Das abwaschbare Auto
Ein gedrucktes Auto, von dem man den Schmutz abwischen kann. Mit
solchen ausgefallenen Druckprodukten überrascht die Druckerei
Editora Gráficos Burti Ltda. aus dem brasilianischen São
Paulo immer wieder - ihre Kunden wie auch die Konsumenten.
Bei Burti einfach von einer Druckerei zu sprechen wäre
untertrieben. Das findet auch Leandro Burti: "Wir sind
Lösungsanbieter", merkt der 36-Jährige selbstbewusst
an. Leandro ist der älteste Sohn des Firmengründers Luiz
Carlos Burti und leitet die Geschäfte des 700 Mitarbeiter
zählenden Unternehmens. "Unsere Beratung geht weit
über den Druck und die technischen Belange hinaus. Gemeinsam
mit Agenturen, die unsere Hauptklientel ausmachen, entwickeln wir
Lösungen für schwierigste Anforderungen, teilweise auch
in Zusammenarbeit mit deren Endkunden", meint Leandro. Er
schreckt vor keiner Aufgabe zurück, auch wenn sie
zunächst einmal unlösbar erscheint. Sein Motto lautet
dementsprechend: "Sag niemals nie."
Ein solcher Fall war auch die Idee, ein abwaschbares Auto für
eine Anzeigenkampagne der brasilianischen Volkswagentochter (VW) zu
kreieren. Auf dem Bild der Zeitschriftenanzeige war ein völlig
verdreckter Geländewagen von VW zu sehen. Der Anzeige wurde
ein kleiner Putzlappen beigelegt, mit dem man den aufgedruckten
"Schmutz" wegwischen konnte. Die technische Realisierung
gelang schließlich dank des umfangreichen Know-hows des
Burti-Teams sowie der technologisch hervorragenden Ausstattung.
"Wir haben das Konzept eingehend getestet und es erst dann
vorgeschlagen, als wir sicher waren, die Anzeige in höchster
Qualität drucken zu können", berichtet Leonardo
Burti. Er ist der jüngere Bruder von Leandro und leitet die
Druckerei.
Schmutz oder Rasiercreme?
Gedruckt wurden die Anzeige auf einer Speedmaster CD
102-6 mit CoolCure UV. Der Vorteil der CoolCure-Technologie: Beim
Druck wird der Sauerstoff durch Stickstoff ersetzt. Dadurch wird
eine Erwärmung des Bedruckstoffes vermieden und damit
mögliche technische Schwierigkeiten ausgeschlossen. Die
abwaschbaren UV-Lacke bilden das Herzstück der Anzeige. Auf
sie wurde dann der "Schmutz" aufgetragen. Wischt man mit
dem beigelegten Lappen über die Anzeige, erstrahlt das Auto
wie frisch gewaschen. Die Botschaft: Dieser Geländewagen ist
das ideale Gefährt im Gelände und auf der Straße -
robust und pflegeleicht. Ein ähnlicher Aha-Effekt lässt
sich auch bei einer Werbung für Rasiercreme erzeugen. Hier
können die Leser einem Mann den Rasierschaum abwischen, und
zum Vorschein kommt ein tadellos rasiertes Gesicht. "Solche
Vorher-nachher-Darstellungen sind überzeugende und
fantasievolle Werbeträger, die sich beim Konsumenten
einprägen", erklärt Leonardo Burti.
Die Kunden von Burti, zu denen Manager Leandro einen engen Kontakt
pflegt, schätzen diese Kreativität, aber auch die
Verlässlichkeit in der Umsetzung. Denn nicht selten haben die
Firmen, darunter die beiden brasilianischen Agenturen DM9 und DPZ,
das Bekleidungshaus C&A, die Telefongesellschaft TIM sowie
Volkswagen und Nissan, einen besonderen Wunsch oder eine ganz
individuelle Idee. "Bei der Produktentwicklung probieren wir
oft ganz neue Dinge aus und gehen bis an die Grenzen des
Möglichen. Dies hat den Vorteil, dass wir unseren Kunden ganz
genau sagen können, was drucktechnisch machbar und
wirtschaftlich sinnvoll ist und was nicht. Enttäuschungen
bleiben damit aus", berichtet Leandro.
Für die anspruchsvollen Aufträge setzt Burti
ausschließlich auf Heidelberg Maschinen, vor allem auf
Speedmaster im Format 70 x 100. Kreditkarten druckt das Unternehmen
beispielsweise auf einer Speedmaster CD 102-6 mit CoolCure
UV-Ausstattung. UV-veredelt wird mit der Speedmaster CD 102-2 UV,
während auf den Speedmaster
SM 102-6, CD 102-6 und SM 102-10 Werbebeileger,
Broschüren, Geschäftsberichte und Bücher, darunter
großformatige Kunst- und Fotobände, gedruckt werden.
Ergänzt wird der Bogenoffsetbereich um zwei
Rollenoffsetmaschinen von Heidelberg, mit denen etwa Zeitschriften
wie die "Vogue" gedruckt werden. Sieben Stahlfolder, eine
Sammelhefter Stitchmaster ST 400 von Heidelberg und vier
Schneidmaschinen ergänzen den Maschinenpark. Gearbeitet wird
an sechs Tagen in der Woche in drei Schichten von jeweils acht
Stunden.
Leandro und Leonardo Burti, die das 1976 gegründete
Unternehmen in zweiter Generation leiten, sind stolz auf das
Erreichte: Burti zählt heute zu den fünf
größten Druckereien in Brasilien. "Unsere
Produktivität ist so hoch wie in Europa oder den USA, die
Produktionskosten sind aber 20 Prozent niedriger", betont
Leonardo. "Daher planen wir, unser Auslandsgeschäft auf
über 50 Prozent zu steigern, zumal der Markt in Brasilien
gesättigt ist. Darüber hinaus wollen wir unseren Kunden
zusätzliche Angebote um den Druck herum anbieten,
beispielsweise Fulfillment oder Lagerlogistik", ergänzt
Leandro. Sein Motto "Sag niemals nie" hat sich
bewährt. In ähnlicher Manier wie James Bond ist auch der
mittlere der drei Burti-Brüder, Luciano, unterwegs. Der
ehemalige Formel-1-Pilot fährt nun Stockcar-Rennen. Doch das
ist eine andere Geschichte.
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