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Rede von Bernhard Schreier

03.04.2006


Rede Bernhard Schreier, Vorsitzender des Vorstands der Heidelberger Druckmaschinen AG, anlässlich der Ipex Pressekonferenz der Heidelberger Druckmaschinen AG am Montag, 3. April 2006 in Birmingham
 
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
herzlich Willkommen auf der Heidelberg Pressekonferenz am Vortag des Ipex Starts. Wieder eine Messe. Erneut hohe Erwartungen, viele Neuheiten und - so hoffen wir - zahlreiche interessierte Besucher. 
 
In den zurückliegenden Jahren hatten die großen Messen jeweils ihre spezifische Überschrift, ein Motto sozusagen. Die drupa vor sechs Jahren lief unter der Headline "Digital drupa". Vor zwei Jahren hatten wir uns in Düsseldorf unter dem Dach von JDF und PDF getroffen. Und heute? Von allem etwas? Oder gar ein neuer Ansatz?
 
Seit Jahren reden wir alle über den "Wandel in unserer Industrie". Analysen wurden erstellt, Prognosen erarbeitet und Ratschläge erteilt. Inzwischen hat sich dieser Wandel vollzogen. Und zwar initiiert und umgesetzt von den meisten unserer Kunden. Neue Geschäftsideen wurden geboren und werden praktiziert. Aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind die Kunden innovativer geworden. Heute und in Zukunft ist es nicht die Technologie alleine, die überzeugen muss. Neuentwicklungen entstehen nicht mehr ausschließlich in den Köpfen von Entwicklern, vielmehr geben die Kunden in verstärktem Maße den Takt an. Sie "wünschen" sich nichts mehr, sie fordern. Und das mit Recht. Vielleicht ergibt sich daraus ja ein neues Motto ...!
 
Lassen Sie mich den Griechen Aesop zitieren, der einstmals einen zaudernden Mehrkämpfer mit dem Satz konfrontierte "Hic Rhodos, hic salta". Was nichts anderes aussagt, als jetzt, hier und heute, die Beweisführung für eine versprochene Leistung anzutreten. Ich möchte diesen Satz umwandeln und auf die Ipex beziehen: "Hier ist Birmingham, hier muss Heidelberg als Lösungsanbieter zeigen, was wir zu leisten in der Lage sind". Für unsere Kunden und mit unseren Kunden gemeinsam. 
 
Mit dieser Ausrichtung tritt Heidelberg hier an. Ich möchte Ihnen, meine Damen und Herren, die aus unserer Sicht drei wichtigsten Parameter der neuen Marktdynamik erläutern. Da ist an erster Stelle die Kundenorientierung zu nennen, gefolgt von der Marktorientierung und letztendlich der Technologieorientierung. Diese drei Komplexe sind eng miteinander verbunden, ergänzen sich und sind im positiven Sinne voneinander abhängig.
 
Die Kundenorientierung
Wie bereits erwähnt ist die graphische Industrie - wie manche andere Industrie auch -  in den zurückliegenden Jahren durch ein wahres Stahlbad gegangen. Unsere Kunden, die Druckereien waren mit am stärksten betroffen und haben einen verkürzten, heftigen Evolutionsprozess durchgemacht. Dabei haben sie viel gelernt und kommen nun mit konkreten Vorstellungen zu uns.
 
Dauerhafte Erfolge für die Druckbetriebe stellen sich seitdem und in Zukunft nur dann ein, wenn marktgerechte Lösungen angeboten werden. Agenturen wünschen sich mehr denn je kompetente Beratung durch Printspezialisten, um das Innovationspotential, das moderne Printtechnologien eröffnen, auch optimal ausschöpfen zu können. Der Fokus für Printkommunikation liegt künftig nicht mehr auf "Produktion von der Stange". Print wird durch ideenreiche Produktionskonzepte inklusive der Möglichkeiten moderner Druckveredelung zum Premium-Medium. Dies erlaubt unseren Kunden, Markenwelten kongenial zu inszenieren. Der Verpackungsdruck ist dabei auf dem richtigen Wege. Produktionsdienstleister im Verpackungssektor entwickeln konsumgerechte Produkte - gemeinsam mit ihren Auftraggebern.
 
