"PrintSells": Kampagne zeigt Wirkung
Print wirkt. Keine Frage. Dennoch wird die Konkurrenz im
Medienmix immer härter. Vor allem digitale Medien machen
Printanteile im Marketingbudget streitig. Die europäische
Kampagne "PrintSells" soll die Position von Druck als
Leitmedium stärken. Frank Leerkotte, Geschäftsführer
beim Hauptinitiator CEPIFINE, stellt erste Ergebnisse vor.
Warum brauchen wir eine "PrintSells"-Kampagne?
Frank Leerkotte: Gerade in reifen Märkten
wächst der Druck der digitalen Medien wie Internet und
Podcasts, aber auch von Fernsehen oder Radio auf Print. In
Großbritannien fließen beispielsweise bereits 15 Prozent
der Werbebudgets ins Internet. Es gibt einfach mehr Kanäle als
noch vor ein, zwei Jahren. Im Gegenzug erhöhen Unternehmen
aber nicht unbedingt ihr Marketingbudget, sondern schichten es um.
Schaut man sich die Titel von Fachzeitschriften für Marketing
oder Kommunikation an, dann beherrschen Themen wie Google, Blogger
oder Podcasts die Schlagzeilen. Über Print ist meist nichts zu
lesen. Das wollen wir mit "PrintSells" ändern.
Wie wollen Sie Print besser vermarkten?
Frank Leerkotte: Indem wir Print als Marke aufbauen, die
mit Werten wie sinnlich, nachhaltig, glaubwürdig, vielseitig
und wirkungsvoll assoziiert wird. Um diese Botschaft zu vermitteln
und im Bewusstsein der Entscheider über Marketing- und
Werbebudgets zu verankern, haben wir zunächst eine
Anzeigenkampagne in führenden Fachzeitschriften für
Marketing und Kommunikation gestartet. Danach haben wir mit
personalisierten Mailings gezielt bei den Marketing- und
Kommunikationsmanagern in Wirtschaftsunternehmen sowie bei den
Accountmanagern in Werbe- und PR-Agenturen nachgefasst. Insgesamt
waren es 440 000 Personen, die wir angesprochen haben.
Welche Ergebnisse haben Sie bislang erzielt?
Frank Leerkotte: Wir haben mit fast tausend Managern
Telefoninterviews geführt. Mehr als 30 Prozent von ihnen haben
die Kampagne bewusst wahrgenommen. Jeder Fünfte will sogar
mehr über die Möglichkeiten, die Printwerbung bietet,
erfahren und hat uns zu diesem Zweck sogar seine E-Mail-Adresse
gegeben. Das ist ein beeindruckendes Ergebnis. Die Kampagne lief ja
nur drei Monate. Zudem rücken heutzutage nur die wenigsten
Entscheider ihre E-Mail-Adresse heraus.
Wie nimmt die Zielgruppe Print wahr?
Frank Leerkotte: Erstaunlich war, dass alle Befragten
genau die Vorteile von Print ansprachen, die auch wir als
einzigartig propagieren: etwa Glaubwürdigkeit, kreative
Vielseitigkeit oder dass man Printsachen anfassen und fühlen
kann. Diese wahrgenommenen Stärken von Print werden wir weiter
forciert nach draußen tragen und vermarkten. Ein weiteres
Ergebnis ist, dass viele Marketingverantwortliche Print und
Internet noch mehr miteinander verzahnen wollen. Einfach, weil sich
die beiden Medien gut ergänzen. Hier besteht noch Bedarf
für die Druckindustrie, entsprechende Möglichkeiten
aufzuzeigen, wie ein optimales Zusammenspiel zwischen den beiden
Medien aussehen kann. Denn eines haben die Entscheider auch
durchblicken lassen: Massenprodukte, etwa Mailings, gehen
zurück. Sie werden immer mehr von individuellen,
zielgruppenspezifischen Angeboten abgelöst.
Lassen sich schon Auswirkungen im Werbeverhalten feststellen?
Frank Leerkotte: Für Aussagen darüber, ob sich
die Budgets zugunsten von Print verschoben haben, ist es noch zu
früh. Aber wir wissen: Die Leute sind sehr interessiert. Rund
die Hälfte der befragten Entscheider wollen per E-Mail auf dem
Laufenden gehalten werden, was die Kampagne, aber auch
Informationen über die Möglichkeiten von Print anbelangt.
Hier besteht eindeutig ein Defizit: Die meisten der Zielgruppe
waren davon überrascht, welche Effekte mit Print möglich
sind, beispielsweise durch den Einsatz von Duft- und Strukturlack
oder Kaltfolie. Diese Informationslücke wollen wir mit der
zweiten Phase der Kampagne füllen.
Welche Rolle spielen Druckereien in der Kampagne?
Frank Leerkotte: In der ersten Phase der Kampagne hat
uns der europäische Dachverband der Druckmedienindustrie
Intergraf am meisten unterstützt. Über Intergraf wurden
rund 35.000 Exemplare der "PrintSells"-Broschüren an
Druckereien und Papierhändler verschickt. Entweder damit diese
die Broschüren an ihre Kunden verteilen oder aber damit sie
sich selbst informieren und Argumentationshilfen für
Kundengespräche erhalten. Fallstudien über weltbekannte
Unternehmen zeigen zum Beispiel sehr gut, wie einzigartig Print in
seiner Wirkung ist. Für die zweite Phase rechnen wir wieder
mit einer solch großartigen Unterstützung.
Wie geht es weiter?
Frank Leerkotte: Da alle Beteiligten mit dem Erfolg der
Kampagne zufrieden sind und auch die Finanzierung fast steht, wird
es eine Fortsetzung von "PrintSells" geben. Zunächst
werden wir eine weitere Anzeigenreihe starten. Zudem planen wir,
die Laufzeit der Kampagne auf drei Jahre auszudehnen. Das gibt uns
genug Zeit, um Print als Marke zu positionieren und zu beweisen:
"PrintSells!".
Druckversion
"PrintSells" - die Kampagne
Die Kampagne zur Förderung von Printwerbung lief in ihrer
ersten Phase von Oktober bis Dezember 2007. Sie wurde vom Verband
der Feinpapierhersteller, CEPIFINE, und der United Print Chain
initiiert. Hierzu schlossen sich erstmals Verbände und
Unternehmen aus den verschiedensten Branchen zusammen: Druckereien,
Druckmaschinen- und Papierhersteller, Zeitschriftenverleger und
Postdienstleister aus 13 europäischen Ländern, darunter
auch die Heidelberger Druckmaschinen AG.