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Warum Rot nicht immer Rot ist

Das menschliche Auge kann zwischen mehreren Millionen Farbnuancen unterscheiden. Vorstufenspezialisten und Drucker stehen nun vor der Aufgabe, einige dieser Millionen Nuancen möglichst gut zu reproduzieren. Unmöglich oder eine Frage des Color Managements?

Die Qualität eines Druckprodukts misst sich immer daran, wie gut der vom Auftraggeber gewünschte Farbeindruck tatsächlich erreicht wird. Dieser hat in den meisten Fällen nur eine Darstellung am Bildschirm gesehen oder bestenfalls einen Prüfdruck (Proof) bekommen. Die Anforderung an die Spezialisten in der Druckvorstufe und der Druckerei ist es, diese Vorgaben perfekt an der Druckmaschine umzusetzen. Doch gerade bei der Farbe steckt der Teufel im Detail. Zu viele Faktoren beeinflussen das Druckergebnis, als das man mit einfachen Anweisungen zum passenden Druckergebnis kommt. "Bitte etwas freundlicher" oder "das Blau kälter" führen nicht zu verbindlichen Tonwerten im Druck. In der Ausgabe "Farbe und Qualität" der Reihe Heidelberg "Fachwissen" werden die Grundlagen vermittelt, um auf diese Herausforderung besser vorbereitet zu sein.
Additive Farbmischung: Bei der additiven Farbmischung wird Licht unterschiedlicher Farben überlagert.
Additive Farbmischung: Bei der additiven Farbmischung wird Licht unterschiedlicher Farben überlagert.
Subtraktive Farbmischung: Bei der subtraktiven Farbmischung werden weißem Licht unterschiedliche Farbbestandteile entnommen. Durch Wegnehmen aller Farbbestandteile entsteht Schwarz.
Subtraktive Farbmischung: Bei der subtraktiven Farbmischung werden weißem Licht unter-
schiedliche Farbbestandteile entnommen. Durch Wegnehmen aller Farbbestandteile entsteht Schwarz.

Warum ist ein rotes Buch nicht immer rot?
Farben sind keine Eigenschaften eines Objekts wie etwa das spezifische Gewicht oder seine Form. Farbe entsteht in unserem Gehirn. Das Objekt hat die Eigenschaft, Licht bestimmter Wellenlängen zu absorbieren oder zu reflektieren. Treffen Lichtstrahlen nun auf das rote Buch, werden Anteile des weißen Lichts absorbiert, der Rest reflektiert. Die Wellenlänge dieser Farben bestimmen, welchen Farbton wir sehen. Dabei spielt natürlich auch die Wellenlänge des Beleuchtungslichts eine wesentliche Rolle. Unter der Bürolampe sieht das rote Buch folglich anders aus, als unter blauem Himmel.

   Warum nehmen wir Farben unterschiedlich wahr?
Wenn Auftraggeber und Drucker ein Druckprodukt betrachten, dann kann es vorkommen, dass beide unterschiedliche Farbnuancen wahrnehmen. Denn welche Farbe wir sehen, hängt vom Reizzustand der Rezeptoren unserer Augen ab; genau genommen von den drei Zapfenarten auf der Netzhaut, die jeweils auf unterschiedliche Wellenbereiche des Lichts reagieren: auf rotes, grünes und blaues Licht. Entsprechend des individuellen Farbempfindens nehmen manche Menschen beispielsweise Bordeauxrot bereits als Violett wahr.
Die Abbildung zeigt die Lage der a*- und b*-Achse des CIELAB-Farbenraumes in der x-y-Farbtafel.
Die Abbildung zeigt die Lage der a*- und b*-Achse des CIELAB-Farbenraumes in der x-y-Farbtafel.
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   Wie kann man Farben messen?
Da Farben keine physikalischen Eigenschaften eines Objekts sind, sondern vom individuellen Sehempfinden abhängen, hat die "Commission Internationale d'Eclairage" (Internationale Beleuchtungskommission) einen normierten Farbraum entwickelt: CIELab. Der Farbraum basiert auf Tests mit farbnormalsichtigen Personen, um ein Farbbeschreibungssystem zu schaffen, das die Empfindlichkeit der drei Farbrezeptoren des menschlichen Auges wiedergibt. Entsprechend besteht der CIELab Farbraum aus drei Koordinaten analog zu den Farbzäpfchen im menschlichen Auge: rot, grün und blau, ergänzt durch eine dritte Dimension, der Helligkeits-Achse. Mithilfe dieser Koordinaten kann der Ort einer Farbe und damit alle Farbnuancen, die sich durch die additive Mischung der Spektralfarben erzeugen lassen, definiert werden. Der Spezialist in der Vorstufe oder in der Druckerei weiß nun, wo er sich mit seinem aktuellen Druckjob im Farbraum befindet (Ist-Wert), und wie weit er vom Sollwert entfernt ist.