Diesen Ansatz gilt es zu verstärken. Im ständigen Dialog mit unseren Kunden erfahren wir, welche Maschinen in welcher Konfiguration im Markt benötigt werden. Neue Technologien entstehen, gefordert von den Kunden. So ist es kaum verwunderlich, dass der Anteil der Spezialmaschinen, die unsere Werke verlassen, ständig angestiegen ist. Bereits fast jede vierte Druckmaschine wird bei Heidelberg aufgrund einer konkreten Kundenanforderung "spezial gefertigt".
 
Um diese Vorgehensweise weiter zu verbessern haben wir - Ihnen, meine Damen und Herren gut bekannt - unseren diesjährigen Messeauftritt unter dem Motto "Connected for Success"  erneut an definierten Kundensegmenten ausgerichtet. Mein für die Vertriebsaktivitäten von Heidelberg in Großbritannien zuständiger Kollege George Clarke wird später im Detail darauf eingehen. Die Ausrichtung an Kundensegmenten alleine reicht uns aber noch nicht. Beratung ist wichtig, Zuhören noch wichtiger. Wir haben daher "Expert Center" über unseren Stand verteilt. Dort sollen und werden unsere Kunden Fachwissen und ein offenes Ohr für ihre Fragen finden.
 
Bewusst haben wir das Prinect Center ins Zentrum des Messestandes gelegt. Produktionssicherheit und Effizienzerhöhung im Druckprozess - und damit Kosteneinsparung - sind die am häufigsten von uns gehörten Forderungen von Kundenseite. Ich werde später darauf noch eingehen.
 
Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, zum zweiten Punkt kommen, der Marktorientierung. Bitte sehen Sie es mir nach, wenn ich nunmehr etwas stärker die unternehmerische Brille aufsetze. Wir als Heidelberger Druckmaschinen  haben über Jahrzehnte unter Beweis gestellt, wie wir schnell und flexibel auf individuelle Marktveränderungen reagieren. Inzwischen ist längst eine neue, weitere Dimension hinzugekommen. Ich spreche von der verschärften Wettbewerbssituation im Rahmen der Globalisierung. Preissensitivität, Preiselastizität und Preiskampf sind zum Alltag geworden. Und so gilt es, die Vorteile unserer Lösungen aufzuzeigen, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden zu erhöhen, aber auch den Zeichen der Zeit zu folgen.
 
Ich möchte mit der Technologieorientierung den Kreis schließen. Ich hatte es bereits erwähnt, dass Technologie längst nicht mehr isoliert zu sehen ist. Heidelberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, Neuerungen und Weiterentwicklungen erst dann in die Märkte zu bringen, wenn der Bedarf und vor allem der Nutzen auf Kundenseite definiert sind.
 
Wir hatten bereits im Februar fast alle unsere Neuheiten angekündigt, erlauben Sie mir aber, auf einige Dinge nochmals einzugehen - und auf eine weitere bisher nicht publizierte Neuheit, mit der ich beginnen möchte. Hier auf der Ipex zeigen wir erstmals unsere Mittelformatmaschine Speedmaster CD 74 (50 x 70 Zentimeter) in der Schöndruckversion mit einer neuen Leistungsklasse von 18.000 Bogen pro Stunde vor. Bisher produzierte diese Baureihe mit 15.000 Bogen in der Stunde. Ein komplettes Paket mit einigen wichtigen Neuerungen ermöglicht eine stabile Fortdruckgeschwindigkeit von 18.000 Bogen in der Stunde auch im Dauerbetrieb. Dies über ein großes Bedruckstoffspektrum von Dünndruckpapier bis hin zu Kartonagen. Zu den "unique selling propositions" oder Innovationen gehören der neu entwickelte Saugkopf und die neue automatische Stapelhubsteuerung, beide im Anleger der Maschine. Damit ist die Speedmaster CD 74 mit 18.000 Bogen in der Stunde interessant für diejenigen Kunden, die sowohl kleinere Auflagen als auch regelmäßig höhere Auflagen fahren. Vielfältige Vorteile ergeben sich somit für Akzidenz-, Verpackungs- und Etikettendrucker, die unterschiedliche Bedruckstoffe mit unterschiedlichen Auflagen verarbeiten.
 
