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Das Gesicht der Maschine

Eckhard Köbler und sein neunköpfiges Team gestalten das unverwechselbare "Gesicht" der Maschinen von Heidelberg. Beim Besuch im Design-Studio erläutert Köbler, warum es dabei um weit mehr als nur das Aussehen geht.
Maschinen müssen nicht nur perfekt funktionieren, sondern auch gut dabei aussehen.  Denn in einer globalisierten Welt übernimmt das Design eine identitätsstiftende Rolle. Form, Farbe und Material einer Maschine spiegeln das Selbstverständnis des Herstellers. Sie machen Werte wie Spitzenqualität, Souveränität, Faszination und Leidenschaft, die den Kern der Produkte von Heidelberg ausmachen, sinnlich erlebbar.

Herr Köbler, immer wieder werden Produkte von Heidelberg für ihr Design ausgezeichnet, unter anderem die Speedmaster XL 162 und der Maschinenleitstand Prinect Press Center. Wie profitieren die Kunden von Heidelberg davon?
Köbler: Auch grafische Betriebe müssen ihr Firmenimage inszenieren. Wenn beispielsweise ein Auftraggeber zur Druckabnahme in die Druckerei kommt, dann werden Werkstätten immer mehr zu Showrooms und Produktionsmaschinen zum ästhetischen Aushängeschild. Das Design trägt hier unmittelbar zur Wertschöpfung bei.

Wie funktioniert das?
Köbler:
Gestalterische Parameter wie Farben, Formen und Material sind letztlich Codes, mit denen wir emotionale Botschaften vermitteln. Das lässt sich sehr gut an den Lackfarben für Autos beobachten. Aktuell ist die Farbe weiß, die lange Zeit als langweilig galt, sehr gefragt. Sie wird als rein und futuristisch empfunden, wozu sicherlich auch Lifestyle-Produkte wie der iPod von Apple beigetragen haben. Auch in das Design der Maschinen von Heidelberg fließen die Ergebnisse von Trendforschern ein.
Könnten Sie das am New_Arc-Design  von Heidelberg verdeutlichen?
Köbler:
Unser New_Arc-Design spiegelt das Spannungsdreieck von Globalisierung, Ergonomie und technischem Fortschritt wider. Die Silbertöne symbolisieren Hightech. Eine Hightech, die den Menschen allerdings nicht dominieren, sondern ihm dienen soll. Das drücken die namengebenden Bogen und die sanften Rundungen, etwa an den Drucktürmen, aus. In Kombination mit den teilweise farbig abgesetzten geometrischen Flächen wirken sie edel und übersichtlich zugleich und schaffen somit eine bedienerfreundliche Atmosphäre.


Bei der Gestaltung des An- und Auslegers der Speedmaster XL 162 haben wir uns an Portalen aus Stadtlandschaften orientiert. Bauwerke wie der Arc de Triomphe in Paris sind ja im ursprünglichen Sinne eine Durchfahrt, zugleich haben sie Symbolcharakter. Bei der Speedmaster XL 162 ist es ähnlich: Die beiden Portale stehen für Input und Output, sie markieren Anfang und Ende der Wertschöpfungskette: Unbedrucktes Papier fährt in die Maschine hinein und kommt bedruckt heraus.



Kommen Sie mit Ihren Entwürfen nicht den Ingenieuren in die Quere?
Köbler:
Nein, denn wir sitzen von der ersten Produktidee an mit am Tisch und arbeiten im ständigen Austausch mit den Ingenieuren. Wir tasten uns über Skizzen und 3-D-Modelle an die optimale Form heran. Am Bildschirm sieht das Produkt häufig perfekt gestaltet aus. Doch die Schaumstoffmodelle im Maßstab 1:10 zeigen, wo etwas hakt, beispielsweise die Proportionen unausgewogen sind. Dann wird noch einmal überarbeitet, danach ein Modell aus Sandwichkarton im Maßstab 1:1 gebaut. Wir gestalten alle sichtbaren Bauteile. Dabei geht es auch um funktionale Kriterien wie passive Sicherheit oder Langlebigkeit. So setzen wir zum Beispiel den Lack der Maschinenverkleidung unterschiedlichsten Lösemitteln aus, um den Farbabrieb zu prüfen. Ebenso vergleichen wir Materialien wie Stahlbleche und Kunststoffe miteinander, etwa hinsichtlich ihrer Stoßempfindlichkeit, damit Qualität in der Serienproduktion bezahlbar bleibt.

Welche Rolle spielen die Anwender?
Köbler:
Eine äußerst wichtige. Wir wollen die Bedienung der Druckmaschine so einfach und sicher wie möglich machen. Das Design folgt daher immer der Ergonomie.
Heidelberger Druckmaschinen AG: Das Jogwheel am Prinect Press Center
Ein gutes Beispiel hierfür ist das Jogwheel am Prinect Press Center. Wir haben es als zusätzliches Steuerungselement aufgenommen, weil das Drehen am Eingaberad dem Anwender das zigfache Klicken auf den Bildschirm erspart, wenn er die Lufteinstellungen vornimmt.


Oder nehmen Sie die Griffgestaltung am Druckwerk. Um zu vermeiden, dass dem Anwender der Griff in den Rücken drückt, haben wir die Griffstange nach unten hin gerundet. Zudem sind alle Bedienstellen blind zu ertasten, denn das Bedienlayout ist über alle Maschinenformate einheitlich. Das hilft gerade "Springern" dabei, die Maschine fehlerfrei zu bedienen.

Wie lange arbeiten Sie an einer Neuentwicklung wie der Speedmaster XL 162 oder dem Prinect Press Center?
Köbler:
Die Projektlaufzeit beträgt ungefähr vier Jahre. Meist stemmen wir drei oder vier Projekte gleichzeitig neben dem Tagesgeschäft. Da kommt man sich schon mal vor wie der Architekt auf einer Großbaustelle.

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