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Zertifizierte Papiere: Geschäftschancen nutzen

Kennen Sie zertifizierte Papiere? Wenn nicht, dann wird es höchste Zeit. Denn diese Papiere schonen nicht nur die Umwelt, sondern bieten Druckereien auch lukrative Geschäftschancen. Welche genau, das erläutert Erich Clef-Prahm, zuständig für Unternehmenskommunikation bei der Papier Union, die als erster deutscher Papiergroßhändler bereits 2004 zertifiziert war. 

Herr Clef-Prahm, was sind eigentlich zertifizierte Papiere?
Clef-Prahm:
Das Holz, aus dem diese Papiere hergestellt werden, stammt aus nachhaltig und sozialverträglich bewirtschafteten Wäldern, also beispielsweise aus Wäldern, die wiederaufgeforstet werden. Damit soll dem illegalen Holzeinschlag, etwa in Naturreservaten, sowie der weltweiten Abnahme des ökologisch so wertvollen Lebensraums der Naturwälder Einhalt geboten werden. 

Und wie funktioniert das?
Clef-Prahm:
Im Rahmen der Zertifizierung wird jedes einzelne Glied der Produktions- und Vertriebskette entsprechend den Nachhaltigkeitskriterien überprüft und zertifiziert. Diese sogenannte Chain of Custody beginnt bei den Wäldern und spannt sich fort über das Sägewerk, die Zellstoff- und Papierfabrik bis hin zum Papierhändler und zur Druckerei. Jeder ist dafür verantwortlich, dass über den gesamten Produktionsfluss hinweg die Nachhaltigkeitskriterien auch tatsächlich eingehalten und dokumentiert werden. Auf diese Weise entsteht eine lückenlose Transparenz vom Baum über die Papiermaschine bis zum fertigen Druckprodukt. So dürfen Drucksachen nur dann ein Zertifizierungslogo tragen, wenn sie ausschließlich aus zertifiziertem Papier hergestellt werden. Das bedeutet für eine Druckerei, dass sie bei kurzfristigen Engpässen, etwa weil sich die Auflage eines Druckjobs erhöht hat, kein unzertifiziertes Papier "beimischen" darf.
Unterscheiden sich zertifizierte Papiere in der Verarbeitung von anderen?
Clef-Prahm:
Nein. Über die Qualität, Beschaffenheit oder Druckeigenschaften eines Papiers sagt das Zertifikat nichts aus. Die gleiche Papiersorte kann sowohl unzertifiziert als auch zertifiziert auf dem Markt sein.

Warum lohnt sich für Druckereien eine Zertifizierung?
Clef-Prahm:
Schon wegen der steigenden Nachfrage besonders seitens großer Unternehmen wie etwa der Deutschen Bank oder der Verlagsgruppe Random House. Diese engagieren sich zunehmend für die Umwelt, zum Teil auch auf Druck der Öffentlichkeit, Und dieses Engagement wollen sie natürlich imagefördernd nach außen demonstrieren, etwa über Geschäftsberichte oder Broschüren. Diese Firmen  legen daher sehr viel Wert darauf, dass ihre Druckprodukte das Zertifikatslogo tragen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, wie oben bereits angesprochen, dass auch die beauftragte Druckerei zertifiziert ist. Sonst darf das Zertifizierungslogo nicht verwendet werden. Dieser Faktor wird oft übersehen.

Und wie genau kann ich nun als Druckerei profitieren?
Clef-Prahm:
Zum einen, indem Sie sich als ein Betrieb positionieren, der sich aktiv im Umweltschutz engagiert. Zum anderen ist die Zertifizierung noch nicht weit verbreitet. In Deutschland gibt es beispielsweise derzeit nur etwa 100 zertifzierte Druckereien. Dies eröffnet natürlich die Chance, die Zertifizierung gezielt im Marketing einzusetzen, um sich vom Wettbewerb abzuheben. So hat zum Beispiel eine mir bekannte Druckerei dadurch neue Kunden gewonnen, dass sie ein Musterbuch ausschließlich aus zertifizierten Papieren gedruckt hat. Dieses Buch hat sie an Unternehmen verschickt, von denen sie bereits wusste oder durch Recherche, etwa auf deren Homepage, davon ausgehen konnte, dass Umweltschutz ein wichtiges Thema ist. Selbst kleine Druckereien haben hier die Chance, bei großen Firmen ins Geschäft zu kommen. Besonders dann, wenn sie auch Werbeagenturen ansprechen, von denen noch immer ein beachtlicher Teil sich entweder noch gar nicht oder erst zaghaft mit zertifizierten Papieren beschäftigt hat.

Was muss ich für eine Zertifizierung tun?
Clef-Prahm:
Etwas Zeit und Geld müssen Sie schon investieren, beispielsweise in Schulungen. Zudem müssen Geschäftsprozesse umgestellt sowie äußerst präzise dokumentiert werden. Denn der Durchlauf des Papiers durch den Betrieb muss jederzeit exakt nachweisbar sein. So dürfen beispielsweise bei einer Tonne zertifiziertem Papier, das in der Druckmaschine bedruckt wird, als Ergebnis nicht plötzlich zwei Tonnen Prospekte herauskommen.
Bei welcher Organisation kann sich eine Druckerei zertifizieren lassen?
Clef-Prahm:
Bei Unternehmen, die vom Forest Stewardship Council, kurz FSC, oder vom Programme for the Endorsement of Forest Certification, abgekürzt PEFC, dazu bevollmächtigt sind, z.B. der TÜV-Nord oder der GFA in Hamburg. Beide Organisationen agieren weltweit und unterscheiden sich nur minimal. Einzig das Papierangebot mit PEFC-Zertifikat ist viel größer als das mit FSC-Zertifikat, weil zurzeit mehr Wälder PEFC-zertifiziert sind.

Welches System empfehlen Sie?
Clef-Prahm:
Am besten ist es, sich nach beiden Systemen, FSC und PEFC, zertifizieren zu lassen. Zum einen, weil sonst die Gefahr besteht, dass ein Kunde ausgerechnet ein nach dem anderen System zertifiziertes Papier wünscht. Aber zum anderen auch aus Kostengründen. Seit Anfang dieses Jahres wird die Zertifizierung nämlich auch im Paket angeboten. Und dieses kostet weniger als zwei einzelne Zertifizierungen, ganz abgesehen von dem geringeren Zeitaufwand.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Chain of Custody

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