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Heidelberg wächst und dringt in Zukunftsmärkte vor

08.07.1999


Erfolgreiches Geschäftsjahr 1998/99 - Umsatz von 3,9 Milliarden Euro

Die Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) hat ihr Geschäftsjahr 1998/99 (1. April 1998 - 31. März 1999) erfolgreich abgeschlossen. Mit einem Umsatz von 3,948 Milliarden Euro konnte die Heidelberg Gruppe den Wert des Vorjahres (3,514 Milliarden Euro) um 12,4 Prozent steigern. Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich im Vergleich zu 1997/98 (438 Millionen Euro) auf 481 Millionen Euro, das Ergebnis nach Steuern stieg um 6,5 Prozent auf 256 Millionen Euro (1997/98: 240 Millionen Euro). "Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROI) liegt bei Heidelberg mit 19 Prozent weiterhin auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau", so Finanzvorstand Herbert Meyer. Das Unternehmen hat seinen Gruppenabschluss 1998/99 erstmals nach den Anforderungen des International Accounting Standards Commitees (IASC) durchgeführt. Durch die unterschiedlichen Ansatz- und Bewertungsgrundsätze zwischen dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) und IAS ergeben sich Veränderungen zum Gruppenabschluss des vergangenen Jahres. Um einen Vergleich zu ermöglichen, wurde der Abschluss von 1997/98 nach IAS gerechnet.

Die Auftragseingänge der Heidelberg Gruppe lagen 1998/99 bei 3,369 Milliarden Euro und damit erwartungsgemäß um 11 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres (3,782 Milliarden Euro). Das überdurchschnittliche Niveau von 1997/98 mit einer Steigerung von plus 53,4 Prozent war durch Sondereffekte wie Großaufträge aus Asien sowie der Messe PRINT '97 in Chicago geprägt gewesen. Bereinigt um diese Sondereffekte des Vorjahres lag der Auftragseingang 1998/99 über dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre.

Heidelberg hat sich in den vergangenen Monaten in wichtigen Bereichen verstärkt, das Produktprogramm insbesondere im Digitaldruck weiter ausgebaut und ist dadurch in neue Wachstumsmärkte vorgedrungen. "Der Erfolg des Geschäftsjahres 1998/99 bestätigt erneut unsere Strategie als Anbieter kompletter Lösungen für die Printing- und Publishing-Industrie", so der Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn. Auch die Dividende von 1,50 Euro plus 0,20 Euro Bonus, die Heidelberg für 1998/99 bezahlen werde, spiegle den positiven Geschäftsverlauf des Unternehmens wider.

Im Jahresdurchschnitt beschäftigte Heidelberg 19.714 Mitarbeiter. Das im Vergleich zum Vorjahr (durchschnittlich 16.895 Mitarbeiter) starke Wachstum ergab sich im wesentlichen durch die Übernahme von Vertriebsorganisationen und den Ausbau des Geschäftsfeldes Finishing. Inklusive der weltweiten Vertretungen sowie der Sparte Office Imaging, die Heidelberg im April 1999 von Kodak übernommen hat, sind derzeit rund 23.500 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig, rund die Hälfte davon in Deutschland.

Die Heidelberg Aktie entwickelte sich seit dem Börsengang im Dezember 1997 positiv und zeigte im Schnitt eine bessere Performance als der Deutsche Aktienindex DAX. Bereits ein halbes Jahr nach der Emission wurde Heidelberg am 22. Juni 1998 in den MDAX aufgenommen und rückte zudem in die beiden wichtigen europäischen Aktienindizes Dow Jones STOXX und Dow Jones EURO STOXX vor. Im Januar 1999 gab das Unternehmen nach einer Erhöhung seines Grundkapitals aus Gesellschaftsmitteln Berichtigungsaktien im Verhältnis 5:1 aus.

Die Ausschüttungssumme für 1998/99 erhöht sich dadurch um rund 25 Millionen Euro auf 146 Millionen Euro. Mehrheitsaktionär Heidelbergs war zum Geschäftsjahresende die Lahmeyer AG (Frankfurt) mit 56,1 Prozent. Nach der für Ende des Jahres 1999 geplanten Verschmelzung der Lahmeyer AG auf die RWE AG wird der künftige Mehrheitsaktionär RWE heißen.