Ebenfalls aus der Speemaster Mittelformatreihe kommt die CD 74-5+LY-P-5+L. Was sich hinter diesem komplizierten Namen verbirgt ist ein weiterer Optimierungsschritt in Sachen Produktivität. Die Lackiermöglichkeiten vor und nach der Bogenwendung ermöglichen es den Kunden, den bedruckten Bogen deutlich schneller als bisher in die Weiterverarbeitung zu bringen. Die Zeitersparnis beträgt bis zu 30 Prozent.
 
Mit der ColdFoil-Technologie zeigt Heidelberg ein Verfahren, mit dem Kaltfolie über das bewährte Offsetdruckverfahren aufgetragen werden kann. Mit dem ColdFoil-Modul für die Baureihen Speedmaster CD 74 und CD 102 lassen sich metallische Veredelungen auf Folienbasis in hoher Qualität und bestechender Brillanz auf den unterschiedlichsten Bedruckstoffen aufbringen. Die Grammaturen reichen dabei von 70 g/qm bis zu 400 g/qm. Etiketten-, Verpackungs- und Akzidenzdrucker können damit die steigende Nachfrage des Marktes nach hochwertigen Veredelungen erfüllen.
 
Weltpremiere: Speedmaster SM 52-Zehnfarbenmaschine
Wir präsentieren als erster Hersteller eine Zehnfarbenmaschine im Format 35 x 50 Zentimeter - die Speedmaster SM 52-10-P - und reagieren damit auf die erhöhte Nachfrage nach noch längeren Wendemaschinen in diesem Format. Bereits zur drupa 2004 haben wir mit der Speedmaster SM 52-8-P die erste lange Wendemaschine im A3-Format vorgestellt.
 
Mit der Speedmaster SM 52-Zehnfarben können Akzidenzdruckereien ihre Drucksachen mit Sonderfarben oder Drucklackveredelung in einem Durchgang noch rationeller produzieren. Besonders die Veredelung mit Drucklack ermöglicht eine schnellere Weiterverarbeitung und bietet einen besseren Schutz des Produktes.
 
Konsequenterweise eignet sich die Maschine deshalb besonders zur Produktion von niedrigen Auflagen mit häufigen Auftragswechseln.
 
Neues Farbwerk Anicolor für die Speedmaster SM 52
Erstmals zeigen wir hier in Birmingham das farbzonenlose Farbwerk Anicolor in einer Speedmaster SM 52-Vierfarbenmaschine vorgestellt. Damit können Kleinstauflagen zukünftig mit dem gewohnten Arbeitsablauf einer Offsetdruckerei mit deutlich besseren Margen produziert werden. Es werden kaum noch Anlaufbögen benötigt - je nach Drucksujet  nur zehn bis zwanzig Bogen. Das bedeutet eine um bis zu 90 Prozent reduzierte Anlaufmakulatur. Da Farbzoneneinstellungen entfallen, verringern sich die Rüstzeiten um bis zu 40 Prozent. Durch diese Zeitersparnis erhöht sich die Kapazität der Druckmaschine um 25 Prozent.
 
Das Farbwerk Anicolor macht die Stärken des Offsetdrucks auch für Kleinstauflagen verfügbar. Zum Einsatz kommen handelsübliche Druckplatten und Farben, da die Druckmaschine mit dem bewährten Filmfeuchtwerk Alcolor arbeitet.
 
Von klein zu groß: die Erfolgsgeschichte der Speedmaster XL 105, zur drupa 2004 präsentiert, setzt sich fort. In diesen Tagen konnten wir in unserem Werk in Wiesloch das 1000. Druckwerk dieser neuen Maschinengeneration fertigen, das in eine Maschine für einen italienischen Kunden eingebaut wird.
 
Im Bereich der Vorstufe bieten wir mit dem Suprasetter A105 ein Einstiegsmodell aus unserer thermalen CtP-Belichter-Familie an.
 
