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Ein großer deutscher Erfinder der Neuzeit

19.12.2001


Dr.-Ing. Rudolf Hell wird 100 Jahre alt

Am 19. Dezember 2001 feiert Rudolf Hell seinen 100. Geburtstag. Die technischen Errungenschaften und Verdienste des Erfinders, Ingenieurs und Unternehmers Dr.-Ing. Rudolf Hell wirken bis in die heutige Medienwelt weiter. Hell ist der Erfinder der Faxtechnologie und der Pionier der Nachrichtentechnik. Er ist Ehrenbürger der Stadt Kiel. Vor kurzem ehrte ihn Kiel mit einer eigenen Straße: der frühere Siemenswall zum Heidelberg Werk in Kiel heißt heute Dr.-Hell-Straße.

Der in Eggmühl/Bayern geborene Hell gilt als einer der größten Erfinder der Neuzeit. Schon früh zeigte sich sein Interesse für alles Naturwissenschaftliche. Über seine Schulzeit sagt Hell: "In Physik und Mathematik war ich immer der Beste, in Sprachen mäßig und dort, wo man viel lernen musste, war ich einfach schlecht." Zielstrebig absolvierte er sein Studium der Nachrichtentechnik an der Technischen Hochschule München. 1927 stellte er gemeinsam mit seinem Professor Max Dieckmann auf der Gewerbeausstellung in München die erste Fernsehsende- und -empfangsstation vor, im selben Jahr promovierte er mit der Erfindung des "direktanzeigenden Funkpeilgerätes" - einem Vorläufer des heutigen Autopiloten - und zwei Jahre später folgte der "Hell-Schreiber". Diese "Vorrichtung zur elektrischen Übertragung von Schriftzeichen" fand bei Post, Presse, Polizei und Wetterdiensten Einsatz.

Nie aufgeben - und immer wieder neu beginnen
Der Krieg beendete zunächst den Höhenflug des jungen Erfinders, der in Berlin seine erste Firma erfolgreich aufgebaut hatte. Am 1. Januar 1947 wagte er einen Neubeginn in Kiel-Dietrichsdorf, da er sich schon immer zum Maritimen hingezogen fühlte. Sein erster Mitarbeiter Christian Sütel erinnert sich: "Ich machte zu der Zeit einfach alles, ich war gleichzeitig Service- und Vertriebsmann, Konstrukteur, Einkäufer und Verkäufer." Hell selbst sagte über sich später: "Ich habe nie etwas gemacht nur um Geld zu verdienen. Es ging mir um den Fortschritt und die praktische Anwendung". Bereits 1948 entwickelte Hell den ersten Telebildsender und schuf damit die Basis für das heutige Faxgerät. Hells Erfindungen basierten dabei auf dem ebenso einfachen wie genialen Prinzip der Zerlegung von Buchstaben und Zeichen in digitale Elemente wie Punkte und Linien. Seit 1951 machte Hell erste Versuche mit der Klischee-Graviermaschine "Klischograph", die die Verfahren der grafischen Industrie revolutionierte. 1954 war der "Klischograph" marktreif und startete seinen Siegeszug in den Zeitungshäusern. Erstmals vorgestellt wurden die Geräte auf der drupa 1954. Dort gravierte Christian Sütel Klischees für den Stand von Heidelberg, mit denen dann die Messezeitung gedruckt wurde. Selbst Bundespräsident Theodor Heuss war begeistert, als er sein Foto dreißig Minuten später gedruckt sah. Schlag auf Schlag folgten danach neue Erfindungen: 1963 der Scanner "Colorgraph", 1964 die "Digiset" für die digitale Schrift- und Bildwiedergabe und das "Pressfax" zur Fernübertragung kompletter Zeitungsseiten.

Viele Auszeichnungen für einen genialen Erfinder 1967 wurde Dr.-Ing. Rudolf Hell mit dem Großen Verdienstkreuz zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet, 1968 erhielt er den Ullstein-Ring und den Kulturpreis der Stadt Kiel. Im Jahre 1971 initiierte er die Entwicklung und Fertigung von Fernkopiergeräten und stellte damit dem Markt die weltweit ersten Faxgeräte für die Büroanwendung zur Verfügung. Weil sein Unternehmen mittlerweile zu groß geworden war, um weiterhin als offene Handelsgesellschaft zu firmieren, wandelte er es zum 1. April 1971 in eine GmbH um und versicherte sich der mehrheitlichen Beteiligung der Siemens AG.

Hell wurden zahlreiche Auszeichnungen wie 1979 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Kiel und 1980 das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Im gleichen Jahr stellte er der Fachwelt das elektronische Bildverarbeitungssystem "Chromacom" vor. 1981 wurde die Dr.-Ing. Rudolf Hell GmbH von der Siemens AG als 100-prozentiges Tochterunternehmen übernommen. Hell selbst, bis dahin Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens, wurde Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates.

Rudolf Hell war nicht nur ein genialer Erfinder, sondern auch ein sozial engagierter Unternehmer. So baute er Wohnungen für seine Mitarbeiter und gründete für alle eine Altersfürsorge-Versicherung. "Die Tatsache, für so einen Mann wie Dr. Hell zu arbeiten, der den Kopf und die Schubladen voller Ideen hatte, das war für mich und die meisten der Kollegen eine Freude", bestätigt Christian Sütel und umreißt damit auch den Begriff der "Hell-Familie".

1990 zog sich Hell, den das Deutsche Patentamt München in ihre Erfinder-Galerie aufgenommen hat, aus dem aktiven Geschäftsleben zurück. Sein Unternehmen war mit der Frankfurter Linotype AG zur Linotype-Hell AG verschmolzen. Die Linotype-Hell AG ging 1997 in die Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) über. In Kiel schlägt seither das digitale Herz von Heidelberg: dort werden Produkte für den Bereich Prepress und Workflow hergestellt und die digitale Farbdruckmaschine NexPress 2100 montiert.

Für weitere Informationen:
Heidelberger Druckmaschinen AG
Unternehmenskommunikation
Christiane Creutzberg
Tel.: +49 (0)6221 92 50 48
Fax: +49 (0)6221 92 50 58
E-Mail: christiane.creutzberg@heidelberg.com

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