Heidelbergs Aktivitäten sind heute in vier Sparten und seit 1998 zusätzlich in sechs Weltregionen unterteilt. Bei den Sparten wird zwischen Prepress (Druckvorstufe), Sheetfed (Bogenoffset), Web (Rollenoffset) und Finishing (Weiterverabeitung von Druckerzeugnissen) unterschieden. Die Regionen teilen sich in Central Europe, Eastern Europe, NAFTA (USA, Mexiko und Kanada), Central and South America, Asia/Pacific sowie Middle East and Africa.

Prepress: Integration erfolgreich abgeschlossen
Die Sparte Prepress, aus der Akquisition der früheren Linotype-Hell AG durch Heidelberg hervorgegangen, hat nach ihrem ersten vollständigen Geschäftsjahr den Turnaround geschafft. Verluste und Aufwendungen sind gesunken und lassen für 1999/2000 ein ausgeglichenes Ergebnis erwarten. Prepress konnte in einer Reihe bedeutender Märkte gute Umsatzzuwächse verbuchen, wobei insbesondere die Entwicklung in den USA erfreulich war. Insgesamt präsentierte die Sparte einen deutlich über dem Vorjahresniveau liegenden Jahresumsatz von 416 Millionen Euro (1997/98: 387 Millionen Euro).

Sheetfed erneut mit Bestmarken
Mit Abstand stärkster Umsatzträger war 1998/99 erneut die Sparte Bogenoffset, die mit 2,627 Milliarden Euro Gesamtumsatz ihre Leistung um 12 Prozent steigern konnte. Besonderen Erfolg verbuchte Heidelberg mit den Speedmaster Produkten. Hier erzielte das Unternehmen gegenüber dem Vorjahr in allen Formatklassen deutliche Zuwachsraten.

Web baute Marktposition weiter aus
Mit seinen Rollenoffset-Maschinen konnte Heidelberg im vergangenen Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von fünf Prozent erzielen: Die Umsätze stiegen von 643 Millionen Euro (1997/98) auf 673 Millionen Euro. Wichtigster Absatzmarkt blieb weiterhin Nordamerika - hier ist Heidelberg mit seinen Commercial Web Presses (Akzidenz-Offsetmaschinen) und einigen Produkten für Versandraumanlagen Marktführer. Auch in Osteuropa sowie in Mittel- und Südamerika blieb das Unternehmen mit seinen Akzidenzmaschinen weiterhin die Nummer eins. Nach der Ankündigung Heidelbergs im Herbst 1998, eigenständig in die Entwicklung und Produktion von Zeitungsdruckmaschinen einzusteigen, wurde jetzt in den USA mit der Montage einer neuen Generation von Zeitungsrotationen begonnen: Das erste Modell, die Mainstream 80, wird erstmals auf der Messe drupa 2000 in Düsseldorf präsentiert.

Weitere Kompetenzen in der Sparte Finishing
Durch die Akquisition der Stahl-Gruppe im Dezember 1998 hat Heidelberg weitere Prozesse der Weiterverabeitung von Druckprodukten integriert. Stahl-Produkte wurden seit Jahren von Heidelberg vertrieben und sind bei den Vertriebsniederlassungen des Unternehmens dadurch bereits bekannt und eingeführt. Die erfreuliche Entwicklung des Umsatzes mit 232 Millionen Euro (1997/98: 141 Millionen Euro), 15,5 Millionen Euro davon entfielen auf die Stahl-Akquisition, wird vor allem durch die Märkte in den USA und Deutschland getragen: Die USA zeigten im Vergleich zu 1997/98 ein Plus von 93 Prozent, Deutschland ein Plus von 32 Prozent.

Neue Regionen für noch schlagkräftigeren Vertrieb
Heidelberg ist inzwischen in mehr als 170 Ländern der Welt vertreten, über 240.000 Kunden arbeiten mit Heidelberg Produkten.

