Gutenberg Beuys Feindruckerei: "Alles aus Liebe"
Sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie lieben die
Druckkunst und zelebrieren sie als Fest für die Sinne:
Gutenberg Beuys Feindruckerei. Ebenso außergewöhnlich wie
der Name ist auch der Qualitätsanspruch des Unternehmens aus
Hannover. Firmeninhaber Matthias Hake erläutert, warum er
lieber gegen den Strom schwimmt und gerade deswegen Kunden
gewinnt.
Herr Hake, Ihr Kundenmagazin "Rasterpunkt" war ein
voller Erfolg. Die erste Ausgabe heimste nicht nur einige Preise
ein, sondern ist auch restlos vergriffen. Wie erklären Sie
sich diese Resonanz?
Hake: Wir lieben den Druck und gehen ganz unbefangen auch
mit Dingen um, von denen andere sagen: "Das geht nicht, oder
das schafft Probleme." So drucken wir beispielsweise alle
unsere Produkte standardmäßig im 120er Raster und mit
hochpigmentierten Farben. Bei unserem Kundenmagazin hatten wir den
nötigen Freiraum, viele Dinge einfach auszuprobieren und etwas
Besonderes zu schaffen.
Begreifen Sie also, ganz im Sinne Ihres Firmennamens, Druck
genauso sehr als Gesamtkunstwerk wie als Geschäft?
Hake: [Lacht.] Rechnen tue ich nebenbei auch ganz gerne.
Doch im Ernst: Unsere Kundenzeitung haben wir uns selbst zum
Geschenk gemacht. Um ständig neue optische und haptische
Erlebnisse zu kreieren, haben wir die 136 Seiten der ersten Ausgabe
bewusst auf unterschiedlichsten Papiersorten - gestrichen,
glänzend, matt und Natur - fünffarbig bedruckt.
Darüber hinaus haben wir immer wieder zusätzliche
"Leckerli" geboten, etwa durch Ausstanzungen,
Prägungen, Lackierungen oder Überläufe. Unter
anderem haben wir auf einer linken Seite unbeschichtetes Papier mit
Goldfischchen bedruckt und das Motiv harmonisch auf einen
Transparentbogen auf der rechten Seite überlaufen lassen.
Gebunden haben wir unser Werk als Schweizer Broschur mit einem
500-g/qm-Umschlag. Das Ganze wog dann schließlich ein knappes
Kilo und wurde im eigens dafür genähten Kunstfellumschlag
verschickt.
Wie haben die Empfänger reagiert?
Hake: Die waren begeistert. Wir bekamen sogar Mails aus
Italien, Österreich und der Schweiz. Mit einer solchen
Feedbacklawine hatten wir nicht gerechnet, und dadurch haben wir
natürlich auch etliche Neukunden gewonnen.
Sind Sie damit auf eine Marktlücke gestoßen?
Hake: Es scheint so. Wenn Sie unsere Druckprodukte in
Händen halten, merken Sie den Unterschied zu denen anderer
Druckereien. Wir betreiben Druck als Kunst im ursprünglichen
Sinne, daher auch unser Firmenname: Gutenberg Beuys Feindruckerei.
Beuys deswegen, weil wir "Druck-Werke", also sinnliche
Erlebnisse, kreieren. Unsere Philosophie ist es, mit Perfektion und
Kreativität einer Drucksache das i-Tüpfelchen aufzusetzen
und nicht vor der Umsetzung zu kapitulieren.
Herr Hake, lassen Kunden nicht lieber die Hände von derart
unkonventionellen Projekten, weil sie riskanter und teurer sind?
