Klein, fein und persönlich
Geschäftsführer Tobias Stocker (rechts außen) und sein Team.
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Sie sind gerade mal sechs Kollegen. Doch genau das ist die
Stärke der Akzidenzdruckerei Tanner & Bosshardt im
schweizerischen Basel: Sie ist klein, fein und persönlich.
Zudem springt jeder für den anderen ein und hilft aus, wenn es
irgendwo brennt. Und diese Flexibilität wissen die Kunden zu
schätzen.
Es ist sieben Uhr morgens. In der Austraße, im Zentrum
von Basel, geht das Team von Tanner & Bosshardt die
Aufträge für den Tag durch. Wie jeden Morgen. Und wie
fast jeden Tag stellt wenig später ein kurzfristiger
Eilauftrag die ganze Terminplanung auf den Kopf: Ein Stammkunde
ruft kurz vor elf Uhr an. Er brauche dringend 10 000
Geschäftsbriefbogen. Geschäftsführer Tobias Stocker
überlegt nicht lange und sagt als Liefertermin den folgenden
Tag zu. "Wir haben kurze, übersichtliche Wege über
die Abteilungen hinweg. Deshalb können wir solche
kurzfristigen Jobs meist problemlos dazwischenschieben. Diese
Flexibilität ist eine unserer Stärken, die wir
ausspielen." Das Menschenmögliche tun, um auch
äußerst kurzfristige Aufträge einzuschieben,
versteht Stocker als Serviceleistung: "Wenn ein Kunde uns
bestätigt' 'Ihr habt uns wieder mal rausgerissen',
dann ist unser Einsatz die perfekte Kundenbindung."
Teamgeist großgeschrieben
Tanner & Bosshardt ist ein typischer Familienbetrieb: In
der Vorstufe arbeiten eine und im Druck zwei Personen. In der
"Ausrüsterei" (Weiterverarbeitung) und der
Verwaltung ist jeweils eine Halbtagskraft tätig. Stocker
selbst ist gelernter Schriftsetzer und nach eigenen Worten das
"Mädchen für alles". Er kümmert sich um
alle "unproduktiven" Aufgaben, wie die Akquise oder
Rechnungsstellung. Zudem ist er ein überzeugter Teamplayer:
"Wir sind so ein kleiner Betrieb, da kommt es auf jeden
Einzelnen an." Beispielsweise in der Weiterverarbeitung. Wenn
die Halbtagskraft nicht da ist, packen die beiden Drucker mit an.
Dann übernehmen sie das Schneiden, Falzen, Rillen, Stanzen,
Prägen oder Perforieren. Nur größere Sachen wie
Klebebinden oder Fadenheften werden an einen externen Buchbinder
vergeben.
Die beiden Heidelberg Printmaster GTO 52 sorgen für hohe Qualität und kurze Rüstzeiten.
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Die Herausforderung suchen
Rund 90 Prozent der Kunden sind Firmen, die ihre
Geschäfts- und Werbedrucksachen bei Tanner & Bosshardt
herstellen lassen: Visitenkarten, Briefbogen und Kuverts in
Auflagen bis zu 400 000 Stück oder Flyer und Broschüren
in Auflagen bis zu 10 000 Stück. "Wir suchen das
Besondere", stellt Stocker fest. Daher nimmt die Druckerei
auch anspruchsvolle Aufträge von Agenturen an. Zudem rät
der Geschäftsführer dem Kunden schon einmal zum
hochwertigen Eyecatcher, beispielsweise zum Umschlag aus
Transparentpapier oder zum Druck mit Metallicfarbe. Sogar
Kunstbücher in kleinen Auflagen von bis zu 1 000 Exemplaren
hat der Betrieb auf den beiden Heidelberg Printmaster GTO 52 schon
gedruckt.
Immer an vorderster Front
Stocker kennt aber auch die Grenzen des Betriebs: "Es
ist wichtig, nicht auf allen Hochzeiten zu tanzen. Genauso wichtig
ist es, technisch an vorderster Front zu sein und die Abläufe
immer weiter zu optimieren. Entweder produziert man
Spitzenqualität bei optimaler Technologie, oder man
verschwindet vom Markt." Er investiert daher auch dann in neue
Maschinen, wenn die Konjunktur nicht so gut läuft, wie etwa
vor zwei Jahren, als er die beiden Heidelberg Printmaster GTO 52
(eine Zwei- und eine Vierfarbenmaschine) anschaffte. Das war zwar
ein finanzieller Kraftakt, doch verhalf er der Druckerei zu einem
"Qualitätssprung", wie Stocker betont. Und dies
gleich in mehrfacher Hinsicht: Der Betrieb kann jetzt feinere
Raster drucken. Eine Qualitätssteigerung bringt auch das
punktgenaue Druckbild. Zudem haben sich die Rüstzeiten
deutlich verkürzt, weil die Drucker jetzt Voreinstellungen
über ein zentrales Steuerpult eingeben können.
"Langwieriges Herumbasteln entfällt, das ist wichtig bei
unseren knapp kalkulierten Preisen", erklärt der
Druckereichef. "Wir müssen mit den beiden Maschinen
unsere Aufträge schnell und effizient produzieren."
Spezialität: Kuverts bedrucken
Ein Riesenmarkt in der Schweiz und ein wichtiges
Standbein für Tanner & Bosshardt ist der Kuvertdruck. Ein
Großkunde aus Basel beispielsweise bestellt rund eine halbe
Million Kuverts und Briefbogen im Jahr. Die Umschläge werden
vierfarbig bedruckt, mit Firmenlogo, Absender und Frankierstempel.
Als besondere Eyecatcher wählen einige Kunden bevorzugt
Naturpapiere oder sehr dünnes Transparentpapier. Diese
anspruchsvollen Bedruckstoffe erfordern ein äußerst
präzises Arbeiten: "Wir drucken auf Endformat. Wir
können von den konfektionierten Kuverts nicht einfach ein paar
Millimeter abschneiden, wenn beispielsweise das Logo nicht
passergenau positioniert ist", erläutert der
Druckereichef. Hier heißt es dann, die Unebenheiten des
Kuverts, etwa im Bereich der Klappen, mit Gummihäutchen auf
dem Gegendruckzylinder auszugleichen. Eine Wissenschaft für
sich sei es auch, die Klappen vollflächig zu bedrucken und nur
den Absender weiß auszusparen. "Das ist ein Riesending,
selbst für die erfahrenen Kollegen. Die fluchen schon mal hin
und wieder, wenn es nicht gleich klappt", meint Stocker
grinsend.
Konsequent die eigene Strategie verfolgen
Der Firmenchef hat noch viel vor. Er liebäugelt mit dem
Suprasetter A52, um von Film- auf CtP-Belichtung umzustellen. Zudem
will er die Abläufe weiter beschleunigen. Eines seiner
Lieblingsthemen ist der Digitaldruck, den er mit Partnerfirmen
anbietet. "Viele sehen im Digitaldruck nur eine
Möglichkeit, kostengünstig kleine Auflagen zu drucken.
Dabei liegt das wahre Potential in der Individualisierung. Wenn
eine gute Datenbank angeschlossen ist, lässt sich jedes
Exemplar eines Briefes oder einer Einladung individuell als Unikat
bedrucken", sagt Stocker. Konsequent verfolgt er mit seinem
Team die Strategie: "Wir sind klein, fein und
persönlich." Und nimmt dabei gerne in Kauf, dass jeden
Tag aufs Neue ein Kunde seinen Produktionsplan
durcheinanderwirbelt.
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