Im Geschäftsjahr 1998/99 hat das Unternehmen Vertriebsgesellschaften in 23 Ländern Asiens, Afrikas und Skandinaviens von der dänischen Handelsgesellschaft EAC (East Asiatic Company) und zudem die Vertretungen in Frankreich und Mexiko übernommen. In Brasilien wurde eine neue Vertretung gegründet. Alle neuen Gesellschaften haben im ersten Jahr sehr positiv abgeschnitten, wobei insbesondere Frankreich hervorzuheben ist: Heidelberg konnte dort den Umsatz um 24 Prozent steigern. Frankreich zählt zur wichtigsten Region Central Europe. Hier steigerte das Unternehmen im Vergleich zu 1997/98 mit 1,851 Milliarden Euro seine Umsätze um 20 Prozent. Eine neue Bestmarke konnte etwa Heidelberg Deutschland mit einem Umsatz von 649 Millionen Euro (1997/98: 546 Millionen Euro) verzeichnen. Auch die Region Eastern Europe befand sich im vergangenen Geschäftsjahr auf Wachstumskurs - trotz der wirtschaftlichen Probleme in vielen Ländern Osteuropas. Die Umsätze stiegen hier um 39 Prozent auf 206 Millionen Euro. Besonders erfreulich verlief die Geschäftsentwicklung in Polen, Tschechien, Rumänien, Ungarn und Russland.

In der Region NAFTA konnte Heidelberg seine Umsätze um 12 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro steigern. Sehr positiv reagierten die Heidelberg Kunden in der Region Asia/Pacific auf das neue Vertriebsnetzwerk. "Die wirtschaftliche Erholung in Asien wird zu einer verstärkten Nachfrage nach Druckerzeugnissen führen", so der Vorstandsvorsitzende Mehdorn. Der Nachholbedarf in der Region sei sehr groß: Während in Europa pro Kopf durchschnittlich für 205 Euro Druckerzeugnisse verkauft würden, liege der Pro-Kopf-Konsum in China bei drei Euro im Jahr. "Asien ist somit einer unserer wichtigsten Zukunftsmärkte. Wir wollen hier unseren Umsatz in den nächsten fünf Jahren verdoppeln", so Mehdorn. Große Potentiale bietet auch die Region Middle East and Africa. Heidelberg war hier im abgelaufenen Geschäftsjahr sehr erfolgreich und steigerte den Umsatz um 50 Prozent auf 102 Millionen Euro.

Heidelberg Digital öffnet neue Marktsegmente
Mit der Übernahme der Sparte Office Imaging der Eastman Kodak Company im April 1999 hat das Unternehmen seinen Bereich Digitales Drucken weiter ausgebaut. Die Digitaltechnologie wird den Heidelberg Kunden neue Marktsegmente öffnen: Sie bildet im Hinblick auf Qualität und Herstellungspreis die Brücke zwischen den Kopierverfahren und dem Offsetdruck. Für alle Aktivitäten im digitalen Bereich hat das Unternehmen im April 1999 die Tochtergesellschaft Heidelberg Digital mit Sitz in Rochester, N.Y. (USA), gegründet. Ein Business-Plan für das neue Geschäftsfeld wird derzeit erarbeitet. "Wir sind davon überzeugt, dass wir in fünf Jahren mindestens rund einer Milliarde Euro Umsatz im Digitaldruck erwirtschaften", so Mehdorn. Die Entwicklung neuer Technologien und Maschinen verlange insbesondere im Hinblick auf die drupa im Mai 2000 von allen Mitarbeitern in den kommenden Monaten ein besonderes Engagement. Heidelberg werde seine Kunden auf dem Weg ins Informationszeitalter jedoch nicht nur mit neuen Technologien, sondern auch mit der Print Media Academy unterstützen. Das internationale Kommunikations- und Wissenszentrum für die gesamte grafische Industrie wird im Jahr 2000 - rechtzeitig zum 150-Jahr-Jubiläum des Unternehmens - in Heidelberg eröffnet.

"Die vergangenen Monate waren für unser Unternehmen ereignisreich, wir haben viel erreicht", so Mehdorn. Angesichts des bereits hohen Niveaus bei Umsatz und Ergebnis in 1998/99 sowie einer zu erwartenden Kaufzurückhaltung im Vorfeld der drupa rechnet der Vorstandsvorsitzende für das Geschäftsjahr 1999/2000 mit einer moderaten Umsatzsteigerung.

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