Strategien gegen die Krise
Die Zahlen der nationalen Branchenverbände zeigen deutlich:
Bei den Druckereien gibt es eine Marktbereinigung. Die verbliebenen
Betriebe sind jedoch immer noch einem harten Wettbewerb ausgesetzt.
Was ist zu tun?
"Abwarten ist sicherlich der falsche Weg. Vielmehr sollten
die Unternehmen die gegenwärtige schwache Auftragslage nutzen
und sich für die Zeit nach der Krise positionieren", rät
Erich Zahn, Senior Consultant bei Heidelberg Business Consulting.
Dazu zählen operative Maßnahmen wie etwa, die Effizienz
der Abläufe zu optimieren (siehe Beitrag "Dem Erfolg auf der
Spur" in dieser Ausgabe) und das Leistungspotenzial der
vorhandenen Maschinen auszureizen. Aber das allein reicht
oftmals nicht aus. Ein weiterer und aus strategischer Sicht
zentraler Schritt ist es, eine noch stärkere Kundenbindung
aufzubauen. "Ziel ist es, sich durch das Angebot von
Zusatzleistungen unverzichtbar bei seinen Kunden zu machen", betont
Erich Zahn.
Zusatzleistung Versandlogistik
Betriebe können zum Beispiel den Versand der
Druckprodukte an den Endkunden für ihren Auftraggeber
übernehmen. "Der direkte Versand durch die Druckerei ist in
der Regel schneller und kostengünstiger für den
Auftraggeber, weil ein Zwischenschritt entfällt", sagt Zahn.
Falls das entsprechende Know-how und die Räumlichkeiten
vorhanden sind, kann die Druckerei die Printprodukte ihrer Kunden
auch lagern und verwalten. Ein Weg, den die Franz Kuthal GmbH &
Co. KG aus Mainaschaff mit beachtlichem Erfolg eingeschlagen hat,
wie Geschäftsführer Helmut Kraft berichtet: "Hätten
wir in weitere Vorstufendienstleistungen investiert, wären wir
damit wieder vergleichbar mit anderen Druckereien gewesen." Heute
lagert, verwaltet und versendet die Kuthal-Schwestergesellschaft
RMD nicht nur Drucksachen, sondern auch Werbemittel und
Handelswaren für Unternehmen aus den unterschiedlichsten
Branchen.
Je nach Kernkompetenz und Infrastruktur sind weitere
Spielarten über die Kommissionierung hinaus möglich: So
fertigt beispielsweise eine Druckerei aus dem Schwarzwald für
ihre Auftraggeber edel gestaltete Präsentkartons, befüllt
sie mit Spirituosen und liefert sie an den Endkunden aus. Ein
anderer süddeutscher Betrieb wiederum druckt für die
Mailingaktionen seiner Kunden die personalisierten Anschreiben,
konfektioniert sie (Einkleben oder Einschweißen der
entsprechenden Produktproben oder Werbemittel) und übernimmt
den Versand.
Zusatzleistung Crossmedia
Inhalte, etwa von Produktbroschüren, werden oft in
unterschiedlichen Medien wiederverwendet: in anderen
Printprodukten, im Internet oder digitalisiert auf DVD-ROMs.
Druckereibetriebe sitzen häufig an der Datenquelle. Was
spricht dagegen, das Aufbereiten der Text- und Bildinhalte für
die verschiedenen Medien als Komplettpaket anzubieten? Das sagte
sich auch die ABT Mediengruppe aus Weinheim und baute einen
medienneutralen Datenpool auf. Kunden können per "Knopfdruck"
die unterschiedlichsten Ausgabemedien bedienen. "Unsere Kunden
profitieren von einer schnelleren Produktion und erhöhten
Marktpräsenz bei gleichzeitig gesenkten Kosten. Das hat ihre
Bindung an unser Unternehmen gefestigt und uns zahlreiche
Weiterempfehlungen eingebracht", hebt Inhaberin Irmgard Abt hervor.
Zusatzleistung durch Kooperationen
Wer die entsprechenden Partner hat, kann das eigene
Angebot auch durch Kooperationen ausweiten. Ein Paradebeispiel
dafür ist Tecnografica aus Lamazzo in Oberitalien. Die
fünf Spezialisten - je eine Firma für die Vorstufe und
die Weiterverarbeitung, zwei Druckereien (Rollen- und Bogenoffset-
sowie Digitaldruck) und eine Agentur - agieren nach außen
selbständig. Untereinander arbeiten sie jedoch als Verbund
zusammen. Der Vorteil: Dank der Verzahnung erhält der Kunde
fast alle denkbaren Druckprodukte aus einer Hand - von der
Visitenkarte über Broschüren und Poster bis hin zu
Zeitschriften. Natürlich geht es auch eine Nummer kleiner:
beispielsweise durch die Zusammenarbeit mit einem Digitaldrucker,
der individualisierte Jobs wie Mailings oder Kleinstauflagen
ausführt. Der Charme dieses Geschäftsmodells liegt darin,
dass die Bogenoffsetdruckerei dadurch ein breiteres Spektrum von
Kundenanfragen flexibel bedienen kann. Gleichzeitig kann sie
testen, ob es sich lohnt, selbst in das Geschäftsfeld des
Kooperationspartners einzusteigen.
Welche Zusatzleistung ist die richtige?
"Welche Zusatzleistung in Frage kommt, hängt von der
vorhandenen Ausstattung und Auftragsstruktur, den Kompetenzen im
Unternehmen und von möglichen Kunden für die Modelle ab",
stellt Zahn fest. Hilfestellung bei der Beurteilung, welches Modell
passt, gibt Heidelberg. Der Bereich Business Consulting führt
beispielsweise Wirtschaftlichkeitsberechnungen durch oder
unterstützt Druckereien dabei, sich für das
Zusatzgeschäft fit zu machen. Wertvolle Unterstützung
bietet auch die Print Media Academy mit ihrem umfassenden
Kursangebot, etwa zur Erschließung neuer Geschäftsfelder
oder zur Vermarktung des Zusatzangebots.
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