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China: Wachstum nach Plan

Chinas Druckindustrie boomt. Experten gehen von einem zweistelligen Wachstum bis mindestens 2010 aus. Gedruckt werden vor allem Verpackungen und Bücher - für den Export und "Eigenbedarf".

In China kennt der Druckmarkt nur eine Richtung: nach oben. Allein zwischen 2001 und 2005 ist dieser Wirtschaftszweig um 14,6 Prozent gewachsen. Derzeit verdienen sich rund 3,4 Millionen Menschen in den knapp 60.000 Druckereien des Landes ihren Lebensunterhalt. Die chinesische Regierung geht davon aus, dass die heimische Druckindustrie bis 2010 Printprodukte im Gesamtwert von 42,5 Milliarden Euro herstellt.

Dieses gewaltige Wachstum speist sich zum einen durch die starke Konjunktur Chinas, die das Bruttoinlandsprodukt jährlich um satte zehn Prozent steigen lässt. Der zunehmende Wohlstand erhöht die Binnennachfrage und erzeugt einen großen Bedarf an Printprodukten: bei Zeitungen und Semi-Commercials, bei Verpackungen, Akzidenzen, Büchern und Spezialprodukten. Allein 2004 wurden knapp 9.500 Zeitschriften mit einer Auflage von 2,85 Milliarden Exemplaren produziert. So verkauft das monatliche erscheinende Magazin "Duzhe" schon einmal zehn Millionen Exemplare von einer Ausgabe. Relativ bescheiden nehmen sich dagegen die 2.000 Zeitungen und 190.000 Buchtitel des Landes aus.
Export und Verpackungsdruck
Ein weiterer Wachstumstreiber ist das starke Exportgeschäft. Chinas Betriebe fertigen mittlerweile 75 Prozent aller Spielzeuge und 58 Prozent aller Kleidungsstücke für den weltweiten Handel. Darüber hinaus lagern vermehrt ausländische Hersteller ihre Produktion nach China aus und lassen gleich vor Ort die entsprechenden Gebrauchsanleitungen, Handbücher und Verpackungen drucken. Demzufolge ist der Verpackungsdruck mit 35 Prozent am Gesamtumsatz das stärkste Marktsegment, gefolgt vom Buchdruck (25 Prozent) sowie von Zeitungen und Semi-Commercials (16 Prozent). Verpackungen für den Export sind hauptsächlich solche für Zigaretten, Spirituosen, Kosmetika und Pharmaprodukte.

Niedrige Lohnkosten sind bei der industriellen Produktion von Konsumgütern ein Vorteil. Bei der Herstellung hochwertiger Printerzeugnisse ist der Lohnkostenanteil jedoch geringer und somit nicht der alles entscheidende Faktor. Zudem relativiert sich der Lohnkostenvorteil chinesischer Druckereien, da das Druckereipersonal in hoch industrialisierten Ländern häufig produktiver als in China arbeitet.
Strukturpolitik fördert Druckhochburgen
Durch den Beitritt Chinas in das Welthandelsabkommen (WTO) und der damit zusammenhängenden Öffnung des chinesischen Marktes investieren zunehmend internationale Geldgeber in chinesische Druckereien. So waren 2005 von den 100 umsatzstärksten Druckereien des Landes 62 durch internationales Kapital finanziert.

Das hohe Tempo, mit der die Druckbranche wächst, resultiert auch aus der Strukturpolitik der einzelnen Provinzen. Diese spiegelt sich im aktuellen, sprich dem Elften Fünfjahresplan (2006-10), wider. Der Plan unterstützt unter anderem die Bildung von regionalen Druckzentren außerhalb der drei bestehenden Druckhochburgen, dem Perlfluss- und dem Jangtse-Delta sowie der Bohai-Region. Vor allem im Perlfluss-Delta (hauptsächlich die Provinz Guangdong) mit den Zentren Hong Kong und Macau, sitzt ein Großteil der ausländisch finanzierten und exportorientierten Druckindustrie. Zusammen mit dem Jangtse-Delta (Provinzen Jiangsu und Zhejiang sowie Shanghai), wird hier der Hauptumsatz der chinesischen Druckindustrie erwirtschaftet. In beiden Regionen dominieren moderne Großdruckereien. Für gutes Fachpersonal sorgen zwölf staatlich geförderte Ausbildungsinstitute für die Printmedien-Industrie.

Nachholbedarf bei Produktionsbedingungen
Der chinesische Boom der Druckindustrie eröffnet ausländischen Druckereien viele Chancen. Im Zuge der Marktöffnung ist es für sie leichter, in China zu investieren und Kooperationen einzugehen, um auf diese Weise am Wachstum zu partizipieren. Vor allem bei Verpackungen und Publikationen ist noch kein Ende des Booms in Sicht. Was die Umsetzung von arbeits- und gesundheitsrechtlichen sowie ökologischen Vorgaben angeht, hat Chinas Wirtschaft aber noch Nachholbedarf. Druckereien sind hier keine Ausnahme.

Ein weiteres Thema, das Drucker in China und aller Welt beschäftigt, ist die Verknappung und Verteuerung der Rohstoffe, beispielsweise Papier. China ist nach den USA der größte Papierkonsument der Welt. Das Land kann mittlerweile seinen Bedarf an Papier nicht mehr selbst abdecken. Bereits 2002 wurden 18,7 Millionen Tonnen Papier, Pappe und Altpapier importiert. Bis 2010 muss China wohl gut 30 Prozent seines Papierbedarfs auf dem Weltmarkt zukaufen. Schon heute hat sich der Papierpreis spürbar verteuert.

Wie werden chinesische Druckereien künftige Herausforderungen meistern? "Wer nicht an die Zukunft denkt, der wird bald große Sorgen haben", wusste Konfuzius bereits vor rund 2500 Jahren. Und Chinas Drucker haben die Lehren ihres berühmten Philosophen sicher verinnerlicht.

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