Zwei Brüder rocken den Druckmarkt
Der eine war Sänger einer New-Wave-Band und spielt Gitarre,
der andere singt und komponiert. Die Brüder Laurent und
Thierry Charliot aus dem westfranzösischen Montaigu sind nicht
nur begeisterte Musiker, sondern auch begnadete
Geschäftsmänner, die mit außergewöhnlichen
Ideen ihre Druckerei "Imprimédia" auf Wachstumskurs
halten.
Es ist ein Marienkäfer, der das Logo von Imprimédia
ziert und seinem Ruf als Glücksbringer mehr als gerecht wird:
Seit 1995 leiten Thierry und Laurent Charliot die Geschicke des
1978 gegründeten Familienbetriebs. Seither ist die Druckerei
von damals drei auf über 20 Mitarbeiter angewachsen. Noch
erstaunlicher als das Wachstum ist jedoch die Art und Weise, wie es
zustande kam. Das liegt am Anspruch: "Wir beschränken uns
nicht darauf, bedrucktes Papier herzustellen. Vielmehr liefern wir
unseren Kunden gedruckte Kommunikation, damit sie ihren
Bekanntheitsgrad und Geschäftserfolg steigern", betont
Thierry. Zu diesem Zweck haben die Brüder Charliot ihr
Geschäft nach und nach ausgeweitet.
Kreativität, die man sieht
"Wir setzen die Kommunikation unserer Kunden nicht nur um,
sondern beraten schon im Vorfeld, welche Strategie sinnvoll ist.
Was zählt, ist die Kreativität", berichtet Laurent.
Deshalb hat Imprimédia eine kleine Werbeagentur mit Webdesign
aufgebaut. Die fünf Mitarbeiter decken alle Anforderungen ab:
Redaktion, Grafik und Layout. Zusätzlich entwerfen sie Logos
und führen sogar komplette Marketingkampagnen oder
Cross-Media-Projekte durch.
Sponsoren gesucht
Sport und Kultur liegen den beiden Charliots besonders
am Herzen. Die Veranstaltungen in beiden Bereichen bieten eine
hervorragende Werbeplattform für bestehende und potenzielle
Kunden. So entstand das nächste Geschäftsfeld: die
Akquise von Sponsoren. "Für das 'Festival de Poupet' im Westen
Frankreichs, bei dem schon Stars wie Lenny Kravitz oder Joe Cocker
auftraten, sichern wir jährlich rund 30 Prozent der
Finanzierung über Sponsoren. Ohne sie könnte das beliebte
Musikfestival, das jedes Jahr rund 40 000 Fans anlockt, nicht
stattfinden", sagt Thierry. Selbstverständlich engagiert sich
Imprimédia nicht rein uneigennützig: Der Betrieb fertigt
alle Printprodukte, von den Eintrittskarten und Programmheften bis
zu den Plakaten.
Zeitschriften, die nichts kosten
Die pfiffigen Brüder produzieren inzwischen eine
Handvoll Gratispublikationen, die sie selbst auf den Markt bringen.
Die Finanzierung erfolgt über Anzeigen und den Verkauf von
Werbebeilagen. Eines der Gratismagazine ("Nantes Séniors") ist
ein Kultur- und Freizeitführer der Stadt Nantes für
Senioren, der zweimonatlich in einer Auflage von 35 000 Exemplaren
erscheint. "Magazine sind unsere Königsdisziplin, weil sie
unsere gesamten Kompetenzen fordern, von der Konzeption, dem Layout
und der Redaktion über den Druck und Anzeigenverkauf bis hin
zur Verteilung", erläutert Laurent.
"Editions ChaChaCha"
Das jüngste Zusatzgeschäft war der 2003
gegründete und 2008 mit Gewinn verkaufte Verlag für
Kunstdrucke und Poster. "Wir sind in das Geschäft
eingestiegen, weil uns Kunst gefällt, aber auch, weil wir
gesehen haben, wie hoch die Gewinnspannen in diesem Markt sind.
Wenn man die Selbstkosten mit den Verkaufspreisen vergleicht, dann
ist das sehr lukrativ", erzählt Thierry.
Ihre Aktivitäten steigern den Bekanntheitsgrad von
Imprimédia. Was tun Sie noch, um Kunden enger an sich zu
binden oder neue hinzuzugewinnen?
Laurent (links): Wir laden zweimal im Jahr Kunden in unsere
Druckerei ein. Diese Workshops sind eine gute Gelegenheit, um
über neueste Trends zu informieren und die tolle
Atmosphäre in unserem Betrieb vorzuführen. Dadurch wollen
wir den emotionalen Draht zu unseren Kunden verstärken.
Deshalb veröffentlichen wir auf unserer Homepage auch eine
Liste mit unseren aktuellen Lieblingsliedern .
Sie engagieren sich auch gesellschaftlich. Gibt es eine
Verbindung zum Geschäft?
Laurent: Soziale und ökologische Verantwortung sind uns
sehr wichtig. Wir waren zum Beispiel die erste grüne Druckerei
in der Vendée. Wir drucken mit Pflanzenfarben und verwenden
ausschließlich Recyclingpapier oder solches aus nachhaltiger
Forstwirtschaft.
Thierry: Unsere Druckerei dient nicht nur dazu, Gewinn zu
machen, sondern auch, um eine gesellschaftliche Verpflichtung
wahrzunehmen. So sind wir Mitorganisator des jährlich
stattfindenden Benefizkonzerts "Rocker mit Herz" in Nantes. Das
Besondere dabei: Als Eintritt müssen die Besucher ein neues
Spielzeug mitbringen, das mindestens 10 Euro gekostet hat. Die
Spielzeuge werden an bedürftige Kinder gespendet. Über
die Musik haben wir viele Kontakte geknüpft, die manches Mal
die Tür zu einem neuen Auftrag geöffnet haben. Allerdings
entscheidet letztlich immer noch der Preis.
Was ist Ihr nächstes Projekt?
Laurent: Ich schreibe gerade an meinem zweiten Buch
über den Rock, das Ende 2010 erscheinen wird. Von meinem
ersten Buch über den Rock in Nantes wurden immerhin 3 500
Exemplare verkauft.
Thierry [lacht]: Ich habe angefangen zu komponieren. Daher
will ich ein Album mit eigenen Liedern herausbringen, die ich auch
selbst singe. Das wird wohl… 2019 sein.
Druckversion