Gleich drei Neuheiten sehen unsere Kunden im Bereich der Weiterverarbeitung:
Zunächst den neuen Sammelhefter Stitchmaster ST 450, der sich durch hohe Automatisierung, große Flexibilität und Produktivität auszeichnet. Der Sammelhefter verfügt über mobile Anleger, die mit Servoantrieb ausgerüstet sind und beidseitig an jeder Position der Sammelkette angestellt werden können. Mit einer Leistung von 14.000 Takten pro Stunde steht der Stitchmaster ST 450 für hohe Leistung bei zuverlässiger Qualität.
 
Der neue Klebebinder Eurobind 4000 ist hoch automatisiert und fertigt bis zu 4.000 Bücher pro Stunde. Mit seinem modularen Aufbau lässt sich der Eurobind 4000 ideal auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse abstimmen. Eine präzise Rückenbearbeitung und ein gleich bleibend guter Leimauftrag sorgen für eine hohe Qualität der Endprodukte. Der Eurobind 4000 ist in das ganzheitliche Workflow-System Prinect integrierbar.
 
Die Faltschachtelklebemaschine Diana X 115/135 hat eine Arbeitsbreite von 115 oder 135 Zentimeter und besticht durch ihr modulares Baukastensystem, das sich auf die Kundenbedürfnisse anpassen lässt und die vielfältigsten Schachteltypen erstellt. Die Maschine zeichnet sich durch ein neues Sicherheits- und Automatisierungskonzept sowie eine integrierte Beleimungs- und Qualitätskontrolle aus. Verarbeitet wird Faltschachtelkarton mit einem Flächengewicht von 200 bis 900 g/qm sowie Wellpappe der Typen N-, F-, E- und B-Welle. Je nach Anwendungsbereich erreicht die Maschinengeschwindigkeit bis zu 650 Meter in der Minute. Damit können bis zu 200.000 Schachteln pro Stunde verarbeitet werden.
 
Details zu diesen und weiteren Neuvorstellungen finden Sie, meine Damen und Herren, in der Pressemappe.
 
Und noch ein Hinweis. Wie bereits auf der drupa 2004 treten Heidelberg und die IST Metz GmbH hier auf der Ipex (Halle 4, Stand 4D50) gemeinsam auf und zeigen Anwendungen aus dem Bereich Verpackung und Akzidenz im UV-Druck.
 
Last but not least: das Thema Workflow. Im Zentrum unseres Standes befindet sich das Prinect Center. Hier zeigen wir den interessierten Besuchern die unterschiedlichsten Komponenten, mit denen die Produktionssicherheit erhöht, Qualität verbessert und Kosten eingespart werden können. So zum Beispiel die Weltneuheiten Prinect Integration System und Prinect Pressroom Manager.
 
Das Prinect Integration System ermöglicht eine zentrale Datenhaltung innerhalb einer Druckerei auf Basis von JDF (Job Definition Format). Damit lassen sich alle Produktionsprozesse im Auftragsmanagement, in der Vorstufe, im Drucksaal und in der Weiterverarbeitung vollständig in ein Workflow-Management-System integrieren.
 
Der Prinect Pressroom Manager steuert und verwaltet als weltweit erstes rein JDF-basierendes Drucksaalsystem alle für die Druckproduktion notwendigen Daten. So lassen sich die Arbeitsabläufe an entscheidenden Stellen automatisieren und verbessern.
 
Wir legen bei Heidelberg einen besonderen Schwerpunkt auf eine optimale Vernetzung innerhalb des Drucksaals, denn nur im Zusammenspiel zwischen Soft- und Hardware sind die besten Ergebnisse zu erzielen. Ich darf Sie dazu animieren, sich unser Angebot in diesem,  wie auch in den anderen Bereichen - während der Messe genau anzuschauen. Unsere Fachleute erwarten Sie. Und wir sind sicher, die Erwartungshaltung unserer Kunden mit dem hier vorgestellten Angebot erfüllen zu können.
 
Ich möchte Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit danken und gebe weiter an meinen Kollegen George Clarke.

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