   Warum bürgt ein Densitometer nicht immer für Farbqualität?
Ein Densitometer ermittelt die Dichte aus dem Helligkeitsunterschied zwischen aufgestrahltem und reflektiertem Licht. Es unterscheidet also nur zwischen Hell und Dunkel und ist zunächst nur für die Dichteermittlung von Schwarz anwendbar. Damit diese Technik auch für die genormten Prozessfarben Cyan, Magenta und Gelb funktioniert, verfügen Densitometer über Farbfilter der Komplementärfarben. Rotfilter für Cyan-Messung, Grünfilter für Magenta und Blaufilter für Gelb. Da sich die Dichten im Wesentlichen gleich zur Farbschichtdicke verhalten, kann der Drucker aus diesen Werten eine Veränderung der Farbführung ableiten. Allerdings besagt derselbe Dichtewert nicht, dass auch der Farbeindruck für den Betrachter derselbe ist.
Für Sonderfarben sind aufgrund der Vielfalt keine Filter definiert. Man behilft sich hier so, dass man einen der Farbfilter wählt, der am weitesten von der Messprobe entfernt liegt, z.B. einen Blaufilter für die Messung von Hellgrün oder Orange. Dabei kann es vorkommen, dass für diese beiden Farben identische Dichtewerte angezeigt werden. 

   Warum garantiert das Spektralfotometer eine höhere Farbqualität?
Ein Spektralfotometer zerlegt das reflektierte Licht der Messprobe in Spektren. Daraus werden einerseits die farbmetrischen Werte L*a*b* berechnet und andererseits die entsprechenden Dichte- und Tonwerte. Spektralfotometrische Farbmesssysteme an Druckmaschinen erfüllen noch eine weitere Aufgabe. Ihr Farbrechner ermittelt aus der Differenz zwischen Sollwert (z.B. im Proof oder einem Farbmuster) und dem Istwert auf dem Druckbogen die notwendige Verstellung der Farbzonen und leitet sie online an die Druckmaschine weiter. Wie viele Abzüge und Nachführungen benötigt werden, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen, hängt ausschließlich von der Differenz zwischen Soll- und Istwert ab. Ziel des Color Management Prozesses ist es, einen ersten Abzug zu erzielen, der so genau wie möglich am Sollwert liegt. Dann genügt oft ein einziger Regelschritt, um den OK-Bogen zu erreichen. Dazu wird eine Messform standardisiert gedruckt und spektral gemessen. Die ermittelten Werte werden zur Herstellung eines ICC-Farbprofils verwendet. Dieses Profil sorgt dafür, dass schon bei der Retusche am Bildschirm die Farbe stimmt und der Proof das Ergebnis des Drucks verlässlich anzeigt.

Vorher wissen, was hinterher gedruckt wird, das sind Sinn und Zweck von Color Management. Damit wird aufwändige Lithografie an der Druckmaschine verhindert, Kosten gesenkt, Makulatur reduziert und das rote Buch ist so rot, wie es sich der Auftraggeber wünscht.

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Download "Farbe & Qualität"

Wenn Sie mehr Informationen rund um die Themen Farbe und Color Management möchten, dann klicken Sie hier zum Download der Ausgabe "Farbe & Qualität" aus der Reihe "Fachwissen" von Heidelberg.

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