unberührt und
perfekt. Dann atme ich tief durch und bin stolz darauf, dass wir
den Gästen von Heidelberg wieder etwas ganz Besonderes bieten
können.
Franz Haaf: Man muss sich vorstellen: Alle Beteiligten haben
über Wochen ihr Bestes gegeben. Und jetzt, wenn die Halle
komplett fertig und herausgeputzt ist, kommt das kreative
Standdesign erstmals richtig zum Vorschein. Und mitten in dieser
tollen Umgebung werden unsere Exponate im Rampenlicht sichtbar!
Dann heißt es: noch einmal über die Flächen blicken,
den Augenblick genießen - und dann die Beleuchtung langsam
zurückfahren.
Und was bieten Sie den Besuchern zum Entspannen und
Wohlfühlen?
Rainer Thielmann: Mit der Sternberg-Lounge, einem Areal
außerhalb der Messe, setzen wir einen Kontrast zum
Messetrubel, sowohl optisch als auch von der Atmosphäre her.
Kunden können dort Ruhe tanken und Abstand gewinnen, entweder
bei einem Imbiss oder am Abend bei einer Galaveranstaltung.
Außerdem haben wir eine ganz besondere Bar: Aus einer Auswahl
von Fruchtsäften kann sich jeder seinen individuellen Cocktail
mixen. Vorbild hierzu war unser system
service Angebot, bei dem sich jeder Kunde sein
persönliches Paket zusammenstellen kann.
Welches ist Ihr persönlicher drupa-Tipp?
Franz Haaf: Eine drupa-Techniktour in den Hallen 1 und 2
mitzumachen.
Rainer Thielmann: Wer genug vom Bummeln auf der
Einkaufsmeile Kö oder in der Altstadt hat, sollte Kaiserwerth
besuchen. Der beschauliche Stadtteil im Norden von Düsseldorf
ist mit seinem dörflichen Ambiente und gemütlichen
Cafés ideal zum Entspannen.
Druckversion
drupa in Zahlen
Technik
• 300 Tonnen Material für den Stand: Holz, Stahl,
Befestigungen, Farbe
• 750 kW Gesamtleistung Kühlung für die
Exponate
• 100 km Kabel für Strom und Datenleitungen
• 200 m Verrohrung für Kühlwasser der
Exponate
• 300 m Druckluftleitungen für Exponate
• 3,5 km Hochdruck-
schläuche für die Luftbefeuchter
• 2.500 Scheinwerfer
Leibliches Wohl
• 3.350 Kilo Salzgebäck
• 2.750 Kilo Kaffeegebäck
• 35.000 Liter Mineral-
wasser
• 150.000 Tassen Kaffee
• 151.000 Portionen Milch
• 270.000 Stück Zucker