Hake: Nein. Es gibt immer Wettbewerber, die
günstiger sind. Auf Preiskämpfe lassen wir uns aber nicht
ein. Wir haben genug Kunden, die wissen, dass wir etwas teurer sind
als andere, und dennoch ganz bewusst uns wählen, weil sie
unsere Arbeit wertschätzen. Meist kommt es nach einiger Zeit
ganz von selbst zu einer Marktbereinigung, weil Druckereien, die
nur auf den Preis setzen, mittelfristig wieder vom Markt
verschwinden. Ich bin überzeugt, dass nicht zuletzt aufgrund
der digitalen Techniken und des Internets die Standarddrucksachen
zurückgehen werden. Die Aufgabe von Druckereien wird in
Zukunft immer mehr sein, Akzente zu setzen und Extras zu machen.
Also auf zu neuen Ideen!
Und wie überzeugen Sie kritische Kunden?
Hake: Durch unsere Produkte, die für sich sprechen.
Beispielsweise haben wir die Firma Pott, einen Besteckhersteller,
über die Erstausgabe unserer Kundenzeitschrift gewonnen.
Für unseren ersten Auftrag, einen Besteckkatalog, haben wir
dem Kunden geraten, die dunklen Bilder auf holzfreies,
ungestrichenes 120-g/qm-Feinpapier - Naturpapier Tauro -
im 120er Raster zu drucken. Wegen des faszinierenden Bildeindrucks
und der Haptik. Der Kunde war erst skeptisch, doch die Andrucke
überzeugten ihn dann doch. Und als der Katalog 2006 den M-Real
Printers Award gewonnen hat, war der Jubel groß.
Wie bewältigen Sie diese Fülle unterschiedlichster
Aufträge?
Hake: Wir sind vergangenes Jahr von einer Heidelberg
Speedmaster CD 74-5L auf eine CD 102-6LX umgestiegen. Wir sind
selbst im Dreischichtbetrieb nicht mehr nachgekommen und haben
daher die Kapazität ausgebaut. Mit der Speedmaster können
wir unseren Qualitätsanspruch ausleben. Meist drucken wir
fünffarbig, manchmal aber auch sechs- und siebenfarbig, auf
Bedruckstoffen von ganz dünn bis zum Maximum. Sogar die
Techniker von Heidelberg reagieren oft erstaunt über die Art
der Bedruckstoffe, die wir testen, etwa ganz dünne Folien oder
Transparentpapiere. Zudem haben wir uns eine Varimatrix CS 105
zugelegt. Mich macht es nämlich sauer, wenn die Qualität
nicht stimmt. Dann verliere ich die Lust am Produkt. Deshalb
stanzen und brechen wir jetzt selber aus.
Welches ist Ihr wichtigstes Verführungsmittel?
Hake: Lust und Kreativität sowie der unbefangene
Umgang miteinander. Bei uns gibt es keine Hierarchien. Was
zählt, ist der Spaß an der Arbeit. Mich interessieren
immer die Dinge, die wir noch nicht gemacht haben und die schwerer
zu realisieren sind. Das hilft uns im Wettbewerb, das bringt uns
nach vorne. Gleichzeitig bewahren uns die abwechslungsreichen und
anspruchsvollen Aufträge davor abzustumpfen, weil sie immer
vollen Einsatz fordern. Ich habe 1999 mit vier Langzeitarbeitslosen
den Betrieb aufgebaut, alle keine ausgebildeten Drucker, dafür
aber voller Ideen und Tatendrang. Das hat so gut geklappt, dass wir
heute 26 Kollegen im Team sind. Ich glaube, wenn genug Liebe und
Aufmerksamkeit in ein Projekt hineingesteckt worden sind, dann
strahlt am Ende genau diese Leidenschaft aus dem Produkt. Und das
merkt man. Wir machen eben "alles aus Liebe"!
Vielen Dank für das Gespräch!
Beispiel Innenseiten
Papier linke Seite: 135 g/qm GardaPat 13 KIARA. Papier
rechte Seite: 112 g/qm Curious Translucents Flexi (Arjo Wiggins).
Effekt: perfekt sitzender Überläufer von Normal- auf
Transparentpapier.
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